Über Wirkungsbereiche und Gestaltungsräume: "Warte nicht darauf, gesehen zu werden!"
Shownotes
Das Ziel vor Augen, aber immer einen Plan B in der Tasche. Mit dem Baby auf Konferenzen und mit Kindern im Meeting. Immer Champion für andere Frauen und deren Erfolg. So hat Prof. Alexandra Wuttig ihre berufliche Laufbahn gestaltet. Ihr Ratschlag an Frauen lautet: "Wartet nicht darauf, gesehen zu werden!" Ein Gespräch über Karrieregestaltung, Wirkungsräume und klare Visionen.
Alexandra Wuttig ist Juristin, Mutter, Female Founder und seit sechs Jahren Kanzlerin der IU Internationalen Hochschule. Was macht eine Kanzlerin? Verwaltung, Strategie und in Wuttigs Fall auch viel Frauenförderung. Wir sprechen über ihre Laufbahn, über Herausforderungen, Unterstützer:innen und ihre Karrierestrategien. Die Folge eröffnet Einblicke in folgende Themen:
Sichtbarkeit: Frauen warten oft darauf, dass jemand ihre Leistung bemerkt. Wuttig sagt, dass die meisten Vorgesetzten dafür schlicht keine Zeit haben. Wie bringst du dich also ins Gespräch?Formuliere deine Ziele! In Wuttig Worten: “Seid euer größter Fan und sagt, wo ihr hin wollt. Und dann finden sich Menschen, die euch dahin helfen.“
Vereinbarkeit: Wuttig teilt ihre Einschätzung zur Haltung "You can have it all“. Wie hat sie ihre Mutterschaft mit ihrer Arbeit vereinbart? "Ja, du kannst es haben, aber zu einem Preis kommt es ja doch“, sagt Wuttig. Ihr Rat: Fordere Flexibilität aktiv ein!
Förderung und Vorbilder: In ihrem Job als rechte Hand des CEOs waren es Männer, die sie gefördert haben. Sie selbst macht Frauen zum Fokus ihres Engagements. Wuttig sagt: "Frauenförderung lebt davon, dass du anderen Frauen eine Chance gibst."
Weiterführende Links:
[IU, Hochschulleitung mit Wuttig:]
Stipendien der IU, etwa für First-Gen-Studierende, Alleinerziehende und Women in Tech
LegalBFF, eines von Wuttigs Start-Ups
Über herCAREER Voice
Der Podcast herCAREER Voice liefert wertvolle Einblicke in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, immer verknüpft mit persönlichen Erfahrungen und vor allem aus weiblicher Perspektive. Wechselnde Moderator:innen und Gäst:innen aus unterschiedlichen Unternehmen, Redaktionen und Arbeitsumfeldern bieten vielseitige und praxisnahe Erfahrungswerte für die Hörer:innen. https://www.her-career.com/podcastherCAREER ist die führende Plattform für die weibliche Karriere. Hier erwartet dich ein einzigartiges Netzwerk mit individuellen Job-Chancen und jede Menge inspirierender Content wie Podcasts, Vorträge und Panels live auf herCAREER Expo oder online im Rahmen unserer herCAREER Academy. Wir heißen alle Menschen willkommen – im Besonderen Frauen, denen wir die Chance geben, von diesem besonderen Möglichkeitsraum zu profitieren. https://www.her-career.com
Projektleitung: Natascha Hoffner Redaktion: Kristina Appel Produktion: Bernhard Hiergeist
Transkript anzeigen
00:00:00: Etwas, was ich vielen gerne mitgeben
00:00:02: würde, dass man wirklich durchaus
00:00:04: gestalten kann und nicht darauf
00:00:05: warten kann, dass einer zu dir kommt
00:00:07: und sagt, magst du nicht
00:00:09: mal...? Ich glaube durchaus, dass
00:00:11: es in jeder Position möglich ist.
00:00:13: Wir Frauen tendieren eigentlich dazu
00:00:14: zu sagen, aber er muss es doch sehen
00:00:15: oder sie muss es sehen und ich
00:00:17: brenne dafür. Ist gar nicht böse
00:00:18: gemeint, aber die meisten haben
00:00:19: keine Zeit dafür und deswegen, wenn
00:00:21: es was ist, worauf man Bock hat, go
00:00:23: for it!
00:00:33: Willkommen beim HerCareer Podcast.
00:00:36: Du interessierst dich für aktuelle
00:00:37: Diskurse aus Wirtschaft,
00:00:39: Wissenschaft, Politik und
00:00:40: Gesellschaft und das insbesondere
00:00:42: aus einer weiblichen Perspektive?
00:00:44: Vielleicht wünschst du dir
00:00:45: persönliche Einblicke in den
00:00:46: Arbeitsalltag von Menschen und
00:00:48: Unternehmen, die sich dem
00:00:49: gesellschaftlichen und
00:00:50: wirtschaftlichen Wandel stellen?
00:00:51: Dann bist du hier genau richtig.
00:00:57: Sie ist Juristin, Mutter,
00:00:59: Female Founder und seit sechs Jahren
00:01:01: Kanzlerin der Internationalen
00:01:03: Hochschule IU.
00:01:05: In dieser Folge sprechen wir mit
00:01:06: Prof. Dr. Alexandra Wuttig
00:01:08: über Gestaltungsräume.
00:01:10: Nicht nur die ihres eigenen
00:01:11: Schaffensbereichs, sondern vor allem
00:01:13: auch die Gestaltung ihrer
00:01:14: beruflichen Laufbahn.
00:01:16: Einer ihrer Ratschläge ist, wenn man
00:01:18: die große Richtung im Blick behält,
00:01:20: dann wirkt der nächste, konkrete
00:01:22: Schritt nicht mehr ganz so
00:01:23: entscheidend.
00:01:34: Alexandra, schön, dass du da bist.
00:01:36: Vielen Dank für die Einladung.
00:01:37: Ich freue mich auch, da zu sein.
00:01:39: Lass uns direkt starten.
00:01:40: Im Vorgespräch hast du mir erzählt,
00:01:41: du seist nicht die klassische
00:01:43: Kanzlerin.
00:01:44: Wie würdest du deine Rolle bei der
00:01:45: IU beschreiben?
00:01:47: Ich glaube, das hängt auch viel
00:01:48: damit zusammen, wie ich mir so eine
00:01:49: Kanzlerin vorstellen würde.
00:01:51: Heißt ja gar nicht, dass sie alle so
00:01:52: sind, aber es hat viel zu tun
00:01:54: mit Regeln einhalten,
00:01:56: mit Verwaltung, mit sich drum
00:01:58: kümmern, dass die Organisation
00:02:00: quasi dem entspricht, was man
00:02:02: erwarten würde.
00:02:03: Und natürlich ist auch das Teil
00:02:05: meines Jobs, aber ich glaube,
00:02:07: ich hatte die Freiheit oder ich habe
00:02:08: die Freiheit, so mir den Job ein
00:02:10: bisschen... Mach dir die Welt so,
00:02:11: wie sie dir gefällt, so ungefähr.
00:02:13: Und auch viele spannende andere
00:02:14: Projekte ans Land zu ziehen, wie zum
00:02:16: Beispiel Frauen zu unterstützen oder
00:02:18: Frauen in IT.
00:02:19: Also irgendwie Themen, die uns
00:02:20: bewegen und auch natürlich für die
00:02:22: Hochschule wichtig sind, noch mit
00:02:24: behandeln zu dürfen.
00:02:25: Und deswegen finde ich den Job auch
00:02:26: so spannend, weil der ist einfach
00:02:28: nicht begrenzt auf das, was man sich
00:02:30: klassisch vorstellen würde.
00:02:31: Verwaltungen, Recht, Organisation
00:02:33: etc.
00:02:34: Möchtest du uns ein bisschen mehr
00:02:35: erzählen, was dann deine Aufgabe
00:02:37: ist? Also bist du vor allem
00:02:38: Impulsgeberin, wenn du sagst, du
00:02:40: bringst neue Projekte ins Spiel oder
00:02:42: ist es auch die Ausgestaltung
00:02:43: dessen? Wie sieht dein
00:02:44: Gestaltungsspielraum da aus?
00:02:45: Ich glaube, das ist auch die
00:02:46: Ausgestaltung dessen und
00:02:48: man kann es nicht so festlegen.
00:02:50: Es kommt auch davon an, also nach so
00:02:52: vielen Jahren, was gerade gebraucht
00:02:54: wird, wo gerade Probleme sind.
00:02:55: Also am Anfang sah es mit Sicherheit
00:02:57: anders aus, weil man muss sich halt
00:02:58: eben reinfinden und genau um diese
00:03:00: klassischen Dinge sich kümmern, aber
00:03:01: je länger man in der Rolle ist,
00:03:03: desto mehr Freiheiten hat man,
00:03:06: um gestalten zu können und
00:03:07: Prioritäten verändern sich auch.
00:03:09: Ja, es gibt Jahre, da ist...
00:03:12: Dann haben wir gesagt, dann ist die
00:03:13: Frauenförderung die Nummer eins, wo
00:03:15: wir uns drum kümmern.
00:03:16: Aber es gab auch Jahre, dann gab
00:03:18: es andere Probleme in
00:03:20: Anführungsstrichen, in
00:03:21: Organisationen, da muss man den
00:03:22: Fokus anders legen.
00:03:23: Und das ist auch etwas, was ich
00:03:25: vielen, vielen gerne mitgeben würde,
00:03:27: diesen Entrepreneurial Spirit, der
00:03:29: hat was damit zu tun, dass man
00:03:31: wirklich durchaus gestalten kann
00:03:32: und nicht darauf warten kann, dass
00:03:34: einer zu dir kommt und sagt,
00:03:36: magst du nicht mal...? Natürlich
00:03:37: werden viele auch sagen, na ja klar,
00:03:39: wenn man eine gewisse Position
00:03:41: erreicht hat, dann ist es leichter.
00:03:43: Ich glaube durchaus, dass es in
00:03:45: jeder Position möglich ist, wenn man
00:03:46: was findet, was cool ist, was die
00:03:48: Organisation oder wie
00:03:50: auch immer der Betrieb quasi
00:03:51: braucht, und das Gefühl hat, da kann
00:03:53: ich einen Beitrag leisten.
00:03:55: Man verliert nichts, wenn man
00:03:56: irgendwie versucht, das auf die
00:03:57: Straße zu bringen, unabhängig davon
00:03:58: ob es in meinem Wirkungsbereich ist
00:04:00: oder nicht.
00:04:01: Nicht darauf warten, aber ein
00:04:03: anderer muss doch sehen, dass ich
00:04:04: gut in whatever bin oder dass ich
00:04:06: Spaß habe in, weiß
00:04:08: ich nicht, in Brandingprojekte oder
00:04:09: was auch immer.
00:04:11: Das passiert in den seltensten
00:04:12: Fällen, denn die Leute sind
00:04:13: beschäftigt mit anderen Dingen und
00:04:15: die wenigsten sehen quasi...
00:04:17: und wir Frauen tendieren eigentlich
00:04:19: dazu zu sagen, aber er muss es doch
00:04:20: sehen oder sie muss es sehen, ich
00:04:22: bin doch und ich brenn dafür!
00:04:23: Ist gar nicht böse gemeint, aber die
00:04:25: meisten haben keine Zeit dafür und
00:04:26: deswegen, wenn es was ist, worauf
00:04:28: ihr Bock habt oder worauf man Bock
00:04:29: hat, go for it.
00:04:30: Klar kann man sich auch nein, kriege
00:04:32: ich auch, sagen, ne, ist grad nicht
00:04:34: drin, aber dann hat man es
00:04:36: wenigstens versucht.
00:04:37: Und du sprichst ja auch so ein
00:04:37: bisschen aus Erfahrung.
00:04:39: Also wenn du sagst Entrepreneurial
00:04:40: Spirit, ich glaube, den hast du,
00:04:43: der ist dir gegeben.
00:04:45: Wenn wir auf deine berufliche
00:04:46: Laufbahn zurückgucken, dann hast du
00:04:48: ja wirklich auch an sehr vielen
00:04:49: Projekten und in vielen
00:04:50: verschiedenen Positionen gearbeitet.
00:04:52: Du bist Juristin.
00:04:53: Was waren für dich so prägende
00:04:55: Stationen, wo du
00:04:57: besonders viel gelernt hast oder wo
00:04:58: du Dinge für dich vielleicht
00:04:59: verstanden hast?
00:05:03: Also als ich in dem Moment war,
00:05:05: war es mir nicht klar, dass es der
00:05:07: Job ist, der mich so prägen wird.
00:05:08: Also z.B. mein erster oder mein
00:05:10: zweiter Job quasi, als ich die
00:05:12: rechte Hand des CEOs wurde in
00:05:14: einem Engineering-Betrieb,
00:05:16: der männergeprägt war,
00:05:18: wo ich teilweise Männer in Meetings
00:05:20: hatte, die mir gesagt haben,
00:05:21: Mädchen, du bist hier
00:05:23: seit drei Tagen, ich bin hier seit
00:05:25: 20 Jahren, ich erkläre dir die Welt.
00:05:27: Wirklich, also literally so haben
00:05:29: sie mit mir gesprochen.
00:05:30: Da war ich viel zu schüchtern, um zu
00:05:32: merken, was für eine Power ich
00:05:33: eigentlich habe als die rechte Hand
00:05:35: des CEOs, aber im Nachhinein
00:05:37: hat mir der Job sehr viel,
00:05:39: also ich habe sehr viel gelernt.
00:05:40: Ich habe gelernt, wie es in einem
00:05:41: Board Meeting abgeht,
00:05:43: wie Männer miteinander umgehen,
00:05:45: was ich will und was ich nicht will.
00:05:47: Board ist fein und da oben C-Level
00:05:50: zu sein, ist auch gut, aber den
00:05:51: Umgang miteinander fand
00:05:53: ich jetzt nicht so spannend.
00:05:55: Der hat mich sehr geprägt und ich
00:05:57: habe gemerkt, dass Männer durchaus
00:05:59: dich mehr fördern als Frauen.
00:06:02: Das war zumindest da so.
00:06:03: Es waren die Männer, die mir gesagt
00:06:04: haben, Alex, magst du nicht mal den
00:06:06: Next-Step-Take nehmen.
00:06:08: Insofern habe ich mir damals schon
00:06:10: gesagt, ich mache es anders, weil
00:06:11: ich glaube, Frauenförderung lebt
00:06:13: davon, dass du anderen Frauen eine
00:06:14: Chance gibst.
00:06:15: Und nicht nur sagst, ich bin aber
00:06:17: für Frauen in Leadership oder ich
00:06:19: bin... Dann muss man das auch so
00:06:20: machen und ich glaube, das hat mich
00:06:22: geprägt. Und dann: Ich glaube, mit
00:06:24: mehr Erfahrung und mit mehr Jobs
00:06:26: merkst du auch, worin bin ich gut.
00:06:27: Was kann ich denn am besten?
00:06:28: Und das kannst du hundertprozentig
00:06:30: nicht im ersten Job wissen.
00:06:32: Und gerade damals war das noch
00:06:34: so. Als Juristen waren wir, glaube
00:06:35: ich, geprägt, das ist
00:06:37: quasi dein Karriereweg.
00:06:39: Und mein erster Chef hat schon immer
00:06:40: gesagt, er würde uns
00:06:42: "Deutsche" in Anführungsstrichen
00:06:43: nicht verstehen.
00:06:44: Er war Franzose und hat gesagt, in
00:06:46: Frankreich ist es so: Ja, du
00:06:47: studierst was, was auch immer,
00:06:48: Ingenieur oder BWL oder whatever.
00:06:51: Du machst den Job für fünf Jahre und
00:06:52: dann ist es klar, du machst was
00:06:54: anderes.
00:06:54: Vielleicht im gleichen Unternehmen,
00:06:56: aber dann guckst du mal in HR,
00:06:58: guckst du mal im Vertrieb und als er
00:06:59: mich gefragt hat, wo willst du hin,
00:07:01: war ich total überfordert mit der
00:07:02: Idee, weil für mich war ja klar,
00:07:04: Rechtsabteilung. Und er so:
00:07:05: Wirklich? Magst du nicht mal da
00:07:07: reingucken, da reingucken?
00:07:08: Vielleicht war es auch mein
00:07:09: begrenztes Denken, aber da habe ich
00:07:11: gemerkt, okay, that's true,
00:07:13: nur weil du Jura studiert hast,
00:07:14: heißt das ja nicht, dass das der
00:07:16: Pfad sein kann, sondern man kann
00:07:17: viel mehr irgendwie versuchen.
00:07:19: Lass die anderen doch einfach nein
00:07:20: sagen.
00:07:21: Ich finde es interessant, weil wir
00:07:22: wirklich, also auch aus meiner
00:07:24: Erfahrung in Deutschland lange
00:07:26: den Begriff Laufbahn und Karriere
00:07:28: gleichgesetzt haben.
00:07:30: Also im Sinne von: eine Karrieren
00:07:31: muss ein Anstieg in Verantwortung,
00:07:35: ein Anstieg vielleicht auch in
00:07:36: Führungsverantwortung sein,
00:07:39: das Gehalt muss sich linear
00:07:40: verhalten, und während
00:07:43: ich häufig versuche, den Begriff
00:07:45: Laufbahn zu verwendenn und ich
00:07:46: glauben der ist auch bei dir total
00:07:48: angebracht, weil man eben
00:07:51: verschiedene Stationen im Leben hatn
00:07:52: und die müssen nicht linear
00:07:53: miteinander verbunden sein, da
00:07:55: dürfen Schleifen drin sein und
00:07:56: Kurven und auch vielleicht
00:07:58: Kehrtwenden, kann ja
00:08:00: auch sein.
00:08:01: Beobachtest du in deiner
00:08:02: Zusammenarbeit jetzt gerade in der
00:08:04: Bildungsstätte, dass Menschen das
00:08:05: heute mehr begreifen
00:08:07: als zu der Zeit, wo du es anhand
00:08:09: dieses Chefs erlebt hast?
00:08:10: Ich glaube schon, dass die Leute das
00:08:12: mehr begreifen.
00:08:13: Also man hat heute ja auch viel mehr
00:08:15: Möglichkeiten. Früher hat man
00:08:16: gedacht, studieren geht einfach nur
00:08:18: der eine Weg.
00:08:19: Also du gehst zur Uni und dann
00:08:21: hast du zwar Nebenjobs, aber jetzt
00:08:23: zu studieren, Vollzeit, that's the
00:08:24: only way.
00:08:25: Ich glaube, heute hat man viel,
00:08:26: viel, mehr Möglichkeiten, und
00:08:28: wir sind nichtsdestotrotz
00:08:30: immer noch kritisch.
00:08:31: Das glaube ich schon. Wir als
00:08:32: Gesellschaft, insgesamt sind wir
00:08:34: durchaus kritisch, was angebracht
00:08:36: ist und was nicht.
00:08:37: Du siehst es alleine, wie Gründungen
00:08:39: immer noch betrachtet werden.
00:08:40: Ah, wirklich? Willst du das wirklich
00:08:42: machen?
00:08:43: Und was passiert, wenn es nicht
00:08:44: klappt? Ich glaube, insgesamt sind
00:08:46: wir avers mit irgendwas, was von der
00:08:48: Norm abweicht.
00:08:49: Vielleicht auch, weil es ein
00:08:51: schlechtes Bild auf uns selber
00:08:52: dann... Na ja, wenn das bei ihr
00:08:54: klappt, warum hat es bei mir nicht
00:08:55: geklappt? Dann habe ich ja keine
00:08:56: Ausrede mehr. Weißt du, das ist ja
00:08:58: genau das Gleiche mit Arbeiten und
00:08:59: Kinderkriegen gleichzeitig.
00:09:00: Das ist auch so ein bisschen.
00:09:02: Aber ich glaube, insgesamt sind
00:09:04: wir in Anführungsstrichen "moderner"
00:09:05: geworden oder gehen wir...
00:09:06: erlauben wir viel mehr.
00:09:08: Und ich glaube, auch bei den
00:09:10: Bewerbungen oder sowas ist es auch
00:09:11: nicht mehr so schlimm.
00:09:12: Weißt du, früher wurde es ja immer
00:09:13: in diesen ganzen Bewerbungstrainings
00:09:14: so, du darfst keine Gaps drin haben
00:09:16: und alles muss erklärbar sein.
00:09:18: Und wie auch immer, heute wird man
00:09:20: vielleicht auch verstehen, ein
00:09:22: Auslandsjahr bringt viel mehr
00:09:23: Erfahrungen mit sich und bildet
00:09:25: dich ganz anders aus, als wenn du
00:09:27: wirklich straight von Abitur,
00:09:30: studiert, erster Job
00:09:32: und so weiter, nie eine Pause
00:09:33: genommen.
00:09:34: Ich glaube, heute geht man ein
00:09:35: bisschen anders damit um.
00:09:36: Für dich, wenn du zurückguckst,
00:09:38: was eint die Stationen, die du,
00:09:40: also die beruflichen Stationen die
00:09:42: du absolviert hast, wenn man das so
00:09:44: nennen kann, was hat dich an denen
00:09:45: gereizt, warum bist du dahin und und
00:09:47: was hat dich dann dazu getrieben,
00:09:49: weiter zu gehen, nicht zu bleiben?
00:09:50: Ich glaube was mich reizt,
00:09:52: ist diese Problemlösung.
00:09:54: Ich mag, wenn Herausforderungen
00:09:56: da sind, die man angehen kann,
00:09:58: auf unterschiedliche Art und Weise
00:10:00: und es irgendwie, also das
00:10:02: reizt mich und ich glaube, das ist
00:10:03: so ein bisschen immer, wenn es was
00:10:04: zum Aufbauen oder zum
00:10:06: Bessermachen gibt, das hat mich,
00:10:08: glaube ich, immer gereizt.
00:10:09: Unterschied, also warum ich dann
00:10:11: weitergegangen bin, ich glaube man
00:10:12: wird halt auch reifer und sagt, naja
00:10:14: so richtig ist es nicht, wo ich
00:10:16: einen Beitrag leisten kann.
00:10:17: Ich brauche auch ein bisschen
00:10:19: Innovation, Spielraum,
00:10:21: und ich glaube, das hat mich
00:10:22: geprägt. Aber ich glaube diese
00:10:23: Problemlösung, das ist das, was ich
00:10:25: suche, Probleme, glaube ich.
00:10:27: Schön.
00:10:28: Das ist schön. Wir brauchen viele
00:10:29: Leute, die Probleme lösen könnten
00:10:31: und wollen.
00:10:32: Nein, aber im positiven Wege.
00:10:34: Man kann ja auch, wir wollen
00:10:36: das und das besser machen oder wir
00:10:38: wollen das aufbauen.
00:10:39: Das sind ja nicht unbedingt Probleme,
00:10:40: sondern sind halt eine Richtung,
00:10:41: sondern das finde ich cool.
00:10:43: Also gerade diesen Aufbaugedanken.
00:10:45: Ich glaube, es ist leicht zu
00:10:46: vergessen, dass Bildungseinrichtungen,
00:10:48: egal ob sie jetzt privat oder
00:10:49: öffentlich sind, immer auch
00:10:52: Arbeitgeber:innen sind, also
00:10:54: Arbeitsplätze-Arbeitgeber:innen und
00:10:56: dass Karrieren dort durchaus
00:10:57: anders aussehen können als in
00:11:00: der freien Marktwirtschaft.
00:11:02: Du hast als Professorin
00:11:04: für Entrepreneurship, Innovation
00:11:06: und Recht dort begonnen.
00:11:08: Was hast du dir versprochen von
00:11:09: dieser Stelle und was hat dich
00:11:11: gereizt an einer Uni als
00:11:13: Arbeitgebernin?
00:11:14: Ich darf hier ganz, ganz ehrlich
00:11:15: sein. Das hört auch mit Sicherheit
00:11:17: nicht mein Mann.
00:11:17: Der hat damals gesagt, als ich die
00:11:19: Ausschreibung gesehen habe, und ich
00:11:21: gesagt habe, ich würde mich gerne bewerben,
00:11:22: dann hat er gesagt, also die Stelle
00:11:24: kriegst du ja niemals.
00:11:25: Du bist doch kein Professor.
00:11:26: Das war alleine der Grund, um zu
00:11:28: sagen, na ja, dann mache ich es
00:11:30: doch, ohne es ihm zu sagen.
00:11:32: Aber tatsächlich, ich kann mich
00:11:34: nicht mehr genau an der Stellenausschreibungen
00:11:35: erinnern, aber was mich
00:11:37: erstaunt hat, das war damals die
00:11:39: einzige Hochschule, die darüber
00:11:41: gesprochen hat, online Prüfungen
00:11:43: abzulegen.
00:11:44: Und ich kam gerade, ich
00:11:46: hatte einen MBA gemacht, der
00:11:47: teilweise online war und es war
00:11:49: gerade so den Umbruch, wo viele
00:11:50: Hochschulen drüber nachgedacht
00:11:52: haben, online, ist das was, und
00:11:53: es war immer noch so ein Novum, so
00:11:55: hm, das ist doch nix richtiges,
00:11:58: du musst vor Ort.
00:11:59: Und das fand ich superspannend,
00:12:00: dass eine Hochschule das weiterdenkt
00:12:02: und sagt, okay, du kannst sogar
00:12:03: online Prüfungen ablegen.
00:12:04: Und dann muss ich ganz, ganz ehrlich
00:12:06: sein, war ich, waren meine Kinder
00:12:08: damals auch klein, dachte ich, ja.
00:12:10: Wie geil ist das denn?
00:12:12: Ich kann meine Arbeitszeit
00:12:13: aussuchen. Ich kann von zuhause
00:12:15: aus arbeiten.
00:12:16: Die können hier rumwurschteln.
00:12:17: Ich kannst sie von der Kita abholen
00:12:19: und was auch immer.
00:12:20: Und ich kann wirklich einen Beitrag
00:12:22: leisten und nicht nur,
00:12:24: weil viele Frauen müssen diesen
00:12:25: Trade-off machen, müssen sagen,
00:12:26: okay, eigentlich würde ich gerne den
00:12:28: Himmel erobern.
00:12:29: Geht aber nicht, weil ich habe zwei
00:12:31: kleine Kinder.
00:12:32: Und da hatte ich das Gefühl, es geht
00:12:33: beides, weil es eben so flexibel
00:12:36: war. Und das haben aber auch nicht
00:12:37: viele Hochschulen, glaube ich.
00:12:39: Ich glaube, das ist etwas
00:12:40: Besonderes, weil diese Flexibilität
00:12:43: passt auch mit Sicherheit auch nicht
00:12:44: für alle. Das muss man auch sagen,
00:12:46: aber ich glaube, diese Flexibiltät
00:12:48: hat es mir tatsächlich erleichtert
00:12:49: zu sagen, ja Vollzeit geht und
00:12:52: ich ziehe es durch.
00:12:53: Ja, ich glaube, das ist ein sehr
00:12:54: starker Gegensatz zu dem, was wir
00:12:56: auch gerade Gott sei Dank ein
00:12:57: bisschen mehr diskutieren, nämlich
00:12:59: dass an staatlichen Universitäten
00:13:01: häufig eher kurzfristig und
00:13:03: unsichere Arbeitsverhältnisse
00:13:05: bestehen.
00:13:06: Diese befristeten Verträge, die hohe
00:13:07: Eigenverantwortung, für Finanzierung
00:13:10: zu sorgen, so das ist natürlich ein
00:13:11: Riesendruck und für viele Frauen,
00:13:13: die Familie haben möchten,
00:13:16: sind die vielen Standortwechsel und
00:13:18: diese projektabhängige Finanzierung
00:13:20: natürlich zusätzlich erschwerend.
00:13:22: Also das kannst du vielleicht
00:13:23: machen, wenn du 20 bist und sagen,
00:13:25: kein Problem, von Hamburg nach
00:13:27: München, wenn die Stelle das
00:13:29: anbietet, aber wenn man
00:13:31: Doktorat und Professur
00:13:33: anstrebt, ist man selten 20,
00:13:35: insofern ist das
00:13:37: schwierig, was sehr schade ist und
00:13:39: dann muss man sich dann doch
00:13:41: entscheiden. Es machen trotzdem
00:13:42: einige und fühlen sich berufen, das
00:13:44: wäre sehr schade, wenn es nicht so
00:13:45: wäre, denn es ist halt immer so,
00:13:47: wenn man keine role models sieht,
00:13:48: wenn die Studentinnen keine Frau da
00:13:49: vorne sehen, werden sie nie selber
00:13:51: auf die Idee kommen, dass es auch
00:13:53: eine Möglichkeit wäre und dann
00:13:54: würden viele kluge Köpfe, würden
00:13:56: wir gar nicht sehen oder hören.
00:13:58: Wir diskutieren ja auch häufig, wie
00:14:00: wichtig ist eigentlich dieses
00:14:02: Studium. Ich persönlich fand diese
00:14:04: Zeit für mich sehr wichtig,
00:14:06: rückblickend, glaube ich aber, dass
00:14:07: ich vielleicht mit einer Ausbildung
00:14:08: oder einem Handwerk auch mehr für
00:14:10: meine Laufbahn hätte erreichen
00:14:12: können.
00:14:13: Wie siehst du das? Wie war das für
00:14:14: dich?
00:14:15: Für mich war es ganz, ganz
00:14:16: schwierig, denn mein Jurastudium war
00:14:18: far away von der Lebensrealität.
00:14:20: Insofern finde ich, dass sich viel
00:14:22: getan hat und gerade diese neueren
00:14:25: Studiengänge, die viel mit IT,
00:14:27: AI und es gibt ja sehr viele
00:14:29: speziellere Studiengänge, als es
00:14:31: früher gab.
00:14:32: Insofern finde ich das sehr gut,
00:14:33: weil die neueren Studiengänge sind
00:14:35: viel realer,
00:14:37: viel, also da nimmst du viel mehr
00:14:38: mit für das, was du im Leben
00:14:40: brauchst. Und zum Beispiel bei uns
00:14:41: lernst du auch, wie du mit AI
00:14:42: umzugehen hast und so weiter.
00:14:44: Die sind viel näher an der Realität,
00:14:46: als es früher war.
00:14:47: Und vielleicht sind auch Juristen
00:14:48: was Besonderes.
00:14:49: Ich glaube, Juristen und Mediziner
00:14:50: sollten wir rauslassen.
00:14:52: Es gibt mit Sicherheit andere
00:14:53: Studiengänge, die näher an der
00:14:55: Lebensrealität sind.
00:14:56: Aber ich gebe dir Recht.
00:14:57: Die Frage ist, ob die Bildung so,
00:14:59: wie wir sie heute haben
00:15:01: und denken, noch zukunftsträchtig
00:15:03: ist. Und man sieht ja auch, es
00:15:05: kommen auch andere Methoden.
00:15:07: Also learning on the job vielleicht
00:15:09: oder auch in den USA ausprobiert.
00:15:10: Also quasi von der Schule direkt.
00:15:12: Im Prinzip wie unser
00:15:13: Ausbildungsgedanke ein bisschen.
00:15:15: Es gibt vielleicht Jobs, für die ist
00:15:17: es notwendig, aber es gibt durchaus
00:15:18: Jobs, da brauchst du eine Basis,
00:15:20: worauf du builden kannst, würde
00:15:22: ich sagen.
00:15:23: Und da ist ein Studium immer noch
00:15:25: gut.
00:15:26: Die Frage ist, in was für eine Form,
00:15:27: in was für einer Form sollen
00:15:29: Prüfungen abgenommen werden?
00:15:31: Denn mit Sicherheit, in Anbetracht
00:15:32: AI, kann es nicht
00:15:34: sein, dass wir weiterhin Wissen nur
00:15:36: einfach abfragen.
00:15:37: Oder auswendig lernen und so weiter.
00:15:39: Ich glaube, da wird sich viel tun,
00:15:41: und es tut sich auch bereits viel.
00:15:43: Aber es ist auch gut, dass ein, also
00:15:45: ich glaube, ein Studium wird nicht
00:15:46: obsolet werden.
00:15:47: Die Frage ist, wie?
00:15:49: Und das Studium soll sich vielleicht
00:15:51: viel mehr an unsere Lebensrealität
00:15:53: anpassen als wir.
00:15:55: Also klassisch so, ich fange jetzt
00:15:56: an zu studieren, ich suche mir eine
00:15:58: Wohnung, ich muss umziehen, ich
00:16:00: muß den ganzen Tag zur Uni.
00:16:02: Und dann muss ich mir noch einen
00:16:03: längeren Job suchen, weil sonst kann
00:16:04: ich mein Leben nicht finanzieren.
00:16:05: Es gibt Leute, die wollen die Welt
00:16:06: bereisen und das sollte nicht
00:16:08: entweder/oder sein.
00:16:09: Welche Chancen bietet so eine
00:16:11: private und aber vor allem auch
00:16:12: stark digital arbeitende Hochschule
00:16:15: für Menschen, für die vielleicht der
00:16:16: klassische Weg zur Uni
00:16:18: oder sogar ein Campusleben eben
00:16:20: nicht funktionieren könnte?
00:16:22: Da habe ich zwei ganz
00:16:24: praktische, plastische Beispiele.
00:16:26: Wir hatten vor einiger Zeit
00:16:28: ein Stipendium ausgeschrieben für
00:16:29: Women in IT, wo wir
00:16:31: Frauen ermöglichen wollten, quasi
00:16:33: zu studieren in diesem Bereich.
00:16:36: Und hatten damals, das ist jetzt
00:16:37: schon ein paar Jahre her, gebeten,
00:16:39: sich per Video zu bewerben.
00:16:41: Und das waren unglaublich viele
00:16:42: Bewerbungen, die habe ich mir jedes
00:16:44: Video angeschaut.
00:16:45: Mir sind die Tränen rausgekommen.
00:16:46: Es gab Frauen, die ihre
00:16:47: Lebensgeschichte erzählt haben.
00:16:48: Sie wollten schon immer studieren.
00:16:50: Das Leben kam dazwischen.
00:16:51: Kinder, Familie oder
00:16:54: Frauen, die auch teilweise 50 waren,
00:16:56: die gesagt haben, war nicht drin.
00:16:58: Wie auch immer, andere
00:16:59: Lebensumstände, andere Zeiten,
00:17:01: die sich ihren Traum noch
00:17:03: verwirklichen wollten.
00:17:05: Und ich glaube, das ist ein Teil für
00:17:07: alle die, die es im Berufsleben
00:17:09: sind und merken, ich komme nur so
00:17:11: weit, weiter brauche ich noch
00:17:13: was, sei es ein Master oder wie auch
00:17:14: immer. Das ist ein gutes Beispiel.
00:17:18: Und dann habe ich ganz jetzt aktuell
00:17:19: eine Studentin,
00:17:21: sie lebt das Leben quasi.
00:17:23: Die ist in Thailand, jetzt hat sie
00:17:25: mir geschrieben, wir müssen unser
00:17:26: Meeting verlegen, weil sie gerade in
00:17:27: Peru ist, arbeitet von
00:17:29: dort aus im Bereich Social Media,
00:17:32: also verdient ihr Geld, bereist die
00:17:33: Welt und studiert gleichzeitig.
00:17:35: Und ich finde das einfach, ich habe
00:17:37: sie getroffen live.
00:17:38: Das ist eine unglaublich gescheite
00:17:40: junge Frau, die weiß, wo sie im
00:17:42: Leben steht und erlebt viel mehr als
00:17:43: ich jemals mit, ich weiß
00:17:45: gar nicht, wie alt sie genau ist,
00:17:47: 23, 22, aber wie auch immer.
00:17:49: Das ist ganz andere Lebens- und
00:17:51: was sie, was sie für Erfahrungen mit
00:17:53: sich bringt.
00:17:54: Die einzige Schwierigkeit ist, dass
00:17:55: wir uns auf eine Zeit einigen, wo
00:17:57: wir die Prüfung jetzt ablegen
00:17:58: können. Aber ansonsten,
00:18:00: das ist so ein Beispiel, ja,
00:18:02: andere apart von diesen klassischen
00:18:05: und ich glaube, das ist das,
00:18:06: was diese Flexibilität dein Leben zu
00:18:08: gestalten, wie du gerade es
00:18:10: brauchst, ob es familiär, beruflich
00:18:12: oder wie auch Es gibt ja auch viele,
00:18:14: die irgendwie beruflich viel
00:18:15: verreisen müssen.
00:18:17: Oder auch Sportlerinnen haben wir
00:18:18: auch. Aber das sind so klassische
00:18:20: Beispiele.
00:18:21: Demgegenüber steht ja immer auch,
00:18:23: wer bekommt Zugang zu
00:18:25: privaten Bildungsangeboten?
00:18:28: Wen grenzen die vielleicht aus
00:18:30: und wie begegnet ihr diesem
00:18:32: Konflikt?
00:18:33: Ich glaube, ja, man hat noch diesen
00:18:34: angestaubten Gedanken,
00:18:36: dass private Hochschulen sehr elitär
00:18:39: sind und so sein
00:18:41: sollten.
00:18:42: Das ist bei uns definitiv nicht so,
00:18:44: sondern wir versuchen, jeden,
00:18:46: der quasi Wert auf Bildung legt und
00:18:48: das Gefühl hat, er muss dort noch
00:18:50: nachlegen, dies zu ermöglichen,
00:18:51: sei es, dass man unter gewissen
00:18:53: Umstände auch ohne Abitur
00:18:55: studieren kann oder dass
00:18:57: man Stipendien bekommt oder wenn
00:18:59: man sagt, ich krieg's aus
00:19:01: finanziellen Gründen gerade nicht
00:19:03: oder dass man quasi ein
00:19:04: Teilzeitstudium, also es gibt viele
00:19:06: Möglichkeiten und wir versuchen,
00:19:08: dass wir diesen elitären Gedanken,
00:19:10: wir wollen im Gegenteil Bildung
00:19:12: demokratisieren, gerade mit dieser
00:19:13: Möglichkeit quasi es passend für
00:19:15: dich zu machen, deswegen wollen
00:19:17: wir dem entschieden entgegentreten.
00:19:20: Und das macht ihr dann anhand von
00:19:23: Stipendien zum Beispiel auch?
00:19:25: Zum Beispiel, genau.
00:19:27: Ich kann es mir nicht vorstellen,
00:19:29: Finanzierungsmodelle vielleicht
00:19:31: verschiedener Art und solche
00:19:33: Geschichten?
00:19:34: Alles klar.
00:19:35: Für mich ist interessant, wie sich
00:19:36: bei euch das Genderverhältnis
00:19:38: abbildet, mich interessiert vor
00:19:40: allem, wie es zum Beispiel im
00:19:42: Vergleich der MINT-Fächer und
00:19:44: der Geisteswissenschaften bei euch
00:19:46: aussieht, weil das ja immer ein
00:19:47: Diskussionspunkt ist.
00:19:49: Wir haben zu wenig Frauen in MINT
00:19:51: und gleichzeitig haben wir so viel
00:19:52: mehr studierende Frauen auch
00:19:54: in den naturwissenschaftlichen
00:19:55: Fächern zum Beispiel.
00:19:57: Mich interessiert ein Blick hinter
00:19:59: eure Kulissen.
00:20:00: Wir haben das ganz große
00:20:02: Glück, und vor zwei Jahren haben
00:20:04: wir auch so eine Ringvorlesung
00:20:05: gemacht, auch viele
00:20:07: IT-Professorinnen zu haben.
00:20:09: Das fand ich eine Bereicherung,
00:20:11: denn diese Chancen haben nicht viele
00:20:12: Hochschulen, deswegen freut es mich
00:20:14: sehr.
00:20:15: Und wir hatten mal eine Reihe
00:20:16: gemacht, in der wir erklärt haben,
00:20:17: gerade mit den IT-Professorinnen,
00:20:20: was gibt es denn für Berufe im
00:20:21: Bereich IT, weil man stellt sich ja
00:20:22: immer nur vor, ich sitze zu Hause
00:20:24: und programmiere alleine,
00:20:27: einsam. Und das sind halt gerade
00:20:28: vielleicht nicht die Berufe, die
00:20:29: Frauen für sich suchen.
00:20:31: Ich glaube, da sind wir ganz gut
00:20:33: aufgestellt.
00:20:34: Wir haben sehr viele,
00:20:37: ungefähr 60 Prozent weibliche
00:20:39: Studentinnen querbeet
00:20:41: verteilt. Ich glaube wir
00:20:43: sind supergut aufgestellt, was die
00:20:45: weiblichen Führungskäfte anbetrifft.
00:20:46: Da bin ich superstolz drauf, 58
00:20:48: Prozent.
00:20:49: Und auch bei den Professorinnen, da
00:20:50: wir noch nicht bei 50-50, wir haben
00:20:52: 40 Prozent Professorinnen.
00:20:54: Aber auch das finde ich eigentlich
00:20:56: eine gute Zahl, wenn man sich
00:20:58: mit anderen anderen vergleicht,
00:21:00: ist noch Luft nach oben, da ist
00:21:01: immer Luft nach oben und das würden
00:21:02: wir auch gerne gerne hinkriegen,
00:21:05: aber ja, das ist der momentane
00:21:07: Stand, genau.
00:21:09: Ich habe jetzt wirklich vor ein paar
00:21:10: Tagen erst ein sehr interessantes
00:21:12: Gespräch mit der wunderbaren Janina
00:21:14: Kugel geführt und wir haben
00:21:15: so ein bisschen sinniert und uns
00:21:17: überlegt, dass gerade in Zeiten von
00:21:20: AI, KI,
00:21:22: Technologisierung vielleicht
00:21:24: die Geisteswissenschaften, die
00:21:25: Sozialwissenschaft mit kritischem
00:21:27: Denken, mit der Fähigkeit,
00:21:30: vernetzt zu denken, Vergleiche
00:21:33: zu erstellen und sowas, tatsächlich
00:21:34: wieder so viel wichtiger sein wird,
00:21:36: auch als Kontrollinstanz oder
00:21:38: als Parallele zu dem
00:21:40: technologischen, sehr kodierten
00:21:42: Denken, sehr technokratischen
00:21:44: Inhalten.
00:21:45: Genau, deswegen, ich bin immer gar
00:21:46: nicht sicher, ob diese Diskussion
00:21:48: noch lange so bleiben wird.
00:21:49: Wir brauchen viel mehr Frauen in IT,
00:21:52: sondern dass wir vor allem sehr
00:21:53: viele kritische, vernetzte
00:21:55: Denker:innen brauchen.
00:21:57: Und was die inhaltliche Grundlage
00:21:59: dafür ist, ist vielleicht am Ende
00:22:00: gar nicht mehr so wichtig.
00:22:01: Aber das ist Zukunftsmusik.
00:22:02: Nee, aber absolut.
00:22:04: Und deswegen finde ich halt, dass
00:22:05: ein Studium, egal welches Studium
00:22:07: eigentlich die Basis dafür ist, denn
00:22:08: das sollte eigentlich ein Studium
00:22:10: sein, kritisch sich mit etwas
00:22:12: auseinanderzusetzen.
00:22:13: Und deswegen müssen sich auch die
00:22:14: Prüfungsformen quasi ändern, denn
00:22:16: das willst du abfragen.
00:22:17: Du willst nicht abfragen, kann
00:22:19: er auswendig die Paragraphen, mir
00:22:21: fällt jetzt nichts besseres ein, ist
00:22:22: völlig irrelevant.
00:22:23: Irrelevant ist, wie man damit umgeht
00:22:25: und wie man sich das auseinander....
00:22:26: genau das brauchen wir auch.
00:22:28: Wenn wir uns die Wahlen anschauen
00:22:29: und so weiter, im Prinzip brauchen
00:22:30: wir eine kritisch denkende
00:22:31: Gesellschaft, die sich mit Fakten
00:22:33: auseinandersetzen kann und das
00:22:35: muss sowohl Schule als auch
00:22:37: Hochschule vermitteln.
00:22:38: Lass uns gern nochmal zu dir und
00:22:40: deiner beruflichen Reise
00:22:41: zurückkehren.
00:22:42: Du hast ja sehr viele Erfahrungen
00:22:44: gesammelt, von denen jetzt viele
00:22:45: auch junge Frauen und Zuhörer:innen
00:22:48: profitieren können.
00:22:49: Ich bemerke, dass sich viele junge
00:22:51: Menschen gerade sehr verunsichert
00:22:53: fühlen durch den Stellenabbau
00:22:55: und Einstellungsstopp.
00:22:56: Wie bist du mit solchen ähnlichen
00:22:59: oder anderen Zeiten der Unsicherheit
00:23:01: für dich umgegangen?
00:23:02: Ich glaube, da bin ich auch ein
00:23:03: bisschen eigen oder introvert.
00:23:05: Wie soll ich dir sagen?
00:23:06: Ich kapsle mich dann immer ab für
00:23:07: ein, zwei, drei Tage oder so.
00:23:09: Gehe mit dem Problem schwanger.
00:23:11: Und was mir dann immer hilft, ist,
00:23:12: einen Plan zu haben.
00:23:13: Ob der Plan dann so eintrifft, ist
00:23:15: eine andere Frage.
00:23:16: Und meistens trifft er nicht ein.
00:23:17: Aber in dem Moment, in dem ich sage,
00:23:18: wenn das passiert, dann mache ich A,
00:23:20: B oder C, habe ich zumindest das
00:23:22: subjektive Gefühl, ich habe es noch
00:23:23: irgendwie in eigener Hand und kann
00:23:25: daraufhin arbeiten und bin nicht
00:23:27: dem so ausgeliefert, was passiert.
00:23:29: Selten trifft der Plan one-to-one
00:23:32: so ein, weil Leben passiert, aber
00:23:33: zumindest hast du ein Ziel, hast du
00:23:35: eine Richtung und das hat mir dann
00:23:36: immer geholfen mich besser zu
00:23:37: fühlen.
00:23:38: Hilft mit Sicherheit nicht jedem,
00:23:40: aber das ist so ein bisschen hab
00:23:41: irgendwie eine Richtung oder oder
00:23:43: ein Ziel, worauf du hinarbeiten
00:23:46: willst, und das gibt vielleicht
00:23:47: ein bisschen Sicherheit, dass es so
00:23:49: eines Tages passieren wird.
00:23:50: Wie das passieren kann, da sind wir
00:23:51: ja immer unterschiedlich, also ein
00:23:53: Beispiel, ich wollte die
00:23:54: Doktorarbeit eben machen und dann
00:23:56: habe ich versucht, das an
00:23:57: verschiedenen Hochschulen,
00:23:58: Universitäten zu machen und habe mir
00:24:00: halt Plan B, also wenn es hier nicht
00:24:02: klappt und wenn Professor
00:24:03: Frankenberg mich damals nicht
00:24:04: genommen hätte, dann war ich schon
00:24:05: an der Uni Wien eingeschrieben.
00:24:08: Make it happen, aber das ist so ein
00:24:09: bisschen das, was hilft, hab einen
00:24:10: Plan A, einen Plan B und einen Plan
00:24:12: C, so dass du ein bisschen, das
00:24:13: Gefühl hast, du hast dein Leben in
00:24:14: Griff, auch wenn Leben dann einfach
00:24:16: passiert.
00:24:17: Ok, verstehe ich das richtig: Also
00:24:19: dein Ziel ist einige Schritte von
00:24:21: dir entfernt.
00:24:22: Also um den nächsten Schritt zu
00:24:23: planen, hast du die Vision, wo es
00:24:24: hingehen soll...
00:24:26: Genau und dann musst du dir halt
00:24:28: überlegen, was kann ich denn tun,
00:24:29: damit das passiert und
00:24:31: ein bisschen so ein Sicherheitsnetz
00:24:34: einbauen. Wenn das nicht klappt,
00:24:36: was kann dann dahin helfen?
00:24:38: Und jetzt hast du gerade, glaube ich,
00:24:39: das Wort "introvertiert" oder
00:24:40: "introspektiv" benutzt.
00:24:41: Heißt das, dass du dich dann eher
00:24:43: nicht an andere Menschen wendest?
00:24:45: Oder wenn du das tust, wer sind dann
00:24:47: diese Menschen?
00:24:48: Hast du Netzwerke, Mentoren,
00:24:50: Mentorinnen?
00:24:51: Ja, das ist, glaube ich, ein
00:24:53: Fehler oder etwas, woran ich
00:24:54: arbeiten muss. Ich wende mich in
00:24:56: allerletzter Minute an andere
00:24:58: Menschen. Aber allein aus dem
00:24:59: Gedanken, ich mag sie nicht stören.
00:25:01: Die müssen sich ja nicht mit meinem
00:25:02: Problem auseinandersetzen.
00:25:04: Seitdem ich meinen Mann habe, hat
00:25:06: sich das auch ein bisschen geändert.
00:25:07: Denn er ist ja verpflichtet, quasi
00:25:08: sich mit meinen Problemen
00:25:09: auseinanderzusetzen.
00:25:11: Nein, aber dann teilt man das
00:25:13: irgendwie anders.
00:25:14: Aber auch da, da habe ich schon halb
00:25:15: die Lösung, bevor ich hingehe.
00:25:17: Manchmal will ich einfach nur Mist
00:25:18: loswerden.
00:25:19: Das muss ja auch irgendwie
00:25:21: abschätzen: Wann will sie wirklich
00:25:22: eine Problemlösung und wann will sie
00:25:24: einfach nur drüber reden?
00:25:25: Und ich glaube, das ist aber was,
00:25:27: was viele Frauen vielleicht auch mit
00:25:28: sich tragen, sagen, ach ja, bevor
00:25:30: ich die anderen damit nerve, dann
00:25:32: versuche ich, damit alleine fertig
00:25:33: zu werden. In den seltensten Fällen
00:25:35: nervt man jemanden damit,
00:25:37: eigentlich.
00:25:38: Und die Leute wollen ja auch helfen.
00:25:40: Und insofern muss ich mir selbst,
00:25:42: mich selbst immer daran erinnern,
00:25:43: aber frag die anderen, fragt nach
00:25:44: Hilfe. Weil die meisten Leute wollen
00:25:46: ja helfen.
00:25:47: Es ist ja jetzt nicht so, dass man
00:25:48: nach einer Million Euro fragt,
00:25:50: sondern nur um Rat.
00:25:51: Du hast eingangs erwähnt, dass es
00:25:52: die Männer waren, die dich mehr
00:25:54: gefördert haben.
00:25:56: Hat sich das für dich jetzt
00:25:58: verändert, wo du vielleicht auch
00:25:59: mehr auf Augenhöhe mit anderen
00:26:01: Leuten in den Austausch gehst?
00:26:03: Oder bist du wirklich in deinem
00:26:05: Kreis immer noch die Frau, die
00:26:07: Frauen voranbringt?
00:26:09: Ich glaube, das ist auch dem
00:26:10: geschuldet, weil Männer einfach
00:26:11: diese Machtpositionen
00:26:13: halt haben. Und es tatsächlich wenig
00:26:15: Frauen gibt, die die Möglichkeit
00:26:17: dir geben können.
00:26:18: Es gibt durchaus auch Frauen, die
00:26:20: sagen, ich will bewusst Frauen
00:26:21: unterstützen und eine Chance
00:26:23: geben. Aber ich glaube,
00:26:25: es ist einfach die Realität, dass
00:26:27: die Männer in den meisten
00:26:28: Machtposition sind und deswegen sie
00:26:30: einfach den Weg bereiten können.
00:26:32: Ich glaube es kommt immer mehr nach.
00:26:34: Es gibt immer mehr Frauen, die in
00:26:36: C-Level-Positionen sind, aber
00:26:38: müssen ja nicht immer C-Level sein.
00:26:39: Das kann ja auch in der Abteilung
00:26:40: etc. Sein.
00:26:41: Und ja, ich hoffe, dass es sich, ich
00:26:43: hatte immer die Hoffnung, für meine
00:26:44: Mädchen wird das besser.
00:26:45: Let's see, weil vieles geht ja
00:26:47: wieder zurück, diese Entwicklung.
00:26:49: Wir werden sehen.
00:26:51: Von anderen Menschen...
00:26:52: Kannst du noch mal zusammenfassen,
00:26:54: was dich strukturell am allermeisten
00:26:56: unterstützt hat auf deiner Bahn?
00:26:58: Ich weiß nicht, ob du jemals mit
00:26:59: Quoten in Verbindung gekommen bist,
00:27:02: oder ob du immer Kinderbetreuung
00:27:04: von den Großeltern hattest, also
00:27:06: weil strukturell...
00:27:08: Auf keinen Fall, nein.
00:27:10: Ich glaube, das war eine gewisse
00:27:11: Naivität.
00:27:12: Das wird schon alles gut gehen.
00:27:14: Und es ging ja nicht anders.
00:27:16: Ich kann das, glaube ich, im
00:27:16: Vorgespräch erinnern, das ist,
00:27:18: glaube ich, ich überlege, meine
00:27:19: Tochter ist jetzt zehn geworden.
00:27:20: Das muss neun Jahre her sein, dass
00:27:22: ich auf der HerCareer war und einen
00:27:23: Vortrag gehalten habe und sie im Arm
00:27:25: mit dabei war und es immer noch
00:27:27: Frauen gab, also es waren Frauen
00:27:29: und keine Männer, die gesagt haben,
00:27:30: was muss sie denn ihr Baby denn
00:27:32: dabei haben?
00:27:32: Ist sie denn was Besonderes?
00:27:34: Nein, ich hatte nie, ich habe
00:27:35: gestillt alle drei Stunden.
00:27:36: Wo soll ich das Kind lassen?
00:27:38: Ich glaube, das war die Naivität, es
00:27:40: geht nur so und es muss irgendwie
00:27:42: gehen. Es war nicht leicht.
00:27:44: Und dieser Gedanke,
00:27:46: you can have it all.
00:27:47: Ja, du kannst es haben,
00:27:49: aber zu einem Preis kommt es ja
00:27:50: doch. Und der Preis ist, dass
00:27:52: du abends nicht mehr kannst oder
00:27:54: dass irgendwas, irgendwas fällt
00:27:56: dabei runter, bis du selbst bist und
00:27:58: kein Sport, kein was weiß ich,
00:28:01: Self-Care, ich rede gar nicht von
00:28:03: Work-Life-Balance, es ist halt
00:28:04: einfach anstrengend.
00:28:05: Aber ich glaube, eine gewisse
00:28:06: Sturheit braucht man auch,
00:28:08: so wie bei mir. Also es geht einfach
00:28:10: nur so und ich will es machen und es
00:28:12: funktioniert und es muss halt
00:28:13: einfach funktionieren.
00:28:14: Und dann bin ich halt gereist mit
00:28:16: Kind auch, und dann
00:28:18: war das einfach so extrem
00:28:20: anstrengend. Aber wir haben es
00:28:21: hingekriegt.
00:28:22: Nichtsdestotrotz braucht man einen
00:28:24: Arbeitgeber, der auch diese
00:28:25: Flexibilität, und das waren meine
00:28:27: letzten zwei, dass ich gesagt
00:28:29: habe, ich komme zum Meeting, aber
00:28:30: mit dem Kind. Und dann habe ich ein
00:28:32: größeres Zimmer bekommen, wo ich
00:28:33: meine zwei Kinder mitnehmen konnte.
00:28:35: Ein anderes Verständnis, das war
00:28:36: beim vorherigen
00:28:38: Arbeitgeber, spanisch, da war es
00:28:40: selbstverständlich.
00:28:41: Bei dem jetzigen Arbeitgeber aber
00:28:42: genauso, ja.
00:28:43: Das gehört einfach mit dazu, dass es
00:28:45: Leute gibt, die sagen, ja klar,
00:28:48: Kinder sind kein Handicap, sondern
00:28:49: we make it happen.
00:28:50: Und die haben selber Kinder.
00:28:51: Und ich glaube, diese Flexibilität
00:28:53: muss ein Arbeitgeger leider heute
00:28:54: mitbringen. Und es geht gar nicht
00:28:56: nur um Frauen.
00:28:57: Weil ganz ehrlich, auch Männer
00:28:58: wollen Teil sein, ja,
00:29:00: und wollen mitkriegen und wollen was
00:29:02: mit den Kindern in Anführungsstrichen
00:29:03: "zu tun haben".
00:29:04: Das heißt, diese Flexibilisierung,
00:29:05: auch das tendiert wieder
00:29:06: zurückzugehen, ist glaube ich aber
00:29:08: für alle wichtig.
00:29:09: Dass wir ein nettes Miteinander
00:29:11: quasi haben und uns nicht, ja,
00:29:13: einfach abstressen, würde
00:29:15: ich sagen. Aber es wird immer noch
00:29:16: als weak angesehen und als
00:29:18: "ich hab's nur schaffen können,
00:29:20: weil mein Arbeitgeber so flexibel
00:29:21: war".
00:29:23: Wenn wir jetzt ein bisschen
00:29:24: appellativ denken,
00:29:26: dann ist natürlich die Frage immer
00:29:28: laut oder der Wunsch immer laut an
00:29:30: Arbeitgebende, die Familien
00:29:32: und aber auch Pflege für ältere
00:29:33: Leute einfach mitdenken.
00:29:35: Wir reden da ganz groß strukturell
00:29:37: drüber.
00:29:38: Wenn du jetzt, sagen wir, einer
00:29:39: jungen Frau, einer Jungen Dozentin,
00:29:42: Professorin, Managerin nahelegen
00:29:44: würdest, das zu kommunizieren,
00:29:46: das einzufordern, würdest du sagen,
00:29:48: ja, man muss mit einer
00:29:49: Selbstverständlichkeit da rangehen
00:29:50: und sagen, ich weiß, dass ich da
00:29:52: sein soll, ich kann aber nur mit
00:29:54: Kind, deswegen komme ich mit Kind,
00:29:55: Punkt, mehr als in
00:29:57: einer Bittstellerinnen-Position
00:29:59: zu sein?
00:30:01: Ich will jetzt nichts raten, wo dann
00:30:02: die Leute sagen, die haben Ärger
00:30:03: bekommen, weil ich das gesagt habe.
00:30:05: Aber es kommt natürlich darauf an,
00:30:07: wie der Arbeitgeber dazu steht.
00:30:09: Aber ja, ich glaube, man sollte
00:30:10: deutlich machen, meine Arbeit mache
00:30:12: ich 100 Prozent, ob es um 12 Uhr
00:30:14: nachts ist, wenn das Kind schläft
00:30:15: und ich dann die Ruhe habe und am
00:30:17: besten nachdenken kann oder um
00:30:19: 7 Uhr morgens.
00:30:20: Wichtig ist, dass das gemacht wird
00:30:22: und dass es gut gemacht wird.
00:30:23: Und ich glaube das muss man
00:30:24: irgendwie versuchen rüberzubringen
00:30:26: und zu sagen, gibt mir eine Chance
00:30:27: zu zeigen, dass ich das hinkriege
00:30:29: mit oder ohne Kind.
00:30:30: Ich habe eigentlich diese
00:30:31: Erfahrung gemacht, dass gerade
00:30:33: Mütter, man
00:30:35: sich auf die blind verlassen kann.
00:30:38: Also muss ich sagen, wenn sie sagen,
00:30:39: es wird gemacht und bis heute um
00:30:40: zwölf, es ist gemacht bis
00:30:42: heute. Wie sie das hinkriegen, weiß
00:30:44: nur der Himmel und insofern, ich
00:30:46: glaube schon, dass man sich
00:30:47: hinstellt und sagt, ich bringe
00:30:49: das, ich mache das 100, 200 Prozent,
00:30:51: aber I do it my way.
00:30:53: Und ich glaube, wenn der Arbeitgeber
00:30:54: die schätzt und dann weiß auch,
00:30:56: dass die Arbeit hundertprozentig
00:30:57: ist, dann sind doch alle zufrieden.
00:30:59: Und dann musst du nicht wie früher
00:31:01: quasi noch die Jacke
00:31:03: im Büro liegen lassen um ein
00:31:05: Uhr nachts und das Licht an, damit
00:31:07: du simulierst, dass du immer noch im
00:31:08: Büro bist.
00:31:09: Ich frage mich, wenn ich
00:31:11: dich so reden höre, was
00:31:13: du jüngeren beruflichen
00:31:15: Frauen mit Familienwunsch, oder die
00:31:17: vielleicht schon mitten in der
00:31:18: Familie stecken, raten würdest,
00:31:20: wie sie mit diesem Leistungsbegriff
00:31:22: umgehen. Weil du hast gerade sehr
00:31:24: viel 100 Prozent und
00:31:26: wir machen das alles und wir machen
00:31:27: das super gemacht, und Fakt
00:31:29: ist ja, dass du als
00:31:31: junge Mutter 190%
00:31:33: gegeben hast.
00:31:35: Gemessen wird da nicht immer mit der
00:31:36: gleichen Messlatte, weil der Vater
00:31:38: ist ja Vater, weil er Geld nach
00:31:39: Hause bringt. Ich spreche jetzt sehr
00:31:41: verkürzt und sehr tradiert.
00:31:42: Und die Mutter ist aber ja nur eine
00:31:44: Mutter, wenn sie beim Kind anwesend
00:31:46: ist. Und wenn sie eine arbeitende
00:31:47: Mutter ist, dann kann sie
00:31:49: nur verlieren.
00:31:50: Das heißt, würdest du heute mit
00:31:52: einem anderen Leistungsbegriff
00:31:53: in diese Arbeitssituationen
00:31:55: gehen und sagen, im Job
00:31:57: 85 Prozent zu geben?
00:31:59: Man kann es eigentlich nicht
00:32:00: beziffern, aber du verstehst, was
00:32:01: ich meine.
00:32:02: Du meinst, dass wir dann sowieso
00:32:04: automatisch und immer mehr leisten,
00:32:06: als die Baseline wird.
00:32:08: Die Baseline an einem Mann
00:32:10: gemessen... Und das stimmt auch,
00:32:12: weil die Arbeitsleistung ist die
00:32:14: eine, aber im Hintergrund sind die
00:32:15: ja noch organisatorisch, also das
00:32:17: ist ja, diesen Mental Workload,
00:32:19: der hört ja nicht auf und den hast
00:32:21: und eigentlich geht's dir bei
00:32:23: der Arbeit, wenn du physisch bei der
00:32:24: Arbeit anwesend bist, ja besser,
00:32:26: weil du wenigstens ein bisschen
00:32:27: abschalten kannst.
00:32:28: Ich glaube, was man am besten
00:32:30: raten kann, ist, auf sich selbst zu
00:32:32: hören, und wann ist das zu viel.
00:32:34: Weil wir tendieren, also bei mir war
00:32:36: das so, ich zieh das jetzt durch,
00:32:37: ich ziel das jetzt durch und du
00:32:39: merkst zu spät, dass das zu
00:32:41: viel war. Und deswegen kann man
00:32:42: einfach nur raten, hört auf euch,
00:32:44: ist es denn wert?
00:32:45: Weil manchmal ist es, manchmal sagt
00:32:46: man dann, ja, was auch immer, das
00:32:48: ist mein Ziel, bis dahin zieh ich
00:32:50: durch und dann seh ich weiter.
00:32:51: Kann ja auch eine bewusste
00:32:52: Entscheidung sein, ja.
00:32:54: Aber die Entscheidung muss bewusst
00:32:55: getroffen werden, das wäre, glaub
00:32:57: ich, mein Rat. Was traut ihr euch
00:32:59: zu und warum?
00:33:00: Und wenn ihr dann die Entscheidung
00:33:01: bewusst trefft, dann ist alles
00:33:02: super. Dann kann ja die Entscheidung
00:33:03: lauten, ich bleib zu Hause, und bis
00:33:05: das Kind keine Ahnung, was weiß ich,
00:33:07: sechs oder whatever.
00:33:08: Oder ich mach... Jedes Modell ist ja
00:33:10: denkbar.
00:33:10: Aber trefft die Entscheidung bewusst
00:33:12: und vergisst euch dabei nicht, ja,
00:33:14: weil später, was heißt sie bereuen?
00:33:16: Bereuen wird man sowieso immer
00:33:17: alles. Ja, man denkt ja immer,
00:33:18: Mensch, am besten versuchen,
00:33:21: irgendwie eine Entscheidung bewusst
00:33:22: zu treffen und dann wird es klappen.
00:33:24: Gibt es einen Ratschlag, den du
00:33:26: immer wieder weitergibst?
00:33:29: Wartet nicht darauf, gesehen zu
00:33:30: werden.
00:33:31: Nur ein Beispiel, wenn ihr das Ziel
00:33:33: habt, jetzt zum Beispiel auf einer
00:33:34: Bühne zu stehen, wenn ihr euch schon
00:33:36: immer vorgestellt habt, ich möchte
00:33:37: gerne reden und einen
00:33:39: Vortrag halten und das im Job quasi
00:33:41: möglich ist, geht hin und bringt
00:33:43: euch ins Gespräch oder sagt eurem
00:33:45: Chef, vielleicht nicht heute,
00:33:47: vielleicht nicht morgen.
00:33:48: Aber mein ultimativer Goal ist,
00:33:50: whatever, CEO zu werden oder
00:33:51: Geschäftsführer und dann fragen:
00:33:53: Was kann ich tun, um da hinzukommen?
00:33:55: Man soll sich halt eben nicht darauf
00:33:56: verlassen, dass der andere weiß, wo
00:33:57: man selber hin will.
00:33:59: Oft wissen sie das gar nicht, oft
00:34:00: fragen sie das gar nicht.
00:34:01: Man ist ja so mit sich selbst
00:34:02: beschäftigt, dass man, klar,
00:34:04: ein Top-Chef würde das fragen, aber
00:34:06: warum warten?
00:34:07: Warum warten?
00:34:08: Einfach sagen, mein Ziel ist,
00:34:10: klar, vielleicht bin ich heute noch
00:34:11: nicht so weit, um am Tisch zu
00:34:13: sitzen, aber ich würde gerne
00:34:14: übermorgen, was kann ich tun?
00:34:15: Und damit bringt man sich ja selber
00:34:17: ins Gespräch, und wenn man..
00:34:18: Und dann, im besten Fall wird man
00:34:20: dann zu den Meetings mitgenommen.
00:34:21: Im besten Fall wird man dann
00:34:23: gelassen. Dann machst du doch heute
00:34:24: die Präsentation.
00:34:24: Ich muss ja nicht mehr glänzen.
00:34:25: Ich bin ja quasi schon...
00:34:26: Aber das wird nicht passieren, wenn
00:34:28: man nicht sagt, was man will.
00:34:29: Das erfordert aber dann natürlich
00:34:30: auch, dass wir uns damit auseinandersetzen.
00:34:32: Wo wollen wir im Endeffekt hin?
00:34:33: Und was ist so mein Ziel für die
00:34:35: nächsten zwei, drei Jahre?
00:34:36: Auch das ist manchmal schwierig,
00:34:37: aber das wäre so mein Rat.
00:34:39: Seid euer größter Fan und
00:34:41: sagt, wo ihr hin wollt.
00:34:42: Und dann finden sich Menschen, die
00:34:43: euch da hin helfen.
00:34:45: Ich danke dir ganz herzlich für
00:34:47: deinen Input, auch deine Offenheit.
00:34:48: Vielen Dank, dass du da warst.
00:34:50: Danke dir, es hat super Spaß
00:34:51: gemacht.
00:35:06: Danke, dass du dabei warst.
00:35:08: Wenn dir die Folge gefallen hat,
00:35:09: schenk uns ein Like und empfehle uns
00:35:11: weiter. Oder noch besser, abonniere
00:35:13: gleich den Podcast.
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