Mission MINT - Frauen gestalten die Zukunft auch im Weltall

Shownotes

Die Wissenschaftsjournalistin Andrea Lauterbach moderiert das Gespräch zwischen Dr. Suzanna Randall und der Bayerischen Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales Ulrike Scharf, MdL. Sie sprechen über Mut und Neugier für das Unbekannte. Aber auch über bessere Berufsorientierung, sichtbare Vorbilder und überfällige politische Rahmenbedingungen für mehr Frauen im Weltall und in allen MINT-Berufen. Suzanna Randall hatte große Träume und ferne Ziele als junges Mädchen, sie wollte ins Weltall. Die US-Astronautin Sally Ride hat sie zu ihrem Astrophysik-Studium und der Bewerbung als Astronautin inspiriert.

Was sie als angehende Astronautin neben Unterwassertraining, Parabelflügen, und Blutabnahmen noch alles lernen musste, hörst du in der Folge.

Diese Folge von herCAREER Voice beginnt mit einer Schilderung von Randalls beruflichem Weg und der aktuellen Arbeit bei der Europäische Südsternwarte (ESO). Sie hat große Hoffnungen für ihre Forschung: „Wir können mit dem ELT (Extremely Large Telescope), wenn sich das Universum ein bisschen fügt, eventuell zum ersten Mal Biosignaturen in erdähnlichen Planeten finden.“

Als Frau, so Randall, muss man immer noch doppelt so gut sein, um Gleiches zu erreichen. Mehr ungeschönte Ehrlichkeit, so Randall, wäre wünschenswert. MINT-Frauen können es schwerer haben, als MINT-Männer und sei ist nur ehrlich, das jungen FLINTA-Personen auch zu sagen.

„Du weißt nicht, wozu du fähig bist, wenn du es nicht probierst.“ – Dr. Suzanna Randall

Die Folge endet mit einem Austausch zwischen Randall und Staatsminsterin Scharf.

Staatsministerin Ulrike Scharf gibt Lösungsansätze für eine bessere Zukunft

  1. Frühe Bildung und Berufsorientierung. Berufsorientierung, Aktionstage wie der Girls’Day und Vorbilder, die auch ihre Zweifel zeigen. Randall wünscht sich „ungeschönte Ehrlichkeit“ statt Hochglanz.
  2. Vorbilder als Orientierung Dr. Suzanna Randall hatte ihr Vorbild, jetzt ist sie Vorzeigefrau für MINT-Berufe. Mit Mut und Durchhaltevermögen helfen Vorbilder, den anstrengenden Geschlechterverhältnisse in Raumfahrt (und Politik) auch zu begegnen.
  3. Politische Rahmenbedingungen Strukturen mit flexibleren Arbeitszeitmodellen, besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, einem freundlicheren Klima in männerdominierten Branchen und Mentoring-Programmen, in denen Frauen sich gegenseitig stärken.

„Habt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, lasst euch von eurer Berufung treiben.“ – Staatsministerin Ulrike Scharf, MdL

Diese Folge wurde präsentiert vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS)

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Der Podcast herCAREER Voice liefert wertvolle Einblicke in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, immer verknüpft mit persönlichen Erfahrungen und vor allem aus weiblicher Perspektive. Wechselnde Moderator:innen und Gäst:innen aus unterschiedlichen Unternehmen, Redaktionen und Arbeitsumfeldern bieten vielseitige und praxisnahe Erfahrungswerte für die Hörer:innen. https://www.her-career.com/podcastherCAREER ist die führende Plattform für die weibliche Karriere. Hier erwartet dich ein einzigartiges Netzwerk mit individuellen Job-Chancen und jede Menge inspirierender Content wie Podcasts, Vorträge und Panels live auf herCAREER Expo oder online im Rahmen unserer herCAREER Academy. Wir heißen alle Menschen willkommen – im Besonderen Frauen, denen wir die Chance geben, von diesem besonderen Möglichkeitsraum zu profitieren. https://www.her-career.com

Dieses Gespräch wurde im Rahmen der herCAREER Expo 2026 aufgezeichnet und als Podcast aufbereitet. Mehr über die herCAREER Expo unter www.her-career.com/expo

Projektleitung: Natascha Hoffner Redaktion: Kristina Appel Produktion: Bernhard Hiergeist

Transkript anzeigen

00:00:00: Als ich zum Beispiel für "Terra X"

00:00:01: angefangen hab, die Videos zu

00:00:03: machen, da wurde halt ständig meine

00:00:04: Frisur kommentiert.

00:00:05: Oder es war ein Video zur

00:00:07: Relativitätstheorie.

00:00:08: Und die Hälfte der Kommentare waren

00:00:10: darüber, dass ich einmal irgendwie

00:00:12: "WissenschaftlerInnen" gesagt habe.

00:00:13: Bei solchen Sachen merkt man

00:00:15: einfach, dass Frauen und Männer ganz

00:00:16: anders beurteilt werden.

00:00:17: Ich hab auch das Gefühl, als Frau

00:00:18: wird man sofort dafür an den Pranger

00:00:20: gestellt.

00:00:21: Und bei Männern geht immer noch viel

00:00:23: mehr einfach durch.

00:00:24: Wir haben die besseren Schulabschlüsse

00:00:25: als junge Mädchen, wir haben die

00:00:27: besseren Studienabschlüsse.

00:00:28: Wir wissen, dass Start-up-Unternehmen,

00:00:30: die Frauen gründen, sehr viel

00:00:31: nachhaltiger und erfolgreicher auch

00:00:33: am Markt sind.

00:00:34: Also es liegt wirklich daran, dass

00:00:35: wir uns das zutrauen und dass wir

00:00:37: sehr früh hier die Weichen stellen.

00:00:45: Willkommen beim HerCareer-Podcast.

00:00:48: Du interessierst dich für aktuelle

00:00:49: Diskurse aus Wirtschaft,

00:00:51: Wissenschaft, Politik und

00:00:52: Gesellschaft und das insbesondere

00:00:54: aus einer weiblichen Perspektive?

00:00:56: Vielleicht wünschst du dir

00:00:57: persönliche Einblicke in den

00:00:58: Arbeitsalltag von Menschen und

00:01:00: Unternehmen, die sich dem

00:01:01: gesellschaftlichen und

00:01:02: wirtschaftlichen Wandel stellen?

00:01:03: Dann bist du hier genau richtig.

00:01:09: Seit sie ein Kind war, wollte

00:01:11: Suzanna ins Weltall fliegen.

00:01:13: Das Training dafür hat Dr.

00:01:15: Suzanna Randall schon absolviert.

00:01:17: Teil ihrer aktuellen Forschung ist

00:01:19: es, herauszufinden, ob es in unserer

00:01:21: Nähe einen erdähnlichen Exoplaneten

00:01:23: mit einer Biosphäre gibt.

00:01:25: Sie sagt, du weißt nicht, wozu du

00:01:26: fähig bist, wenn du es nicht

00:01:28: probierst.

00:01:29: Die Wissenschaftsjournalistin Andrea

00:01:30: Lauterbach moderiert dieses Gespräch

00:01:33: zwischen der Astrophysikerin Randall

00:01:34: und Ulrike Scharf, der Bayerischen

00:01:37: Staatsministerin für Familie,

00:01:38: Arbeit und Soziales.

00:01:40: Sie sprechen über Mut und Neugier

00:01:41: für das Unbekannte, aber auch über

00:01:43: bessere Berufsorientierung,

00:01:45: sichtbare Vorbilder und längst

00:01:47: überfällige politische

00:01:49: Rahmenbedingungen.

00:01:50: Wir brauchen mehr Frauen im Weltall

00:01:52: und in allen MINT-Berufen.

00:01:54: Diese Folge wird vom Bayerische

00:01:56: Staatsministerium für Familie,

00:01:58: Arbeit und Soziales präsentiert.

00:02:09: Einen schönen guten Nachmittag.

00:02:11: Schön, dass Sie alle da sind heute

00:02:13: auf der HerCareer Expo.

00:02:14: Mission MINT.

00:02:16: Frauen gestalten die Zukunft auch

00:02:18: im Weltall.

00:02:19: Das ist unser Thema heute.

00:02:22: Ich freue mich sehr über so viele

00:02:24: Gesichter, die hier im Publikum

00:02:26: sitzen.

00:02:27: Mein Name ist Andrea Lauterbach.

00:02:28: Ich bin Journalistin und Moderatorin

00:02:30: beim Bayerischen Rundfunk.

00:02:32: Ich bin Diplom-Biologin

00:02:34: vom Hintergrund, also ich komme auch

00:02:36: aus den MINT-Fächern, bin dann

00:02:37: trotzdem in den Journalismus

00:02:39: abgebogen, weil ich mir überlegt

00:02:41: habe, ich erzähle lieber, wie toll

00:02:43: Wissenschaft ist, dass es

00:02:45: möglichst viel Reichweite bekommt,

00:02:47: was da in den Laboren und

00:02:49: in den Einrichtungen geforscht wird.

00:02:51: Und deswegen freue ich mich umso

00:02:52: mehr, dass wir heute hier sind

00:02:54: und über Frauen sprechen, die in

00:02:56: den MINT-Berufen ja

00:02:58: im wahrsten Sinne des Wortes durch

00:03:00: die Decke gehen.

00:03:01: Wenn man über Karriere spricht,

00:03:03: dann finde ich, kann man die Latte

00:03:05: ziemlich hoch hängen, bis ins

00:03:07: Weltall hoch.

00:03:08: Wer von Ihnen, von euch arbeitet

00:03:11: denn in dem MINT-Bereich?

00:03:13: Technik, Mathe, Naturwissenschaft,

00:03:15: Biologie, das ist schön, so viele

00:03:16: Meldungen.

00:03:18: Und wer dachte sich schon in der

00:03:19: Schule, also Biologie ist

00:03:21: spannend, Chemie, Physik, ja,

00:03:24: interessiert mich?

00:03:25: Ich würde sagen, sogar noch ein paar

00:03:27: mehr.

00:03:28: Man sieht oft, dass das

00:03:30: Interesse da ist, das Talent ist

00:03:32: da, aber oftmals fehlt einfach

00:03:34: eine echte Chance,

00:03:36: das Talent auf die Straße zu bringen

00:03:38: und darüber sprechen wir heute

00:03:40: mit zwei Frauen.

00:03:41: Ich habe nämlich zwei Fragen, zwei

00:03:43: ganz wichtige, was muss ich alles

00:03:44: ändern und was ist

00:03:46: grundsätzlich möglich?

00:03:48: Jetzt begrüße ich aber erst mal

00:03:50: ganz, ganz herzlich Astrophysikerin

00:03:53: und Astronautin

00:03:55: (Trainee), Dr. Susanne Randall.

00:03:58: Schön, dass du...

00:03:59: Hallo!

00:04:03: Schön, dass Sie da sind heute und

00:04:05: uns einen Einblick geben in

00:04:07: Ihr Leben.

00:04:09: Eine Paradefrau in den MINT-Berufen,

00:04:12: also in der Astrophysik, mein

00:04:14: Weg ins All.

00:04:16: Sie nehmen uns jetzt mit auf Ihre

00:04:17: Reise ins Weltall.

00:04:21: Ich freu mich sehr drauf. Bitteschön,

00:04:22: Ihre Bühne.

00:04:23: Danke schön.

00:04:24: Ja, ich freue mich sehr, dass Sie so

00:04:25: zahlreich hier sind und ich

00:04:27: freue mich auch sehr.

00:04:29: Ich frage mich auch, ob einige von

00:04:31: euch, von Ihnen schon seit der

00:04:33: Kindheit eine Leidenschaft

00:04:34: vielleicht für irgendwas sehr

00:04:36: Spezielles in einer

00:04:37: Naturwissenschaft haben oder

00:04:39: gehabt haben und das vielleicht auch

00:04:41: weiter verfolgt haben.

00:04:42: Bei mir war das ganz klar

00:04:44: immer das Weltall.

00:04:46: Und ich muss sagen, ich war jetzt

00:04:47: als Kind gar nicht unbedingt, oh,

00:04:49: ich will Naturwissenschaften machen

00:04:50: oder so. Das war nämlich eher uncool

00:04:52: bei mir in der Schule.

00:04:54: Aber was ich immer besonders toll

00:04:55: fand, war eben dieser Blick raus

00:04:57: in die Weiten des Weltalls.

00:04:59: Bei Nacht saß ich mit meinem Kakao

00:05:02: und meinem Fernglas da, hab in

00:05:04: die Sterne geschaut und ich hab vor

00:05:05: allem geträumt.

00:05:06: Also ich hab geträume von fremden

00:05:08: Welten, von Aliens,

00:05:10: von anderen Zivilisationen, aber

00:05:12: natürlich auch davon, wie das alles

00:05:13: da draußen funktioniert.

00:05:15: Und mit ungefähr neun Jahren hatte

00:05:17: ich so ein Schlüsselerlebnis.

00:05:19: Ich habe nämlich dieses Foto im

00:05:21: Kölner Stadtanzeiger gesehen.

00:05:23: Ich muss mich jetzt outen.

00:05:23: Ich komme gar nicht aus Bayern.

00:05:25: Ich komme ursprünglich aus Köln, bin

00:05:27: aber jetzt genau

00:05:29: seit 20 Jahren tatsächlich in

00:05:31: München, also Wahl-Bayerin.

00:05:32: Aber ich habe im Kölner Stadtanzeiger

00:05:34: 1989 dieses

00:05:37: Foto gesehen.

00:05:38: Und dieses Foto war

00:05:40: der Anfang von allem.

00:05:42: Was dieses Foto zeigt, wissen

00:05:44: wahrscheinlich die meisten von Ihnen

00:05:45: nicht. Ich würde es wahrscheinlich

00:05:46: auch nicht wissen.

00:05:47: Das ist der Phobos.

00:05:49: Der Phobus ist einer der

00:05:51: beiden Monde unseres Nachbarplaneten

00:05:53: Mars.

00:05:54: Also das Ganze ist jetzt visuell

00:05:56: wirklich nicht spektakulär.

00:05:57: Der Phobos sieht ein bisschen aus

00:05:58: wie so eine Weltraumkartoffel.

00:06:00: Und ich weiß aber noch, ich war

00:06:01: total aufgeregt.

00:06:03: Also meine Eltern saßen daneben und

00:06:04: sagten, das ist irgendein doofes

00:06:05: Foto. Was hast du denn?

00:06:07: Aber für mich war das wirklich der

00:06:08: Anfang davon, dass ich begriffen

00:06:09: habe mit neun Jahren, da ist etwas

00:06:11: da draußen, was ich nicht kenne.

00:06:13: Und nicht nur, ich kenne das nicht,

00:06:14: sondern das kennt keiner wirklich.

00:06:16: Da waren ganz, ganz wenige Menschen

00:06:18: bis jetzt überhaupt.

00:06:19: Wir wissen einfach nicht, was da

00:06:20: alles draußen ist.

00:06:21: Und das hat mich seitdem

00:06:23: eigentlich beschäftigt.

00:06:24: Diese Frage, was ist da draußen?

00:06:27: Jetzt bin ich ein Kind der 90er

00:06:28: Jahre. Ich habe wie bestimmt auch

00:06:30: viele von euch, von Ihnen, die

00:06:32: Space-Shuttle-Starts damals

00:06:34: natürlich noch im Fernsehen, heute

00:06:36: geht das natürlich alles per

00:06:37: Livestream, verfolgt.

00:06:38: Und Ich war ganz

00:06:40: besonders angetan von dieser Frau

00:06:42: hier, das ist

00:06:44: Sally Ride.

00:06:45: Es war zwar nicht die allererste

00:06:46: Frau im Weltraum, das war Walentina

00:06:49: Tereschkowa, aber es war die erste

00:06:50: westliche Frau im Weltraum und

00:06:52: dadurch eine Frau, zu der ich

00:06:54: durch die Medien sehr leichten

00:06:55: Zugang hatte.

00:06:56: Die ist eben US-Amerikanerin, die

00:06:58: war übrigens auch Astrophysikerin

00:06:59: und die ist mit dem Space Shuttle in

00:07:01: den Weltraum geflogen, die lacht

00:07:03: dabei so schön und ich habe gedacht,

00:07:05: boah cool, wenn die das kann, dann

00:07:07: kann ich das auch und vor allen

00:07:08: Dingen will ich das machen.

00:07:09: Die sieht so happy aus, die erlebt

00:07:10: den ganzen Abenteuer.

00:07:11: Ich will wie Sally Ride mit dem

00:07:13: Space Shuttle ins Weltall.

00:07:15: Das mit dem Space Shuttle wird

00:07:16: leider nicht mehr klappen.

00:07:17: Das Space Shutle wurde nämlich 2011

00:07:19: eingemottet.

00:07:20: Aber dafür gibt es inzwischen viele

00:07:22: andere Möglichkeiten, auf die ich

00:07:23: gleich noch zu sprechen kommen

00:07:24: werde. Aber erstmal ist es so,

00:07:27: dass es ja sehr schön ist, wenn man

00:07:28: so einen Traum hat.

00:07:29: Bei mir war es wirklich der kleinen

00:07:30: Mädchentraum von der Rakete,

00:07:33: vom Prinz mit der Rakete vielleicht.

00:07:35: Aber irgendwann wurde mir dann klar,

00:07:37: okay, das ist wirklich ein Traum.

00:07:39: Das wird nicht einfach so was.

00:07:40: Also Astronaut ist nicht was, wo es

00:07:42: nach der Schule 1000

00:07:43: Ausbildungsplätze gibt.

00:07:44: Da bewirbt man sich, man wird

00:07:45: genommen, man lernt was Vernünftiges

00:07:47: und fliegt dann in den Weltraum.

00:07:48: So funktioniert das nicht.

00:07:50: Zum Glück hatte ich ja noch meine

00:07:51: Leidenschaft für den Weltraum ganz

00:07:53: generell.

00:07:54: Und deswegen habe ich beschlossen,

00:07:56: okay, dann studiere ich einfach den

00:07:57: Weltmaum von der Erde aus.

00:07:59: Und das habe ich gemacht.

00:08:00: Ich bin dann nach London gezogen, in

00:08:03: eine meiner Lieblingsstädte, nach

00:08:04: München natürlich, habe dort

00:08:06: Astrophysik studiert, pulsierende

00:08:09: blaue Unterzwergsterne kennengelernt

00:08:11: und habe dann nachher in

00:08:13: Montreal promoviert und bin

00:08:14: so eben in die Astrophysics

00:08:16: gekommen.

00:08:17: In Montreal sieht es im Winter

00:08:19: ungefähr so aus, das

00:08:21: war für mich ein bisschen

00:08:22: verstörend, aber der Grund

00:08:23: warum ich nach drei Jahren

00:08:25: tatsächlich fertig war mit der

00:08:26: Promotion, weil ich habe mir

00:08:28: Weihnachten gesagt, okay du

00:08:30: fährst jetzt nach Hause.

00:08:31: Du willst nicht wieder zurückkommen

00:08:32: in diesen Winter hier.

00:08:34: Also das Wetter kann durchaus

00:08:35: manchmal ein Antrieb sein, um

00:08:37: voran zu kommen.

00:08:38: Danach bin ich bei der ESO gelandet,

00:08:41: bei der europäischen Südsternwarte,

00:08:42: die gar nicht so weit von hier

00:08:43: entfernt ist.

00:08:44: Ich komme jetzt auch gerade von der

00:08:45: ESO, die ist in Garching bei

00:08:47: München.

00:08:48: Wir haben, falls sich einige von

00:08:50: Ihnen mehr für das Thema

00:08:51: interessieren, was wir da machen,

00:08:53: ein ganz, ganz tolles

00:08:53: Besucherzentrum, die ESO

00:08:55: Supernova, wo wir über die

00:08:57: unterschiedlichen Teleskope und auch

00:08:59: über die Forschung die darüber

00:09:00: gemacht wird, sprechen.

00:09:01: Wir haben auch ein Planetarium, also

00:09:02: das Ganze lohnt sich vor allem auch

00:09:04: mit Kindern.

00:09:05: Also wir haben viele Planetarium-Shows

00:09:06: für Kinder, also es ist wirklich

00:09:07: eine ganz klare Empfehlung in

00:09:09: Garching bei München.

00:09:10: Aber seien Sie nicht enttäuscht,

00:09:12: wenn Sie nach Garching fahren und da

00:09:14: keine Teleskope stehen.

00:09:16: Denn heute ist vielleicht eine

00:09:18: Ausnahme, aber wir sind hier

00:09:20: nicht unbedingt mit dem allerbesten

00:09:21: Wetter gesegnet, was astronomische

00:09:23: Beobachtungen angeht.

00:09:25: Hier regnet es, wir haben jetzt

00:09:26: gerade hier in München natürlich

00:09:27: Lichtverschmutzung.

00:09:28: Das heißt, man kann das Weltall

00:09:30: nicht wahnsinnig gut beobachten von

00:09:31: hier aus.

00:09:32: Und deswegen stehen die Teleskope

00:09:34: in Chile.

00:09:36: Und zwar in der Atacama-Wüste,

00:09:38: das ist eine der trockensten Wüsten

00:09:39: der Welt.

00:09:40: Und das Teleskop, für das ich gerade

00:09:41: arbeite, in dem die ESO ein Partner

00:09:43: ist, das heißt ALMA.

00:09:45: Und Sie sehen vielleicht schon, dass

00:09:46: es gar nicht so aussieht, wie man

00:09:47: sich ein Teleskop vorstellt.

00:09:48: Also ein Teleskop, da denkt man an

00:09:49: einen Spiegel, wo dann das Licht

00:09:51: reflektiert wird und aufgenommen

00:09:53: wird. Was wir hier haben,

00:09:55: sieht eher aus wie Satellitenschüsseln

00:09:57: und wie eine Ansammlung von

00:09:58: Satellitenschüsseln.

00:09:59: Und das ist, weil ALMA das

00:10:01: kalte Universum beobachtet.

00:10:03: Das klingt jetzt ein bisschen

00:10:04: gruselig, wir haben jetzt auch bald

00:10:05: Halloween, aber tatsächlich können

00:10:07: wir mit ALMA unsichtbare

00:10:09: Dinge sehen, die wir mit unseren

00:10:10: Augen nicht wahrnehmen können.

00:10:13: Weil diese Sachen im

00:10:14: elektromagnetischen Spektrum, Sie

00:10:16: haben gesagt, viele von Ihnen sind

00:10:16: Naturwissenschaftler, deswegen

00:10:18: sollte das kein Fachbegriff sein,

00:10:20: eher im Millimeter- und

00:10:21: Submillimeterbereich strahlen.

00:10:22: Also wir beobachten sehr, sehr kalte

00:10:24: Objekte, die wir mit den Augen nicht

00:10:26: sehen können.

00:10:27: Und man sieht auch, es sind viele

00:10:28: Teleskope und ich habe schon mal die

00:10:30: Frage bekommen, boah, warum müssen

00:10:32: wir mit unseren Steuergeldern so

00:10:33: viele Teleskope finanzieren?

00:10:35: Reicht nicht ein einziges?

00:10:36: Die Antwort ist natürlich nein,

00:10:38: denn ALMA arbeitet mit

00:10:39: Interferometrie.

00:10:40: Und Interferometrie ist eine recht

00:10:42: komplexe Technik, aber ganz kurz

00:10:44: runtergebrochen, mit Interferometrie

00:10:46: können wir ein virtuelles Teleskop

00:10:48: bauen, das so groß ist

00:10:50: wie der größte Abstand zwischen zwei

00:10:52: einzelnen Antennen.

00:10:53: Im Fall von ALMA können wir so ein

00:10:55: 16 Kilometer großes Teleskop

00:10:57: bauen, sozusagen.

00:10:59: Das wäre natürlich mit einer

00:11:00: einzigen Schüssel nicht möglich.

00:11:01: Und damit können wir sehr viel

00:11:02: schärfere Bilder vom Kosmos bekommen

00:11:04: als mit einem kleineren Teleskop.

00:11:07: Mit ALMA beobachten wir, wie ich

00:11:08: gesagt habe, das kalte Universum.

00:11:11: Zum Beispiel Stern-

00:11:13: und Planetenentstehungsstätten.

00:11:15: Ihr habt sicher ja alle schon mal

00:11:16: den Spruch gehört, wir sind alle aus

00:11:18: Sternenstaub.

00:11:19: Und das klingt ein bisschen nach

00:11:20: Klischee, aber es stimmt wirklich.

00:11:21: Denn die Erde und alles, was auf der

00:11:23: Erde ist, inklusive uns

00:11:26: und auch Kakerlaken,

00:11:28: also alles, das auf der Erde ist,

00:11:30: wird aus dem Staub von sterbenden

00:11:32: Sternen gewonnen sozusagen.

00:11:34: Also aus diesem Staub und dem Gas,

00:11:36: das in alten Sternen entsteht,

00:11:38: das wird hinaus in den

00:11:40: Weltraum gespuckt sozusagen.

00:11:43: Und daraus entstehen dann wieder

00:11:44: neue Sterne und Planetenscheiben,

00:11:46: in denen sich dann neue Planeten

00:11:48: bilden. Wie man hier zum Beispiel

00:11:49: auf diesem ALMA-Bild sieht.

00:11:51: Also diese dunklen Spuren sind

00:11:52: wirklich Bahnen, in denen

00:11:54: Planeten gerade entstehen.

00:11:55: Das war das erste Mal, dass wir die

00:11:57: Planetenentstehung so schön in

00:11:59: Echtzeit beobachten konnten.

00:12:01: Die ESO hatte aber nicht nur ALMA,

00:12:03: sondern viele andere Teleskope.

00:12:04: Und jetzt mache ich einmal ganz,

00:12:05: ganz kurz Werbung für unser

00:12:06: allerneuestes Projekt, für das ELT.

00:12:10: ELT steht für, wir

00:12:12: sind sehr einfallsreich in der

00:12:13: Astronomie, "Extremely

00:12:15: Large Telescope".

00:12:16: Und es ist wirklich extremely large.

00:12:18: Also zur Einordnung die größten

00:12:20: optischen Teleskope, also es heißt,

00:12:22: die Teleskope, die das Licht

00:12:23: beobachten und wir es mit unseren

00:12:25: Augen sehen können, sind im Moment

00:12:26: so um die zehn Meter groß vom

00:12:29: Durchmesser.

00:12:29: Das ELT wird einen

00:12:31: Hauptspiegeldurchmesser von

00:12:33: fast 40 Metern haben.

00:12:36: Und also das Ganze ist wahnsinnig

00:12:37: beeindruckend. Es befindet sich

00:12:38: zurzeit noch im Bau, auch in der

00:12:40: chilenischen Atacama-Wüste, ganz in

00:12:42: der Nähe der anderen Teleskope.

00:12:43: Man sieht wirklich, wie groß es

00:12:45: ist. Und ich war jetzt vor ein

00:12:47: paar Monaten da.

00:12:48: Man fühlt sich wie im Kolosseum,

00:12:49: wenn man in diesem Dom drin steht

00:12:51: und da hochschaut.

00:12:52: Und falls euch das näher

00:12:53: interessiert, haben wir von der ESO

00:12:55: ein Video dazu gemacht, wie ich das

00:12:57: Teleskop besuche.

00:12:58: Da könnt ihr gerne mal reinschauen.

00:13:00: Und es soll 2030

00:13:02: fertig werden.

00:13:03: Also, wir haben jetzt noch ein paar

00:13:03: Jahre und dann muss alles stehen.

00:13:06: Und wir werden zum ersten Mal mit

00:13:07: diesem riesigen Auge den

00:13:09: Himmel beobachten.

00:13:10: Was wir uns davon erhoffen?

00:13:12: Eine der großen Fragen, die wir

00:13:14: hoffen, damit zu beantworten, ist

00:13:15: die Frage, die wahrscheinlich alle

00:13:16: umtreibt, und zwar die Frage: Sind

00:13:19: wir alleine?

00:13:20: Wir werden sehen, ob wir diese Frage

00:13:21: mit dem ELT wirklich beantwortet

00:13:22: können, aber wenn das

00:13:24: Universum uns so ein bisschen in die

00:13:26: Hände spielt und es in unserer

00:13:28: Nähe einen erdähnlichen

00:13:29: Exoplaneten mit einer Biosphäre

00:13:31: geben sollte, ich weiß da auch

00:13:33: nicht mehr als Sie, dann

00:13:35: könnte das klappen.

00:13:36: Wir können mit dem ELT, wenn sich

00:13:38: das Universum ein bisschen fügt in

00:13:40: unsere Richtung, könnten wir

00:13:41: eventuell zum ersten Mal

00:13:43: Biosignaturen in erdähnlichen

00:13:45: Planeten finden.

00:13:46: Und das wäre eine ganz schöne

00:13:47: Sensation.

00:13:49: Also, ich glaube, das ist alles

00:13:50: schon aufregend genug, aber ich

00:13:52: hatte ja vorhin erzählt, mein großes

00:13:54: Vorbild als Kind war Sally Ride.

00:13:55: Ich wollte also immer Astronautin

00:13:57: werden.

00:13:58: Und wie viele Sachen so passieren,

00:14:01: saß ich einmal vor dem Laptop,

00:14:03: habe in Spiegel Online geblättert in

00:14:04: der Mittagspause und habe eine

00:14:06: Annonce gesehen.

00:14:07: Und da stand: Astronautinnen

00:14:08: gesucht.

00:14:09: Ich dachte, okay, gut, bewerbe ich

00:14:11: mich mal. Also da stand, man musste

00:14:12: eine abgeschlossene Ausbildung,

00:14:14: naturwissenschaftlich-technischer

00:14:15: Art haben, studiert haben,

00:14:18: deutsch sein, eine Frau sein, da

00:14:19: habe ich gedacht, okay check, check,

00:14:20: ich mache mit, ich bewerb mich.

00:14:22: Nach ungefähr einem Jahr, und ich

00:14:24: erspare euch den langen Prozess,

00:14:27: der dazu geführt hat, wurde ich dann

00:14:29: tatsächlich ausgewählt, zusammen mit

00:14:30: meiner Kollegin Insa Thiele-Eich,

00:14:32: um als eine von zwei deutschen

00:14:34: Frauen in den Weltraum zu

00:14:36: fliegen. Das ganze Projekt hatte

00:14:38: zwei Ziele.

00:14:39: Zum einen Mädchen,

00:14:41: junge Frauen von MINT-Berufen,

00:14:43: technischen Berufen generell zu

00:14:44: begeistern. Einfach mit dieser

00:14:46: Vorbildfunktion, denn Deutschland

00:14:47: hatte zu dem Zeitpunkt noch keine

00:14:49: einzige Frau im Weltraum.

00:14:50: Also wir hatten inzwischen 13 Männer

00:14:51: im Weltraum und keine einzige Frau.

00:14:53: Damit bilden wir das

00:14:54: Gender-Schlusslicht weltweit,

00:14:56: muss man sagen, in der Raumfahrt.

00:14:59: Und das zweite Ziel war eben, eine

00:15:00: von uns in den Weltraum zu schicken.

00:15:02: Ich habe dann mit dem Training

00:15:03: angefangen und

00:15:05: mir das Ganze etwa so vorgestellt.

00:15:08: Also ich glaube, viele von euch, von

00:15:10: Ihnen, kennen noch diese Filme.

00:15:12: Wenn ich Vorträge für Schulen

00:15:14: halte, dann nehme ich andere Bilder

00:15:15: inzwischen, weil die das alles gar

00:15:17: nicht mehr kennen.

00:15:18: Aber ich war zumindest als Teenager

00:15:20: ein Riesenfan von "Top Gun",

00:15:22: habe dann auch "Apollo 13",

00:15:23: "Gravity" geschaut.

00:15:24: Und ich habe gedacht, gut, wenn ich

00:15:26: dann trainiere als Astronautin, bin

00:15:27: ich mindestens so cool wie Tom

00:15:29: Cruise.

00:15:30: Das echte Training sieht ein

00:15:31: bisschen anders aus.

00:15:34: Das ist ein echtes Bild aus dem

00:15:35: Astronautentraining.

00:15:37: Warum pieksen Insa und ich uns

00:15:38: gegenseitig in die Arme?

00:15:40: Das ist, weil wir zur

00:15:41: Internationalen Raumstation wollen,

00:15:43: um dort eine Forschungsmission zu

00:15:45: machen. Das heißt, wir wollen nicht

00:15:46: nur aus Jux und Tollerei da hoch als

00:15:48: Weltraumtouristinnen, sondern wir

00:15:49: wollen da oben forschen.

00:15:51: Und eine der Möglichkeiten, die wir

00:15:52: da haben, ist natürlich, am eigenen

00:15:53: Körper zu forschen So viele Frauen

00:15:55: waren noch nicht im Weltraum.

00:15:56: Ungefähr 10 Prozent aller

00:15:58: Raumfahrerinnen waren bis jetzt

00:15:59: weiblich. Das heißt, es fehlen

00:16:01: medizinische Daten, vor allen Dingen

00:16:02: zu Frauenkörpern in der

00:16:03: Schwerelosigkeit.

00:16:05: Und da ist eben eine Voraussetzung

00:16:06: dafür, dass wir uns und unseren

00:16:08: Kollegen Blut abnehmen können.

00:16:10: Für die, die im medizinischen

00:16:11: Bereich arbeiten, ist das sicher

00:16:13: total easy.

00:16:14: Für Insa und mich war das eine echte

00:16:16: Herausforderung.

00:16:17: Aber wir hatten auch Trainings, die

00:16:18: mehr Spaß gemacht haben.

00:16:19: Wir haben zum Beispiel einen Flugschein

00:16:20: gemacht.

00:16:21: Den habe ich hier ganz in der Nähe

00:16:23: gemacht, im wunderschönen Jesenwang,

00:16:24: falls das jemand kennt.

00:16:26: Dann waren wir unter Wasser, haben

00:16:28: dort simuliert, wie es in

00:16:30: der Schwerelosigkeit oder in

00:16:31: verringerter Schwerelosigkeit wäre.

00:16:33: Was wir da machen, ist, eine

00:16:34: Mondmission zu simulieren.

00:16:36: Warum im Wasser?

00:16:37: Weil man da die Schwerkraft

00:16:38: sozusagen ausschalten kann, mehr

00:16:40: oder weniger.

00:16:41: Da hatten wir so Steine in den

00:16:43: Schuhen, sodass wir uns mit ungefähr

00:16:45: einem Sechstel der Schwerkkraft der

00:16:46: Erde bewegt haben, wie es eben auch

00:16:48: auf dem Mond ist. Das heißt, wir

00:16:49: konnten wirklich diese Mondsprünge,

00:16:50: wie sie die Astronauten da bei

00:16:52: Apollo 11 und so weiter gemacht

00:16:53: haben, im Schwimmbecken dann

00:16:56: vollführen.

00:16:57: Dann waren wir natürlich noch in der

00:16:58: Zentrifuge. Ich glaube, das ist der

00:17:00: Klassiker unter den

00:17:00: Astronauten-Trainings.

00:17:02: Da ging es darum, vor allen Dingen

00:17:03: den eigenen Körper kennenzulernen.

00:17:05: Also wir sind einen Raketenstart

00:17:08: nachgefahren in der Zentrifuge von

00:17:09: den G-Belastungen auf den Körper

00:17:10: her. Also das heißt, wir haben uns

00:17:12: wirklich gefühlt wie in der Rakete.

00:17:14: Und das Interessante war und es war

00:17:16: auch für mich das, was ich aus dem

00:17:17: gesamten Training mitnehme, also ich

00:17:18: war vorher total nervös, weil uns

00:17:20: wurde gesagt, ok, es kann sein, dass

00:17:22: ihr ohnmächtig werdet.

00:17:23: Natürlich gibt es einen Notknopf,

00:17:24: aber ich hatte einfach Angst, weil

00:17:26: ich nicht wusste, was mich erwartet.

00:17:28: Wir sind dann einmal diesen Start

00:17:29: gefahren und ich habe

00:17:31: gedacht, oh Gott, was passiert?

00:17:32: Ich kann nicht atmen.

00:17:33: Also es fühlt sich wirklich an, als

00:17:34: wenn da so ein Elefant auf dem

00:17:35: Brustkorb sitzt.

00:17:37: Ich kann nicht sprechen, ich kann

00:17:38: nicht atmen. Was passiert jetzt?

00:17:39: Nach zehn Minuten war das Ganze

00:17:40: vorbei und wir haben es alles

00:17:42: noch mal gemacht.

00:17:44: Und beim zweiten Mal habe ich

00:17:45: gedacht, ach krass, ist ja gar nicht

00:17:46: so schlimm. Ist ja voll easy.

00:17:48: Ich kann sprechen, kann atmen, alles

00:17:50: super.

00:17:51: Und darum ging es bei ganz vielen

00:17:52: dieser Trainings, einfach sich und

00:17:54: den eigenen Körper kennenzulernen in

00:17:55: extremen Situationen und sich daran

00:17:57: zu gewöhnen.

00:17:58: Dann waren wir noch in einer Höhle.

00:18:00: Das ist natürlich die falsche

00:18:01: Richtung, wenn man in den Weltraum

00:18:02: möchte.

00:18:03: Aber es ging darum, dass wir

00:18:04: wirklich fünf Tage lang abgeschottet

00:18:06: von der Außenwelt in einem kleinen

00:18:08: Team unter ja körperlich erschwerten

00:18:10: Bedingungen arbeiten mussten.

00:18:11: Also in dieser Höhle waren es neun

00:18:13: Grad, es war kalt,

00:18:15: es waren nass und es war vor allem

00:18:17: dunkel. Also ich war noch nie so

00:18:18: froh, die Sonne wiederzusehen wie

00:18:20: nach diesen fünf Tagen.

00:18:21: Und da haben wir auch wieder sehr,

00:18:22: sehr viel über das Team gelernt,

00:18:24: darüber, wie wir in schwierigen

00:18:26: Situationen reagieren.

00:18:27: Und das ist wirklich das Fundamentale

00:18:28: bei allen diesen Trainings.

00:18:30: Und mein allerliebstes Training und

00:18:32: für mich das Highlight bis jetzt

00:18:34: waren die Parabelflüge.

00:18:35: Was ist ein Parabelflug?

00:18:36: Ich habe ja vorhin schon gesagt,

00:18:37: dass man die Schwerelosigkeit auf

00:18:39: der Erde so ein bisschen ausschalten

00:18:41: kann, wenn man im Wasser ist.

00:18:42: Aber da hat man natürlich den

00:18:43: Wasserwiderstand.

00:18:44: Also das kennt man vom Tauchen, wenn

00:18:45: mal gut austariert ist.

00:18:47: Dann schwebt man im Wasser, aber man

00:18:48: hat immer noch diesen Widerstand.

00:18:51: In einem Parabelflug kann man

00:18:52: dagegen wirklich wie im Weltraum

00:18:54: frei schweben.

00:18:56: Auf der Erde, und das wissen die

00:18:57: meisten von Ihnen sicher, wenn sie

00:18:59: in Naturwissenschaften sind,

00:19:01: kann man nicht einfach die Schwerkraft

00:19:02: ausschalten.

00:19:03: Also ich habe manchmal wirklich

00:19:04: Journalisten gehabt, die zu uns

00:19:05: gekommen sind und gesagt haben, ja,

00:19:07: gehen wir mal in den Schwerelosraum.

00:19:08: Dann habe ich gesagt, okay,

00:19:09: Schwerelosraum haben wir jetzt hier

00:19:11: nicht, so direkt, schwierig,

00:19:13: aber Sie können mit mir nach

00:19:14: Bordeaux kommen, dort in ein

00:19:16: Flugzeug steigen und dann machen wir

00:19:17: das Ganze möglich.

00:19:19: Denn im Flugzeug kann man

00:19:21: die Flugbahn so wählen, dass man

00:19:23: eben eine Parabelform nachfliegt.

00:19:25: Das machen drei speziell

00:19:26: ausgebildete Piloten.

00:19:27: Und im höchsten Punkt der Parabel

00:19:30: und im freien Fall in dieser Phase

00:19:31: ist man dann 22 Sekunden

00:19:33: lang schwerelos.

00:19:34: Wirklich wie im Weltraum.

00:19:36: Und das Ganze ist einfach nur toll.

00:19:38: Was ein bisschen verstörend ist, wie

00:19:40: das Ganze von außen aussieht.

00:19:44: Und es wurde mir nämlich auch

00:19:45: gesagt, dass diese Parabeln in

00:19:47: einer ganz speziellen Box geflogen

00:19:49: werden müssen.

00:19:49: Natürlich.

00:19:50: Erstmal, dass man nicht kollidiert,

00:19:52: aber eben auch, dass Passagiere von

00:19:54: anderen Linienflügen das

00:19:55: nicht zu sehen bekommen, weil die

00:19:57: sonst in Panik ausbrechen könnten.

00:20:00: Und das war wirklich für mich bis

00:20:01: jetzt das Highlight.

00:20:02: Also diese Parabelflüge, es war ein

00:20:04: ganz, ganz unbeschreibliches Gefühl.

00:20:06: Und da war auch wieder das Gleiche.

00:20:07: Bei der ersten Parabel habe ich

00:20:08: gedacht, oh Gott, ich werde

00:20:09: ohnmächtig. Was passiert mit mir?

00:20:11: Aber das war dann bei der zweiten

00:20:13: Parabel schon vorbei und es war

00:20:14: einfach nur geil.

00:20:16: Wie gesagt, das war das Highlight

00:20:18: bis jetzt, denn leider war ich

00:20:19: noch nicht im Weltraum.

00:20:21: Das Problem ist, wie glaube ich bei

00:20:23: vielen im Moment,

00:20:25: das liebe Geld.

00:20:27: Das ist im Moment relativ schwierig

00:20:28: zu beschaffen, vor allem, wenn es um

00:20:30: eine kleine Summe von 70

00:20:32: bis 100 Millionen Euro geht,

00:20:35: denn so viel kostet derzeit

00:20:37: ein Flug zur internationalen

00:20:39: Raumstation, zur ISS.

00:20:41: Außerdem ist es so, dass unser

00:20:42: Projekt, also wir sind jetzt sowieso

00:20:44: fertig mit dem Projekt, weil, und

00:20:46: das ist die gute Nachricht für alle

00:20:47: Frauen da draußen und auch für

00:20:48: Deutschland, die erste deutsche Frau

00:20:50: im Weltall war.

00:20:52: Und zwar ist die, letztes Jahr ist

00:20:54: die Rabea Rogge, eine wirklich coole

00:20:56: Socke übrigens, ist eine ganz, ganz

00:20:58: tolle Frau, in den Weltraum

00:20:59: geflogen.

00:21:00: Aber, ich hatte vorher erzählt,

00:21:03: dass ich ein bisschen so von diesem

00:21:04: Märchenprinzen mit einer Rakete

00:21:06: geträumt habe als Kind.

00:21:07: Für Rabea ist dieser Traum

00:21:09: tatsächlich wahr geworden.

00:21:10: Die ist Polarforscherin,

00:21:12: arbeitet an autonomen Vehikeln

00:21:14: und promoviert in Norwegen und

00:21:16: die war auf einer Polarexpedition

00:21:18: dabei und hat einen

00:21:20: Mann kennengelernt.

00:21:21: Der hat sich dann einige Wochen

00:21:23: später als chinesisch-stämmiger

00:21:25: Krypto-Millionär herausgestellt

00:21:28: und hat sie angerufen oder

00:21:30: ihr eine E-Mail geschickt, weiß ich

00:21:30: nicht mehr genau, und sie gefragt,

00:21:32: ob sie nicht mit in den Weltraum

00:21:33: fliegen möchte mit ihm.

00:21:34: Er hätte da gerade eine Mission

00:21:36: gekauft und sucht talentierte

00:21:38: Menschen, die da mitkommen und aus

00:21:40: dieser Mission einen Erfolg machen.

00:21:42: Das heißt, Rabea hat dann fleißig

00:21:43: trainiert, neun Monate lang, und

00:21:45: ist dann so in den Weltraum

00:21:47: gekommen.

00:21:48: Ich finde es eine sehr schöne, so

00:21:50: fast märchenhafte Geschichte.

00:21:51: Und das zeigt auch, dass manchmal

00:21:53: einfach das nötige Quäntchen Glück

00:21:55: dazu gehört.

00:21:56: Aber zum Glück gibt es

00:21:58: jetzt und in naher Zukunft immer

00:22:00: mehr Wege, in den Weltraum zu

00:22:02: kommen. Viele von Ihnen haben sicher

00:22:04: von den "Free Flyer Flügen", also

00:22:05: das sind Parabelflüge, wo man einmal

00:22:07: hoch geschossen wird und dann sofort

00:22:08: wieder runter kommt sozusagen,

00:22:09: gehört.

00:22:10: Die werden unter anderem

00:22:11: veranstaltet von Blue Origin, der

00:22:13: Firma von Jeff Bezos.

00:22:14: Da gab es sehr medienwirksam diesen

00:22:16: All Female Flight, wo die wirklich

00:22:18: eine reine Frauencrew hochgeschickt

00:22:20: haben.

00:22:21: Da können wir gerne später noch

00:22:22: darüber diskutieren, privat,

00:22:24: ob das so die Botschaft

00:22:26: war, die man schicken möchte oder

00:22:27: nicht. Ich habe dazu eine gemischte

00:22:29: Meinung.

00:22:29: Aber Tatsache ist, dass es einfach

00:22:31: immer mehr Möglichkeiten gibt, in

00:22:32: den Weltraum zu kommen und das Ganze

00:22:34: auch immer mehr kommerzialisiert

00:22:35: wird. Also wir sind nicht mehr nur

00:22:37: auf staatliche Akteure angewiesen,

00:22:38: sondern eben auch auf die

00:22:39: Wirtschaft.

00:22:41: Warum möchten jetzt alle in den

00:22:42: Weltraum? Das ist die Frage und es

00:22:44: tut sich gerade sehr, sehr viel

00:22:45: tatsächlich in dem Bereich.

00:22:47: Im Weltraum hat man extreme

00:22:48: Bedingungen. Also, wir haben nicht

00:22:50: nur die Mikrogravitation,

00:22:52: das ist der Fachausdruck für

00:22:53: Schwerelosigkeit, sondern auch

00:22:55: extreme Temperaturen, Vakuum und

00:22:57: Strahlung.

00:22:58: Und in dieser extremen Umgebung kann

00:23:00: man viel machen und vor allen Dingen

00:23:02: auch forschen, was auf der Erde so

00:23:04: nicht möglich ist.

00:23:05: Ich gebe jetzt einfach nur mal ein

00:23:06: Beispiel, weil ich nicht mehr

00:23:07: wahnsinnig viel Zeit habe.

00:23:09: Zum Beispiel in der Pharmaindustrie

00:23:11: findet die Forschung aus dem

00:23:12: Weltraum jetzt schon Anwendung.

00:23:13: Man kann nämlich mit Weltraum in der

00:23:15: Mikrogravitation Kristalle züchten,

00:23:17: die sehr viel größer und auch

00:23:19: gleichförmiger, also reiner sind

00:23:21: als Kristalle, die man auf der Erde

00:23:22: züchten kann, einfach weil die

00:23:24: Schwerkraft fehlt.

00:23:26: Und ein Anwendungsbeispiel von

00:23:27: diesen reineren, größeren Kristallen

00:23:29: war, dass man ein Krebsmedikament

00:23:32: so dünnflüssig machen konnte,

00:23:34: dass es nicht mehr wie vorher

00:23:36: per Infusion im Krankenhaus

00:23:38: verabreicht werden musste, was

00:23:39: natürlich für den Patient, die

00:23:41: Patientin nicht sehr angenehm ist

00:23:42: und auch teuer, sondern man

00:23:44: dieses Medikament einfach spritzen

00:23:45: konnte. Also die Patientinnen

00:23:47: konnten sich das dann zu Hause

00:23:48: einfach spritzen.

00:23:49: Und das Ganze war nur möglich dank

00:23:50: der Forschung, die im Weltraum

00:23:52: gemacht wurde.

00:23:52: Also jetzt ein Beispiel.

00:23:54: Und einer der Gründe dafür, warum

00:23:55: jetzt und in den nächsten Jahren

00:23:57: immer mehr Firmen auch in den

00:23:58: Weltraum möchten und auch dort

00:24:00: produzieren möchten.

00:24:01: Da gibt es schon die ersten

00:24:02: Missionen dazu.

00:24:03: Deswegen haben Insa und ich, also

00:24:04: meine Kollegin von der Astronautin

00:24:06: und ich eine Initiative gegründet,

00:24:09: "Mission Homebound" nennen wir uns.

00:24:11: Und unser Anliegen ist es,

00:24:13: die kommerzielle Raumfahrt, ich

00:24:14: sollte sagen, die kommerzielle

00:24:15: astronautische Raumfahrt.

00:24:17: Wir sagen natürlich nicht "bemannte

00:24:18: Raumfahrt", sondern astronautische

00:24:20: Raumfahrt, in Deutschland

00:24:22: und in Europa anzukurbeln.

00:24:24: Und Firmen zu zeigen, was alles

00:24:26: möglich ist im Weltraum, gerade

00:24:28: jetzt unter diesen neuen

00:24:29: Bedingungen, wo wir jetzt auch

00:24:30: gesunkene Launcherkosten haben.

00:24:32: Also historisch war es immer extrem

00:24:33: teuer, in den Weltraum zu kommen.

00:24:35: Inzwischen wird das immer günstiger.

00:24:37: Wir haben jetzt natürlich auch ESA

00:24:37: Aerospace, das ist das große

00:24:39: Erfolgsbeispiel hier aus Bayern,

00:24:41: die inzwischen auch schon Nutzlasten

00:24:43: in den Orbit bringen.

00:24:44: Also das heißt, es passiert gerade

00:24:45: wahnsinnig, wahnsinnig viel.

00:24:47: Und uns ist ganz, ganz wichtig,

00:24:49: dass wir nicht nur in den Weltraum

00:24:51: fliegen, sondern eben

00:24:53: einen Nutzen für die Erde damit

00:24:54: erzielen.

00:24:56: Deswegen heißen wir "Mission Homebound",

00:24:57: denn bei aller Liebe zum Weltraum

00:24:58: und bei aller Liebe für diesen

00:25:00: Blick, den ich immer noch habe,

00:25:02: sollten wir auch unseren Blick

00:25:04: zurück auf die Erde nicht vergessen.

00:25:06: Dankeschön.

00:25:14: Liebe Frau Dr. Randall, die

00:25:16: Begeisterung für diesen Beruf,

00:25:18: für Ihre Mission, ist definitiv

00:25:19: übergeschwappt und man

00:25:21: sieht aber an dem Beispiel auch

00:25:23: total gut, dass Talent und

00:25:25: Durchhaltevermögen und

00:25:27: auch der Wille, was zu erreichen,

00:25:29: trotzdem manchmal noch nicht ganz

00:25:31: zum Ziel geführt haben.

00:25:33: Da fehlt manchmal so dieses Fünkchen

00:25:34: Glück, haben Sie gerade

00:25:36: gesagt...

00:25:37: Oder zur richtigen Zeit, den

00:25:38: richtigen Ort zu sein.

00:25:39: Oder den richtigen

00:25:42: Menschen zu treffen.

00:25:43: Auf der Polarexpedition.

00:25:46: Ich begrüße jetzt hier ganz, ganz

00:25:48: herzlich mit auf der Bühne die

00:25:49: bayerische Staatsministerin für

00:25:51: Familie, Arbeit und Soziales

00:25:54: und weitere stellvertretende

00:25:55: Ministerpräsidentin Ulrike Scharf.

00:25:58: Ihr Applaus.

00:25:59: Schön, dass Sie da sind.

00:26:02: Also Politik und Raumfahrt

00:26:04: hier an einem Tisch.

00:26:06: Frau Staatsministerin, MINT-Berufe,

00:26:10: kann man das so sagen, sind der

00:26:11: Schlüssel für Bayerns Zukunft?

00:26:13: Wenn man jetzt das so

00:26:15: sieht, warum ist denn aus Ihrer

00:26:17: Sicht gerade für eine moderne

00:26:19: Gleichstellungspolitik so

00:26:20: entscheidend, dass man hier eben

00:26:22: eine echte Chancengerechtigkeit

00:26:24: zwischen Männern und Frauen schafft?

00:26:26: Ich muss jetzt erst noch mal meine

00:26:27: Begeisterung Ausdruck verleihen

00:26:29: für Ihren Vortrag.

00:26:31: Also fast hätte man Lust, noch mal

00:26:32: von vorne anzufangen und sagen, ich

00:26:33: will auch Astronautin werden.

00:26:35: Und zu Ihrem ESO werde ich so

00:26:36: schnell wie möglich mit meinem Enkel

00:26:38: fahren. Der ist jetzt drei und der

00:26:39: hat großes Interesse an Raumfahrt.

00:26:41: Zumindest was man in dem Alter so

00:26:43: signalisieren kann.

00:26:44: Aber zu Ihrer Frage zurück, ich

00:26:45: glaube, wir sind uns alle darüber im

00:26:47: Klaren. Ein moderner Wirtschaftsstandard,

00:26:48: wie wir in Bayern sind, der braucht

00:26:50: jede Innovation und er kann sich es

00:26:52: auch nicht leisten, Potenziale

00:26:54: liegen zu lassen.

00:26:55: Und Potenziale liegen einfach

00:26:57: auch ganz stark in den Frauen.

00:26:58: Wir wissen alle, wo unsere Grenzen

00:27:00: sind und dass wir so viele Frauen

00:27:02: in Beschäftigung haben und dennoch

00:27:04: diese Potenziale nicht ausgeschöpft

00:27:05: werden. Und es ist eine Frage der

00:27:07: Gleichstellung, es ist aber vor

00:27:08: allen Dingen eine Frage auch der

00:27:10: Wettbewerbsfähigkeit eines starken

00:27:12: Wirtschaftsstandorts, einer starken

00:27:14: Wachstumsprognose, und deshalb

00:27:16: können wir auf die Frauen einfach

00:27:17: nicht verzichten.

00:27:18: Und die Frage ist aber, wo wir

00:27:19: ansetzen, um mehr Frauen gerade in

00:27:21: diese MINT-Berufe zu bekommen.

00:27:23: Wir haben jetzt ungefähr noch 15

00:27:24: Minuten. Dr. Randall, eine Rakete

00:27:26: in 15 Minuten, wie weit kommt

00:27:28: die?

00:27:29: Da ist die im Orbit.

00:27:30: Also das Ganze, wir sind das Ganze

00:27:31: an der Zentrifuge gefahren, wie ich

00:27:33: erzählt habe. Das Ganze dauert etwa

00:27:34: 10 Minuten vom Start, von

00:27:36: der Rampe und dann ist man im Orbit.

00:27:38: Wie lange es dann bis zur

00:27:39: Raumstation dauert, ist dann nochmal

00:27:41: eine andere Frage. Das kommt

00:27:42: wirklich auf die Konfiguration an.

00:27:43: Das kann bis zu ein, zwei, drei

00:27:45: Tagen dauern, aber nach

00:27:47: 15 Minuten ist man im Weltall.

00:27:49: Und schwerelos.

00:27:50: Also daran nehmen wir uns jetzt ein

00:27:51: Beispiel.

00:27:52: Frau Staatsministerin, wo sehen Sie

00:27:54: denn den wirkungsvollsten Hebel,

00:27:56: um Barrieren in den Köpfen

00:27:58: abzubauen, um Strukturen

00:28:00: zu schaffen, wo Mädchen und

00:28:02: Frauen in den MINT-Berufen

00:28:03: durchstarten können?

00:28:05: Ich glaube, wir müssen uns auf drei

00:28:06: Dinge konzentrieren.

00:28:07: Das eine ist die frühe Bildung und

00:28:09: vor allen Dingen die

00:28:10: Berufsorientierung.

00:28:12: Viele, glaube ich, kennen diese

00:28:13: Situation, wenn junge Menschen heute

00:28:15: ihren Schulabschluss haben, ganz

00:28:16: unabhängig davon, welchen

00:28:17: Schulabschluss sie haben, dass die

00:28:19: größte Stellschraube eigentlich bei

00:28:20: der Berufsorientierung ist.

00:28:21: Aber auch dieses frühe Mitnehmen,

00:28:23: die "Girls Days", die wir

00:28:24: beispielsweise veranstalten, um für

00:28:26: MINT-Berufe aufmerksam zu machen.

00:28:28: Das ist das eine, so früh bilden und

00:28:29: vor allen Dingen, die Beruforientierung

00:28:31: so zu begleiten.

00:28:32: Dass junge Frauen tatsächlich

00:28:34: auch Lust haben und diesen Mut

00:28:36: fassen und sich selber zutrauen in

00:28:38: den MINT-Berufen durchzustarten.

00:28:40: Und wir wissen ja eines, Frauen sind

00:28:42: ja bestens gebildet.

00:28:43: Das ist ja nicht unser Handicap, die

00:28:45: Bildung, nein daran liegt

00:28:47: es nicht. Wir haben die besseren

00:28:48: Schulabschlüsse als junge Mädchen,

00:28:49: wir haben die besseren Studienabschlüssen.

00:28:52: Wir wissen, dass

00:28:52: Start-up-Unternehmen, die Frauen

00:28:54: gründen, sehr viel nachhaltiger und

00:28:55: erfolgreicher auch am Markt sind.

00:28:57: Also es liegt wirklich daran, dass

00:28:59: wir uns das zutrauen und dass wir

00:29:00: sehr früh hier die Weichen stellen.

00:29:02: Das andere ist, wir brauchen

00:29:03: Vorbilder.

00:29:04: Ich glaube, wie in so vielen

00:29:05: Bereichen brauchen wir diese

00:29:06: Vorbildfunktionen und sie sind

00:29:08: einfach unser absolutes

00:29:10: role model für MINT-Berufe.

00:29:12: Und von denen brauchen wir einfach

00:29:13: noch mehr. Wenn man sich orientieren

00:29:15: kann als junge Frau, wenn man merkt,

00:29:17: diese Hürden, die mir vermeintlich

00:29:19: im Weg stehen, sind zu überspringen,

00:29:21: dann schafft man das auch selber.

00:29:23: Dazu gehören im Übrigen auch

00:29:25: diese Rollenbilder, diese verflixten

00:29:27: Rollenbilder, die sich so sehr

00:29:28: verankert haben bei uns.

00:29:30: Aber ich würde als drittes einfach

00:29:31: noch sagen, und das ist die

00:29:32: politische Frage, welche

00:29:33: Rahmenbedingungen finden wir als

00:29:35: Frauen vor, um uns entwickeln

00:29:37: zu können, um selbstständig zu sein,

00:29:39: um in MINT-Berufen unsere

00:29:40: erfolgreichen Wege zu gehen.

00:29:42: Und Rahmenbedingung heißt noch mal,

00:29:43: das geht immer um die Vereinbarkeit

00:29:45: von Familie und Beruf, nämlich dann,

00:29:47: wenn Frauen Familien gründen oder

00:29:49: die Familiengründung im Raum steht.

00:29:51: Es geht um flexible

00:29:52: Arbeitszeitmodelle.

00:29:53: Es geht aber auch um ein sehr

00:29:55: freundliches Klima für Frauen.

00:29:57: Es geht um ein Unternehmensklima,

00:29:59: wo wir, glaube ich, immer noch in

00:30:00: vielen Bereichen zu sehr

00:30:02: männerdominiert sind.

00:30:03: Und all die Dinge müssen wir auf den

00:30:05: Weg bringen. Und gerade wenn ich

00:30:06: sage, flexible Arbeitszeitmodelle,

00:30:09: ich verzweifle schier an einem

00:30:10: Arbeitszeitgesetz, das jetzt

00:30:12: seit Jahren flexibilisiert werden

00:30:14: soll und noch immer nicht auf dem

00:30:15: Weg ist.

00:30:16: Ich hoffe auf unseren neuen Bundesarbeitsminister,

00:30:18: der das jetzt endlich anpackt, weil

00:30:20: das für uns klare Rahmenbedingungen

00:30:22: sind. Wenn die nicht richtig

00:30:24: gestellt werden, dann können wir

00:30:26: einfach so auch nicht durchstarten.

00:30:28: Ich habe es in der Biologie damals

00:30:29: selber erlebt, Rahmenbedingungen,

00:30:31: befristete Verträge, man muss

00:30:33: maximal flexibel sein, Ortswechsel,

00:30:35: zeitlich, da müssen die Bakterien

00:30:37: nachts gefüttert werden, wenn die

00:30:39: Forschung läuft, da muss man auch am

00:30:41: Wochenende ran.

00:30:42: Das ist nicht so familienfreundlich

00:30:44: oder urlaubsfreundlich.

00:30:46: Dr. Randall, bei Ihnen ist es

00:30:48: anders, Sie sind festangestellt

00:30:50: in der Wissenschaft.

00:30:52: Wo haben Sie denn gemerkt, es macht

00:30:53: trotzdem einen Unterschied, dass sie

00:30:55: eine Frau sind?

00:30:56: Also ich muss sagen, dass ich es

00:30:58: inzwischen eher als Vorteil

00:30:59: empfinde, eine Frau zu sein, weil

00:31:01: man in einem männerdominierten Beruf

00:31:03: eher auffällt.

00:31:04: Und wenn man das zu nutzen weiß und

00:31:06: vielleicht auch einfach dieses

00:31:07: Selbstverständnis von sich selber

00:31:09: hat, dann kann das positiv sein.

00:31:11: Ich glaube das Problem war bei mir

00:31:13: zumindest in meiner Lebensgeschichte

00:31:15: eher als junge Frau, also als ich

00:31:17: gerade zum Beispiel, als ich nach

00:31:18: London gezogen bin, ich war ganz

00:31:19: alleine in London.

00:31:20: Als ich nach Montreal gezogen bin,

00:31:21: war es noch viel schlimmer.

00:31:22: Ich war die einzige Frau in einem

00:31:24: Büro mit fünf Männern.

00:31:26: Wir waren alle Anfang 20.

00:31:28: Da kamen ständig blöde Sprüche.

00:31:30: Also ich war weit weg von zu Hause.

00:31:31: Es war eine fremde Sprache, ein

00:31:32: fremdes Land.

00:31:33: Männer, die mich eben aufgezogen

00:31:35: haben, das war natürlich alles nett

00:31:36: gemeint, aber es hat trotzdem an der

00:31:37: Substanz gezerrt. Also ich glaube

00:31:38: wirklich, dass wir diesen jungen

00:31:40: Frauen, die eben noch nicht

00:31:41: etabliert sind, also ich glaub, wenn

00:31:43: man sich das erarbeitet hat, dann

00:31:44: erübrigt sich viel auch diese

00:31:45: Kompetenzfrage.

00:31:46: Aber gerade am Anfang der Karriere

00:31:48: ist es sehr, sehr schwierig, dann

00:31:49: selbstbewusst zu sein.

00:31:51: Also mir wurde gesagt, zum Beispiel

00:31:52: von einem meiner Mitbüro-Menschen,

00:31:55: ja, du wirst doch eh nicht fertig,

00:31:56: du brichst doch eh ab.

00:31:57: Und am Ende war ich ein Jahr früher

00:31:58: fertig als er, weil ich gesagt habe,

00:32:00: boah, nee, erst mal Winter und

00:32:02: dem muss ich das auch zeigen.

00:32:03: Also ich glaube, wenn man diese

00:32:04: Jetzt-erst-Recht-Attitüde hat,

00:32:06: dann kann man sich da durchbeißen,

00:32:08: aber das ist auch schwierig.

00:32:09: Also ich habe auch über das Aufgeben

00:32:10: nachgedacht, nach solchen

00:32:12: Kommentaren auch.

00:32:13: Deswegen müssen wir da wirklich

00:32:14: gerade die jungen Frauen ermutigen

00:32:16: weiterzumachen.

00:32:17: Das erinnert mich sehr an die

00:32:19: Politik, wenn ich das sehe.

00:32:22: Auch da ist es so, gerade in meiner

00:32:23: Partei, dass wir wirklich meistens

00:32:25: allein sind auf weiter Flur.

00:32:27: Mich nerven all diese Bilder, die

00:32:29: jetzt immer entstehen, wo fünf

00:32:31: Männer und vielleicht eine Frau mit

00:32:33: dabei sind.

00:32:34: Und der Weg ist einfach wahnsinnig

00:32:36: steinig. Und deshalb, glaube ich,

00:32:38: können wir uns nur gegenseitig

00:32:39: stärken und müssen auch immer solche

00:32:41: Themen wie Mentoring-Programme

00:32:43: beispielsweise fest unterstützen

00:32:45: und Frauen gegenseitsig

00:32:46: unterstützen.

00:32:47: Denn man ist echt allein auf weiter

00:32:49: Flur und dieses Durchhaltevermögen,

00:32:51: das schaffen halt einfach nicht alle

00:32:53: diese Kraft wirklich zu sagen, mit

00:32:54: diesem Weg gehe ich jetzt.

00:32:56: Es hat sich Gott sei Dank schon ein

00:32:57: bisschen was getan.

00:32:59: Vor 10, 15 Jahren war der Weg noch

00:33:00: deutlich steiniger.

00:33:02: Aber Frau Dr. Randall, wo denken

00:33:04: Sie, das darf doch alles nicht wahr

00:33:05: sein. Ist das immer noch so?

00:33:08: Also tatsächlich bekomme ich das vor

00:33:10: allen Dingen durch meine

00:33:10: Öffentlichkeitsarbeit mit.

00:33:12: Also bei mir, bei der ESO wird

00:33:14: sowieso extrem auf

00:33:15: Gleichberechtigung geachtet und ich

00:33:16: muss sagen, ich habe jetzt in meiner

00:33:17: Karriere in den letzten

00:33:18: wahrscheinlich zehn Jahren

00:33:19: eigentlich keine Diskriminierung

00:33:21: oder keine bewusste Diskriminierungen

00:33:22: erlebt, auf professioneller Seite.

00:33:25: Aber im Umgang mit den Medien,

00:33:27: der Öffentlichkeit ist es ganz, ganz

00:33:29: anders. Also ich habe es gemerkt,

00:33:30: als ich zum Beispiel für "Terra X"

00:33:31: angefangen habe die Videos zu machen

00:33:33: bei "Terra X", "Lesch und Co".

00:33:35: Da wurde halt ständig meine Frisur

00:33:37: kommentiert.

00:33:38: Oder es wurde sich darüber

00:33:39: aufgeregt, dass ich, und es war ein

00:33:40: Video nicht zum Gendern, es war ein

00:33:42: Video zur Relativitätstheorie.

00:33:44: Es ging zehn Minuten um die

00:33:46: Relativitätstheorie und die Hälfte

00:33:48: der Kommentare war darüber,

00:33:50: dass ich einmal irgendwie

00:33:51: "WissenschaftlerInnen" gesagt habe.

00:33:53: Irgendwie sowas.

00:33:54: Also bei solchen Sachen merkt man

00:33:55: einfach, dass auch Frauen und Männer

00:33:57: ganz anders beurteilt werden.

00:33:58: Ich habe das Gefühl als Frau, wenn

00:33:59: man sich einmal einen kleinen

00:34:01: Fauxpas erlaubt.

00:34:03: Irgendetwas ist nicht ganz korrekt

00:34:04: oder man sagt etwas Unüberlegtes,

00:34:06: wird man sofort dafür an den Pranger

00:34:08: gestellt.

00:34:09: Und bei Männern geht immer noch

00:34:11: viel mehr einfach durch.

00:34:12: Also man muss doppelt so gut sein

00:34:13: fast.

00:34:15: In Social Media, da

00:34:18: trenden ja gerade

00:34:20: "Tradwives".

00:34:21: Also ein rückwärtsgewandtes

00:34:23: Frauenbild, Hausfrau

00:34:25: Sein, Mutter Sein, wird da

00:34:27: propagiert, die gehen nicht

00:34:29: arbeiten.

00:34:30: Erleben wir da gerade einen

00:34:31: Rückschritt in der Gleichstellung

00:34:33: und Gleichberechtigung?

00:34:34: Das kann einem echt Sorgen machen,

00:34:36: vor allen Dingen, wenn man diesen

00:34:37: Trend verfolgt und was er auch für

00:34:39: eine Aufmerksamkeit produziert

00:34:41: hat.

00:34:41: Also für mich ist das gar

00:34:42: schrecklich, dass wir in ein

00:34:43: Rollenbild zurückfallen von 1950

00:34:46: ungefähr, wo die Frauen

00:34:48: sich zu Hause um den Mann, um die

00:34:50: Familie zu kümmern haben.

00:34:51: Also ein Hausfrauen-Dasein,

00:34:53: das für uns überhaupt nicht mehr

00:34:55: vorstellbar ist.

00:34:56: Und drum muss man da wirklich

00:34:57: dagegenhalten und ich komme da

00:34:59: nochmal auf unsere Rollenbilder.

00:35:00: Ich glaube, und ich habe mir,

00:35:02: ich habe vor kurzem einen Vortrag

00:35:04: gehört von Maya Götz,

00:35:06: die sagte, es entscheidet

00:35:09: sich alles im ersten Moment der

00:35:10: Geburt, ob wir in rosarot oder

00:35:12: in hellblau groß werden und geprägt

00:35:14: werden. Und ich glaube, das müssen

00:35:16: wir noch sehr viel mehr

00:35:17: verinnerlichen, gerade wenn es um

00:35:19: die Gleichstellung geht und solchen

00:35:21: Trends auch entgegenwirken.

00:35:22: Wir haben eine ganz tolle

00:35:23: Finanzberaterin, Helma Sick, weit

00:35:25: über 80 Jahre alt, die hat

00:35:27: so ein wunderbares Buch geschrieben

00:35:28: mit dem Titel "Ein Mann ist keine

00:35:30: Altersvorsorge".

00:35:31: Und ich glaube, das sollten wir auch

00:35:33: noch sehr viel mehr hinaustragen,

00:35:35: dass wir uns als Frauen auch

00:35:37: rechtzeitig darum kümmern müssen,

00:35:39: für unsere Altersvorsorge

00:35:40: vorzusorgen, sich nicht auf

00:35:42: etwas zu verlassen, also entgegen

00:35:44: diesen schrecklichen Trends, die uns

00:35:46: immer wieder zurückwerfen wollen und

00:35:48: wirklich ein Bild zeichnen im

00:35:49: Übrigen auch, wenn ich heute

00:35:51: radikale Parteien anschaue.

00:35:53: Auch die haben ein schreckliches

00:35:54: Frauenbild und auch die

00:35:56: Vorstellung davon, dass wir wieder

00:35:58: zu Hause bleiben hinterm Herd und

00:35:59: uns ausschließlich um Kinder und

00:36:01: Familie kümmern.

00:36:02: Das kann so nicht sein und deshalb

00:36:03: bin ich wirklich allen dankbar und

00:36:05: heute sind so viele Frauen auch

00:36:06: hier, die erfolgreich sind, die

00:36:08: selbstständig sind, auf eigenen

00:36:09: Beinen stehen, dass sie auch

00:36:11: Vorbilder sind für andere, gerade

00:36:12: für junge Frauen.

00:36:13: Sie haben auch gerade so schön

00:36:14: gesagt, dass die Frau Dr. Randall

00:36:17: ein Vorbild ist für uns

00:36:19: alle. Sie sind ja wirklich das

00:36:20: Gegenteil von einer Tradwife,

00:36:23: die zu Hause bleibt.

00:36:25: Wie wichtig würden Sie denn sagen,

00:36:26: ist es für Mädchen, dass man nicht

00:36:28: nur sagt, du kannst alles werden, du

00:36:29: kannst Astronautin werden,

00:36:31: sondern wirklich auch in Fleisch

00:36:33: und Blut ein Vorbild zu sein, zu

00:36:34: sagen, ja, ich gehe diesen Weg?

00:36:36: Ich glaube, es braucht vor allen

00:36:37: Dingen ein bisschen Ehrlichkeit

00:36:39: auch. Also ich finde es manchmal

00:36:40: befremdlich, dass ich als Vorbild

00:36:41: gesehen werde.

00:36:43: Wenn ich einen schlechten Tag habe,

00:36:44: fühle ich mich überhaupt nicht so.

00:36:45: Also ich zweifle dann auch an mir.

00:36:47: Ich habe total schlechte Tage, wo

00:36:49: ich denke, boah, ich muss gleich auf

00:36:50: der Bühne stehen.

00:36:51: Ich sehe schlimm aus und ich kann

00:36:53: überhaupt nichts und warum stehe ich

00:36:54: da?

00:36:55: Also ich glaube, es braucht halt diese

00:36:56: Ehrlichheit, dass man sagt,

00:36:58: erstens, nein, selbst wenn du

00:37:00: dich total anstrengst, kann es sein,

00:37:02: dass es trotzdem nicht funktioniert.

00:37:04: Es braucht, wie gesagt, eben dieses

00:37:05: "richtige Zeit am richtigen Ort",

00:37:06: dieses Quäntchen Glück.

00:37:08: Aber die Frage ist, wie du damit

00:37:09: umgehst.

00:37:10: Das ist etwas, was ich gerade jetzt

00:37:11: auch selber lerne und versuche für

00:37:12: mich herauszufinden. Also ich weiß

00:37:14: nicht, ob ich in den Weltraum

00:37:14: fliegen werde.

00:37:16: Aber ich versuche, und das klappt

00:37:17: manchmal besser als andere

00:37:19: Tage, ich sage mir dann, okay, ich

00:37:21: habe so viel daraus gezogen, ich hab

00:37:23: so viel dadurch gewonnen, ich habe

00:37:24: so viele tolle Leute kennengelernt,

00:37:25: so viele tolle Erlebnisse, viel

00:37:27: gelernt.

00:37:28: Also ich glaube, wirklich dieses

00:37:29: ehrlich Sein, es ist nicht immer

00:37:31: alles so glamourös, wie es aussieht,

00:37:33: gerade auf Instagram, Tiktok und

00:37:34: so weiter, und das machen die

00:37:36: Tradwifes ja übrigens, also die

00:37:37: feiern sich als 50er-Jahre-Hausfrau,

00:37:39: das sind knallharte Geschäftsfrauen,

00:37:41: die mit diesem Rollenbild

00:37:43: reich werden, das ist es nämlich,

00:37:45: also genau, ich würde mir ein

00:37:46: bisschen mehr ungeschönte

00:37:48: Ehrlichkeit auch wünschen dabei.

00:37:50: Was hat Ihnen damals am meisten

00:37:52: geholfen, diesen Karriereweg

00:37:54: einzuschlagen?

00:37:55: Tatsächlich hat mich wirklich das

00:37:57: Weltall immer schon begeistert.

00:37:58: Ich weiß nicht warum.

00:38:00: Also das ist nicht bei mir familiär

00:38:01: geprägt.

00:38:02: Es war auch keiner in der Schule,

00:38:03: keine Freundin, es war einfach was

00:38:05: Intrinsisches, was mich immer schon

00:38:07: total fasziniert hat.

00:38:09: Und ich muss sagen, ich war dann

00:38:10: auch oft zur richtigen Zeit am

00:38:11: richtigen Ort.

00:38:12: Ich habe dann eben auch die Möglichkeiten

00:38:13: bekommen, mich da zu entfalten und

00:38:15: meinen Weg zu gehen.

00:38:16: Aber, und es ist mir auch wichtig zu

00:38:17: erwähnen, es ist nicht der einzige

00:38:19: Weg, der für mich möglich gewesen

00:38:20: wäre. Und ich glaube, da müssen wir

00:38:22: auch über die Strukturen ein

00:38:23: bisschen sprechen.

00:38:24: Also wenn ich jetzt nach 10, 15

00:38:26: Jahren in der Wissenschaft noch

00:38:27: immer keinen festen Vertrag gehabt

00:38:28: hätte und hätte alle zwei Jahre

00:38:30: umziehen müssen nach, ich weiß nicht

00:38:32: wohin, weiß ich nicht, ob ich jetzt

00:38:33: hier wäre.

00:38:34: Also dann hätte ich auch einen

00:38:35: anderen Weg einschlagen können.

00:38:36: Unsere Rakete ist hier schon fast

00:38:38: 15 Minuten geflogen.

00:38:40: Wir gehen mal so langsam in den

00:38:42: Landeanflug.

00:38:43: Deshalb zum Schluss vielleicht noch

00:38:44: mal eine kurze Botschaft von Ihnen

00:38:46: beiden. Wenn jetzt hier junge

00:38:47: Frauen, Mädchen sitzen,

00:38:50: die sagen, ich interessiere mich für

00:38:51: Wissenschaft, für Technik,

00:38:53: vielleicht sogar für Astrophysik.

00:38:56: Was würden Sie ihr als

00:38:59: Botschaft mitgeben, Frau

00:39:01: Staatsministerin?

00:39:02: Ganz klar mutig zu sein,

00:39:04: durchzuhalten, aber vor allen Dingen

00:39:06: eines in den Mittelpunkt stellen.

00:39:07: Und das spürt man bei Ihnen, so

00:39:08: diese Begeisterung zuzulassen,

00:39:11: dieses Vertrauen in die eigenen

00:39:12: Fähigkeiten, auch in diese

00:39:14: Entwicklungsmöglichkeiten, die man

00:39:16: bei sich selber hat.

00:39:17: Ich glaube, das ist ganz

00:39:18: entscheidend, wenn wir diese Wege

00:39:19: gehen wollen und sich nicht

00:39:21: draus bringen lassen, sich nicht

00:39:23: irritieren zu lassen von blöden

00:39:25: Sprüchen, die mir im Übrigen auch

00:39:26: immer wieder noch passieren.

00:39:28: Aber das ist ganz entscheidend, dass

00:39:30: man sich von dieser Berufung treiben

00:39:31: lässt und der Begeisterung,

00:39:33: mutig ist, das gehört dazu.

00:39:35: Diese Zweifel kommen auch bei mir,

00:39:37: so ehrlich muss man tatsächlich

00:39:38: sein.

00:39:39: Natürlich hat man nicht jeden Tag

00:39:40: den gleich guten Tag und kommt dann

00:39:42: an Momente, wo man denkt, naja,

00:39:44: vielleicht war das doch nicht der

00:39:45: richtige Weg, diese Selbstzweifel

00:39:47: gehören dazu. Aber ich glaube

00:39:48: trotzdem, wir Frauen haben zu viele

00:39:50: Selbstzweifel.

00:39:51: Wenn Sie heute Männer

00:39:53: und Frauen gegenüberstellen, ihnen

00:39:55: eine Frage stellen, trauen Sie sich

00:39:57: zu, jetzt als Bürgermeister

00:39:58: beispielsweise zu kandidieren oder

00:40:00: ein Start-up zu eröffnen, dann

00:40:01: werden die meisten Männer sofort den

00:40:03: Muskel herzeigen und sagen, klar

00:40:05: mache ich das, die Frauen fangen an,

00:40:06: sich Fragen zu stellen, zu zweifeln,

00:40:08: kann ich das alles, und das sollten

00:40:10: wir weniger tun, also mehr Mut,

00:40:12: mehr Entschlossenheit, sich trauen

00:40:14: und vor allen Dingen neugierig zu

00:40:15: bleiben.

00:40:16: Lebenslanges Lernen gehört

00:40:17: mittlerweile dazu, ich habe mich

00:40:18: gefreut, dass Sie vorher gesagt

00:40:19: haben, Sie haben viel gelernt.

00:40:21: Ich stelle oft jeden Abend fest,

00:40:23: ich habe wieder etwas Neues

00:40:24: dazugelernt und das bereichert mich

00:40:25: so sehr und ich glaube dieses

00:40:26: Bewusstsein gehört einfach auch

00:40:28: dazu.

00:40:29: Dr. Randall, was ist Ihre Botschaft

00:40:31: für die tollen Frauen

00:40:33: hier?

00:40:34: Die ist tatsächlich ganz ähnlich.

00:40:35: Also ich glaube vor allen Dingen,

00:40:36: dieses "du weißt nicht

00:40:38: wozu du fähig bist, wenn du es nicht

00:40:40: probierst".

00:40:41: Das war etwas, was ich aus dem

00:40:42: Training wirklich mitgenommen habe.

00:40:43: Also alle sagen zu mir, du bist so

00:40:45: mutig, du bist da einfach getaucht.

00:40:47: Ne, ich bin nicht einfach getauscht.

00:40:49: Ich bin kein Wassermensch, also ich

00:40:50: bin ein Luftmensch.

00:40:51: Das mit dem Fliegen, Parabelflug hat

00:40:52: mir total Spaß gemacht.

00:40:54: Ich habe totale Angst vor dem

00:40:56: Tauchen, selbst mit bunten Fischen

00:40:57: in den Tropen.

00:40:58: Also ich habe da wirklich, ich hab

00:41:00: dann in der Badewanne, es gibt so

00:41:01: einen Trick, das Problems ist, wenn man

00:41:02: Wasser in die Nase bekommt,

00:41:04: dann geht das Gehirn in so einen

00:41:06: Panikmodus.

00:41:07: Weil das Gehirn sagt, ich ertrinke,

00:41:08: ich ertrinke, aber man

00:41:10: kann das trainieren.

00:41:11: Und ich bin da wirklich in die Badewanne

00:41:12: gegangen, hab mir Wasser in die Nase

00:41:14: laufen lassen und hab dann dem

00:41:16: Impuls auch widerstanden, da sofort

00:41:17: aufzutauchen. Und das hat mir

00:41:19: tatsächlich dann ermöglicht, diese

00:41:20: Übungen, die wir machen mussten, wie

00:41:21: zum Beispiel die Maske beim Tauchen

00:41:23: auszuziehen und uns wieder

00:41:25: anzulegen, zu überstehen.

00:41:27: Also ich glaube wirklich, man muss

00:41:28: sich Sachen dann einmal trauen, das

00:41:30: kostet Überwindung.

00:41:31: Und dann merkt man total oft, so

00:41:32: schlimm ist es gar nicht.

00:41:34: Man gewöhnt sich da dran und so

00:41:35: schlimm ist es dann gar nicht!

00:41:37: Ich nehme einen ganz wichtigen

00:41:39: Gedanken mit.

00:41:40: Bitte, bitte machen Sie den jungen

00:41:42: Frauen in ihrem Umfeld Mut,

00:41:44: genau diesen Weg einzuschlagen.

00:41:47: Vielen, vielen Dank, Frau

00:41:48: Staatsministerin Ulrike Scharf.

00:41:50: Danke Ihnen.

00:41:50: Danke, Dr. Randall.

00:41:52: Und einen schönen Abend noch.

00:42:11: Danke, dass du dabei warst.

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