Ostdeutsche Gen Z. Über Hoffnung und den Mut, zurückzukehren

Shownotes

35 Jahre Deutsche Einheit – und trotzdem fühlt sich ein Drittel Deutschlands noch immer wie ein blinder Fleck. Nora Zabel, 29 Jahre alt, aufgewachsen in Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern, politisch seit dem 14. Lebensjahr, aktives CDU-Mitglied.

„Wir brauchen nicht mehr Verständnis für den Osten – wir brauchen Sichtbarkeit, Netzwerke und den Mut, zurückzukehren."

Zabel erzählt aus ihrer Jugend und dem Studium: Wie es sich anfühlt, wenn man erst in Heidelberg merkt, dass man „Ostdeutsche" ist. Wenn westdeutsche Kommiliton:innen fragen, was mit der Jugend im Osten nicht stimmt. Wenn man beim Fußball im Heimatdorf die Bundespolitik erklärt – und dabei zwischen allen Stühlen sitzt.

Diese Live-Folge ist ein ehrlicher, manchmal unbequemer Blick auf eine Generation, die zwischen zwei Welten aufgewachsen ist – und die jetzt mitentscheidet, was aus diesem Land wird.

Nora Zabel erzählt:

  • Wie ein Drachenbootrennen in Mecklenburg sie in die CDU gebracht hat (ja, wirklich)
  • Was ostdeutsche Gen-Z-Frauen mit Kindern aus Einwandererfamilien gemeinsam haben – und wo die Unterschiede liegen
  • Warum das viral gegangene Sylt-Video bei ihr ein „Es reicht"-Gefühl ausgelöst hat
  • Wie sie mit Verwandten umgeht, die AfD wählen – ohne den Kontakt abzubrechen

Wie könnte es besser werden?

Nora Zabel sieht konkrete Ansatzpunkte:

1. Mentoring und ostdeutsche Netzwerke aufbauen

Menschen, die aus dem Osten kommen, haben oft Eltern, die ihnen nicht erklären können, wie Studienfinanzierung, Bewerbungsgespräche oder Karrierenetzwerke funktionieren. Initiativen wie ArbeiterKind.de zeigen, dass Peer-to-Peer-Unterstützung erfolgreich ist. Nora wünscht sich deshalb gezielt Stiftungen und Räume für ostdeutsche Studierende und Berufseinsteiger:innen – Orte, an denen Erfahrungen weitergegeben werden, die sonst fehlen.

2. Bürgerräte als demokratisches Übungsfeld

Für Menschen, die nur wenige positive Erfahrungen mit Demokratie gemacht haben, sind niedrigschwellige Formate wichtig. Bürgerräte, in denen Menschen ausgelost werden, um gemeinsam über konkrete lokale Themen nachzudenken, sind kein Ersatz für den Parlamentarismus, aber ein wirkungsvolles Trainingsfeld. Das Erleben, dass die eigene Meinung zählt und etwas bewegt, ist der erste Schritt, um aus politischer Apathie herauszukommen.

3. Rückkehr in den Osten – als bewusste Entscheidung

Was wäre, wenn diejenigen, die weggegangen sind, zurückkämen – mit neuen Netzwerken, Perspektiven und dem Wissen, wie man eine Zivilgesellschaft aufbaut? Nora ist überzeugt, dass diese „Zerrissenen” genau die Brückenbauer sind, die der Osten braucht.

Weiterführende Infos und Links:

Nora Zabel: „Vereint in Zerrissenheit. Die ostdeutsche Generation Z zwischen zwei Welten" (Droemer Knaur, 2025)

Interview mit Nora: „Ich suche aktiv nach Frauen, mit denen ich Allianzen bilden kann, damit wir gemeinsam andere – auch aus dem Osten – nachziehen können.”

Alexander Prinz: „Oststolz" (Droemer Knaur, 2025) – YouTuber „Der Dunkle Parabelritter" über Aufwachsen im ländlichen Sachsen-Anhalt und ein neues Selbstverständnis für den Osten

Ilko-Sascha Kowalczuk: „Freiheitsschock. Eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute" (C.H. Beck, 2024) – Der renommierte DDR-Historiker, den Nora Zabel als Vergleichslektüre empfehlt → chbeck.de

Serap Güler (CDU) – Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Bundestagsabgeordnete für Köln

Alexander Prinz – YouTuber „Der Dunkle Parabelritter", Sachsen-Anhalt, Buchautor „Oststolz"

ArbeiterKind.de – Deutschlands größte gemeinnützige Organisation für Studierende der ersten Generation; Netzwerk, Mentoring, kostenlose Beratung

Das Sylt-Video (2024) – Hintergrund zu den rechten Parolen auf der Partynacht auf Sylt, die Nora Zabel geteilt und viral gemacht hat

Über herCAREER Voice

Der Podcast herCAREER Voice liefert wertvolle Einblicke in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, immer verknüpft mit persönlichen Erfahrungen und vor allem aus weiblicher Perspektive. Wechselnde Moderator:innen und Gäst:innen aus unterschiedlichen Unternehmen, Redaktionen und Arbeitsumfeldern bieten vielseitige und praxisnahe Erfahrungswerte für die Hörer:innen. https://www.her-career.com/podcastherCAREER ist die führende Plattform für die weibliche Karriere. Hier erwartet dich ein einzigartiges Netzwerk mit individuellen Job-Chancen und jede Menge inspirierender Content wie Podcasts, Vorträge und Panels live auf herCAREER Expo oder online im Rahmen unserer herCAREER Academy. Wir heißen alle Menschen willkommen – im Besonderen Frauen, denen wir die Chance geben, von diesem besonderen Möglichkeitsraum zu profitieren. https://www.her-career.com

Dieses Gespräch wurde im Rahmen der herCAREER Expo 2025 aufgezeichnet und als Podcast aufbereitet. Mehr über die herCAREER Expo unter www.her-career.com/expo

Projektleitung: Natascha Hoffner Redaktion: Kristina Appel Produktion: Bernhard Hiergeist

Transkript anzeigen

00:00:00: Erst mal muss man sagen, dass es immer noch in Deutschland eine Norm gibt und das ist halt die westdeutsche Norm.

00:00:05: Und wir sind halt diejenigen, die sich da irgendwann anpassen müssen.

00:00:09: Es gibt halt auch sehr viele, die halt auch eben sagen Nein!

00:00:11: Das ist doch alles schon gleichberechtigt, es gibt die gleichen Sharks.

00:00:14: Damit vernachlässigt man halt, dass das noch sehr viel aufzuholen ist.

00:00:18: Wenn man nicht für Sichtbarkeit sorgt wird sich das noch Generationen weiter tragen.

00:00:22: Wir sitzen mit den zwanzig Jahren vielleicht

00:00:24: mal hier.

00:00:37: Du interessierst dich für aktuelle Diskurse aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft – und das insbesondere aus einer weiblichen Perspektive?

00:00:45: Vielleicht wünschst du dir persönliche Einblicke in den Arbeitsalltag von Menschen und Unternehmen die sich dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel stellen.

00:00:53: Dann bist du hier genau richtig!

00:00:58: Was wäre wenn diejenigen, die den Osten verlassen haben zurückkämmen mit neuen Netzwerken, Perspektiven und dem Wissen wie man eine gleichberechtigte, aktive Zivilgesellschaft

00:01:08: aufbaut?!

00:01:09: Die CDU-Politikerin und Autoren Nora Zabel ist überzeugt, dass genau diese Menschen die Brücken bauen werden, die der Osten braucht.

00:01:17: In dieser Live-Folge erzählt sie von ihrer Jugend im Osten dem Studium im Westen und der Zerrissenheit, die damit einhergeht – und sie formuliert klare Wünsche an ihre eigene Generation.

00:01:36: Hallo zusammen!

00:01:37: Ich bin Syden Feist und ich sitze hier mit Nora Zabel Und freue mich ganz besonders darauf, dass wir über die Ostdeutsche Gen Zee sprechen.

00:01:49: Weil... ...fünf-dreißig Jahre deutsche Einheit!

00:01:51: Wir sind gerade in diesem Monat, in dieser Phase und da ist es ein toller Auftakt.

00:01:57: Ich sage ein paar Sätze zu dir, Nora.

00:01:58: Genau Du bist neunzwanzig und schon länger als dein halbes Leben in der Politik.

00:02:05: Also alle, die immer überlegen fangt an in Mecklenburg-Vorpommern zur Welt gekommen, in einer Kleinstadt namens Hagenow und mit vierzehn in die CDU eingetreten.

00:02:18: Du hast den Schwerin dann in der Landtagsfraktion gearbeitet und bist heute wissenschaftliche Mitarbeiterin von Sirap Güler, die CDU Staatsministerin im Auswärtigen Amt ist.

00:02:30: Studierst du auf?

00:02:32: Und zwar im Westen?

00:02:33: Du hast den Master in Heidelberg, in Philosophie und Politikwissenschaften gemacht.

00:02:39: Und außerdem schreibst du Gastkommentare zum ganzen Spektrum an Publikationen was ich sehr spannend finde denn da geht es von der Zeit bis zu Zizero die eine Spur konservativer sind und dann aber auch für die Tats.

00:02:55: Also jemand die breit denkt pünktlich zur thirty Jahre deutsche Einheit ist dein Buch erschienen Dein erstes Vereint in Zerrissenheit, die ostdeutsche Generation Z zwischen zwei Welten.

00:03:09: Herzlich Willkommen Nora!

00:03:10: Ja

00:03:10: ich freue mich hier zu sein.

00:03:12: Wer gerne.

00:03:13: Es bleibt mal fragen... Ich sehe schon, ihr sitzt nicht nur die Gen-Zi sondern wir sind generationenübergreisend.

00:03:19: wer von euch ist denn ausm Osten?

00:03:21: Ah sehr gut schön dass so viele von euch ja halt auch präsentiert sind.

00:03:27: das haben wir uns nämlich im Vorfeld gefragt was das für ein Mix im Publikum wird.

00:03:31: Ja, thirty-fünf Jahre deutsche Einheit.

00:03:33: Trotzdem werden sich gerade in diesem Jahr – weil es im Freitag war der dritte Oktober – die meisten in Deutschland über ein langes Wochenende gefreut haben.

00:03:43: Was bedeutet dir dieser Tag?

00:03:46: Na, also für mich ist es natürlich der höchste Tag.

00:03:49: einer ausdeutschen muss man ganz klar zu sagen.

00:03:51: Dieses Jahr war ich allerdings zu Hause und habe mir den Tag der deutschen Einheit im Fernsehen angeschaut.

00:03:57: Ich habe mir die Feier in Saarland angeschauen und hab das ganz brav mitverfolgt und hat mich das ein oder andere Mal geägert auch unter anderem weil es keinen ausdeutlichen Redner gab.

00:04:05: Das ist eigentlich verrückt, ne?

00:04:08: Komplett verrückt ja!

00:04:10: Angela Merkel hat jetzt zumindest angemerkt, sie hätte auch jemand von Osteuropäischer Seite sich gewünscht.

00:04:17: Aber es hat seit Jahren eigentlich gar keine Gastredner gegeben und weil zu Saarland war, war der Macron da.

00:04:22: Ich glaube das größte Problem dabei ist halt dass ich Ostdeutsche deswegen diesen Tag nicht anschauen, weil die sind halt wieder die Bestes unter sich.

00:04:30: Warum sollen wir das uns anschauen?

00:04:32: Wie ging's dir trotzdem mit dem Programm?

00:04:35: Gab's irgendwas was dich abgeholt hat, was dich geärgert hat?

00:04:38: Na, also ich finde es erst mal schön dass dieser Tag gefeiert wird.

00:04:41: Dass das auch in der Öffentlichkeit gefeuert wird und dass es auch sehr viele Leute gibt die dort zuhören.

00:04:47: Das ist ja nicht bei allen Feiertagen so Ja aber nichtsdestotrotz war's am Ende des Tages auch ein freier Tag Und ähm...ja Ich glaube da muss man in Zukunft auch darüber nachdenken wie man auch gerade junge Leute animiert um sich daran zu beteiligen weil dann wenn es so bleibt Dann wird das ein bisschen im Sand verlaufen was ich eigentlich ganz schade finde und ich glaube dass es dann auch immer weniger Leute erreichen wird.

00:05:08: Und Junge waren auch nicht so viel repräsentiert, ne?

00:05:11: Da könnte auch noch was passieren.

00:05:12: Betrifft die ganze Politik ja tatsächlich!

00:05:14: Junge, Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte, all das...

00:05:19: Waren gerade schon mal wie bist du drauf gekommen mit vierzehn wo man sich ja für so viele Sachen interessieren kann dass Moppet Simpsons Fußball bei dir?

00:05:27: Wie bist du in die Politik gekommen?

00:05:28: Also damals war es ein Mikroboc-Poppermann noch so dass die CDU mehr oder weniger präsent war also auch die SPD.

00:05:34: Das waren so die beiden Volksparteien, die rausgegangen sind.

00:05:37: Die Stände gemacht haben und da gab es auch immer ein Drachenbootrennen.

00:05:40: Und da wurde ich von Freunden angesprochen, möchtest du nicht für die Jungunion mitfahren?

00:05:44: Da dachte ich alle meine Freunde fahren mit, warum nicht!

00:05:47: Dann hat man hinten drauf noch CDU.

00:05:50: drauf stehen ist ja auch was ganz Sinnvolles gerade weil die Eltern zu Hause auch eher immer so... Politik verdrossen waren, dann hat man gedacht oh Mensch jetzt engagiert man sich ja wirklich und Man kann den Eltern noch so ein bisschen was beweisen.

00:06:01: und Ja Dann kam eins zum anderen.

00:06:03: Und man hat sich dann auch immer mehr dafür interessiert und dann ist es ja auch So dass Angela Merkel aus meinem landesverband kam.

00:06:09: dann hatte man Auch eine figure mit der man sich irgendwie identifizieren konnte die bundeskanzlerin bei uns in unserem unwichtigen Land.

00:06:15: das war einmal schon so ein großes ding und Dann ist man irgendwann ja dabei geblieben.

00:06:20: Ich habe mich gefragt, wenn es sonst auf dem Drachenboot hinten SPD gestanden hätte und es wären die Freunde gewesen, hätte das genauso passen oder passieren können?

00:06:29: Das hätte komplett genau so passieren können.

00:06:31: Weil ich war schon immer an Politik interessiert und für mich war's klar, wenn ich in eine Partei gehe dann in eine Mittepartei Und da war es halt die CDU und ich bin im Nachgang auch nicht wirklich traurig darüber.

00:06:45: Aber es war nicht so, dass du aus einem christlichste Beckenhaushalt kommst und dich das C besonders angesprochen hat.

00:06:51: Nee gar nicht!

00:06:52: Also ich meine bei uns in Ostdeutschland ist die Religion ja sowieso nicht soweit verbreitet würde ich meinen und daher war's jetzt keine Entscheidung aus dem Glauben heraus.

00:07:01: Wobei man sich dann im Laufe der Jahre mehr damit beschäftigt hat was bedeutet eigentlich der Christliche Glaube?

00:07:05: insofern gab es da schon eine neue Gehe darauf auf Leute die halt wirklich auch aus dem glauben heraus darin sind.

00:07:13: Wenn ich dein Buch richtig gelesen habe, dann gibt es bei dir ja doch zumindest den Glauben mit Gemeinschaft was verändern zu können.

00:07:19: Ja

00:07:20: voll voll!

00:07:20: Also ich muss auch sagen in der Partei hab' ich das öfteren Gefühl gehabt dass man auch Sinnstiften kann und dass man eben auch gemeinsam etwas bewegen kann und mitgestalten kann.

00:07:29: Jahrgang, nineteenhundertsechsundneinzig Ich bin Jahrgang sechzechsundsechzig also fast schon Boomer Und Jenny Du bist sieben Jahre nach dem Mauerfall zur Welt gekommen.

00:07:41: Was glaubst du, hat die Ost-Generation Z ganz anders erlebt als Gleicheitrige im Westen?

00:07:48: Also erst einmal merkt man das etwas anderes ist.

00:07:52: Weil man überhaupt erstmal den Osten verlässt und mal so das Beispiel zu geben.

00:07:59: Ich glaube fast hundert Prozent der Ostdeutschen waren schonmal im Westem aber ich glaube nur ein kleiner Bruchteil der Westdeutsche war schon mal im Osten.

00:08:06: also wir müssen uns im Laufe unseres Jahres eigentlich damit beschäftigen was es heißt weg zu gehen oder weggehen zu müssen.

00:08:13: Und dann merkt man halt, dass es gewisse Unterschiede gibt also gerade im Know-how sei es wie man sich das Studium finanziert oder sei es jemand auf bestimmte Karrierewege kommt welche Orientierung man da überhaupt hat.

00:08:26: und ich glaube westdeutsche Gleichaltrige können einfach auf andere Netzwerke zurückgreifen die der schon seit Jahrzehnten bestehen.

00:08:33: Du erzählst du ganz stark das Gesiel hast das deine Generation zwischen eurer Herkunft und westdeutschen Leitbildern pendelt.

00:08:43: Und ich habe diese westdeutchen Leidbilder so verinnerlicht, dass mir das Ganze auffallen würde.

00:08:50: Kannst du mal ein Beispiel geben was so ein Leitbild ist?

00:08:53: Und weshalb das Serissen halt weckt?

00:08:56: Ich glaube erstmal muss man sagen, dass es immer noch in Deutschland eine Norm gibt und das ist halt die Westdeutsche Norm Und wir sind halt diejenigen, die sich da irgendwann anpassen müssen so gesehen.

00:09:06: Weil wir haben trotzdem immer noch unsere kulturellen Eingehalten, sei es Simson fahren oder sei es irgendwie zu Hause mit Freunden irgendwie Pfeffi trinken.

00:09:15: und dann gibt's bei uns auch eine große Fußball-Vereinskultur.

00:09:19: Da vermischt sich allerdings leider öfter mal ein bisschen das Rechte mit dem Fußball.

00:09:24: Dann trifft man eben auf westdeutsche Gleichaltregeln oftmals zu sagen wow!

00:09:29: Das wirkt schon ein bisschen zurückgeblieben wenn die halt auf die AfD-Ergebnisse schauen und sich fragen, was ist mit den jungen Leuten im Osten los?

00:09:37: Dass die AfD wählen.

00:09:38: Da gibt es gewisse Konflikte, die auch manchmal nicht angesprochen werden weil man Angst hat dass man dann sich zu sehr streitet oder so.

00:09:45: ja wie gesagt es gibt halt so gewisse Eigenheiten, die man unter anderem wirklich sprechen möchte.

00:09:52: Was meinst du mit zurückgeblieben?

00:09:54: das die... So sagen ihr seid ja Landeier oder in welche Richtung geht das?

00:09:59: Landeir,

00:09:59: ja und in der Öffentlichkeit ist es auch so dass die ausdeutschen teilweise immer noch als das sind die die nie die Demokratie gelernt haben deformiert werden.

00:10:08: Oder das sind sie die sich immer beschweren.

00:10:10: Das sind die halt AfD wählen.

00:10:12: und ich meine das mein ich mit diesen unterschwelligen Bemerkungen manchmal

00:10:18: Du hast ja... Die ziele junge Frauen den Osten verlassen.

00:10:23: Wie alt warst du, als du zum Studium gegangen bist?

00:10:26: Also ich habe meinen Bachelor erst noch in Rostock gemacht und dann bin ich ins Berufsleben eingestiegen und bin dann nach Berlin gegangen.

00:10:33: Ich habe in der Parteizentrale der CDU gearbeitet und da ist mir das erste Mal aufgefallen Mensch hier gibt es ja eigentlich nicht so viele Ostdeutsche.

00:10:40: und woran kann das eigentlich liegen.

00:10:42: Zunächst weil ich hab einen Ostdeutchen gefunden und wir beide haben auch sofort connectet tatsächlich über unseren Humor Und da habe ich dann auch gemerkt, es fehlt Ostdeutschen in diesen Elitenräumen viel einfacher sich zu finden.

00:10:55: A, weil es halt weniger sind und B, weil man immer noch so diesen gleichen Erfahrungsraum teilt glaube ich.

00:11:00: Und genau da war das das erste Mal.

00:11:02: und dann bin ich ganz in den Westen nach Heidelberg gegangen und da war ein ganz anderes Klima.

00:11:06: also... Da fühlt man ganz andere Gespräche, man argumentiert anders und ja dann fragt man sich halt schon warum habe ich das eigentlich nicht mitbekommen was meine westdeutschen Kommilitonen mit bekommen haben.

00:11:19: Was meinst du mit?

00:11:21: Man führt andere Gespräse wie schlägt sich das nieder?

00:11:25: Erstmal hab' ich das Gefühl dass es bei uns zuhause in Ostdeutschland und dann auch auf dem Dorf... nicht diese politische Correctness gibt.

00:11:34: So, ich glaube das kann man auch relativ leicht nachvollziehen dass es in Heidelberg ein Raum ist wo die Leute sehr darauf achten sensibel ging über Minderheiten zu sein und so und das hat man im Osten halt leider nicht.

00:11:45: wenn wir dann abends durch die Bars gezogen sind in Heidlberg dann kam es auch öfter vor dass wir bei unserer Hausarbeiten geredet haben oder dass wir über Politik auch ganz anders gerede haben.

00:11:53: Wir haben Theorien herangezogen dann Pfeilbeispiele und Zuhause war es halt eher immer so dieses Stammtisch Geredet.

00:11:59: also das aber nur meine persönliche Sicht.

00:12:03: Ja gut, aber zu Hause hast du dich ja auch da nicht so im studentischen Milieu bewegt?

00:12:07: Muss ich jetzt deine ostdeutschen Freunde mal verteidigen?

00:12:12: Ja

00:12:12: in Rostock tatsächlich schon, da hab' ich ja mein Bachelor gemacht, aber da war es halt auch so dass das so krass polarisiert war.

00:12:17: Es gab auf der einen Seite die Antifa, die dann in der Innenstadt in Ronstock quasi ihre Zone hat und außerhalb alles war ein bisschen rechter.

00:12:24: also da gibt's halt diese Polarisierungen mehr.

00:12:28: Wenn wir jetzt einmal auf die jungen Männer im Osten gucken, die stehen ja fast unter Generalverdacht rechts zu sein.

00:12:36: Und als vergangenes Jahr das ausländerfeindliche Sylt-Video von feierenden überwiegend jungwestdeutschen Viral ging war es auch dir mit zu verdanken dass es viral gegangen ist.

00:12:48: Wie ist es dazu gekommen und warum war's wichtig?

00:12:52: Warst ihr wichtig das zu teilen?

00:12:54: Tatsächlich hat mir das eine Freundin geschickt von zu Hause, die es auf Twitter gesehen hat und da hatte sie ganz wenig Views.

00:13:01: Und dann hat sie geschickt Mensch trug doch mal!

00:13:03: Es wird immer gesagt der rechte Osten.

00:13:05: aber jetzt siehst du hier halt die reichen Westkinder im Ponies oder Ponys Club ich weiß nicht wie der Club heißt auf Sylt feiern und ja... Ich glaube nicht dass es nur der rechten Osten ist.

00:13:15: und dann meint ich Ja, das stimmt und dann habe ich's halt hochgestellt und hab auch gar nicht damit gerechnet dass es viral geht Aber für mich war es irgendwie einfach wichtig zu zeigen Dieses rechte Gedankengut hat sich mittlerweile in den letzten Jahren überall reingefressen.

00:13:27: Und klar, bei uns im Osten ist der Boden fruchtbarer auch einfach wegen der ganzen Erfahrungen die gemacht wurden aus dem Jahr neunundachtzig beziehungsweise das was danach nicht passiert wurde.

00:13:37: und daraufhin folgte die Enttäuschung.

00:13:39: aber ich glaube man kann es nicht mehr nur auf den Osten schieben.

00:13:43: wie gesagt es hat sich Mittlerweile in den Letztenjahren ins Speedgeschwindigkeit in die deutsche Gesellschaft in allen Schichten reingefressen.

00:13:50: War da so ein Zwiespalt zwischen einem Funken?

00:13:54: genug tun, das teilen zu können?

00:13:57: Dass du natürlich diese Verschiebung nach rechts mit Sorge betrachtest.

00:14:00: Ja also es war schon ein bisschen genug tun.

00:14:03: ja weil ich beschreibe auch immer diese Ungerechtigkeiten dass wir mit sehr viel weniger ins Leben starten und dann gibt es halt auf der anderen Seite Leute die es eigentlich besser wissen müssten wie ein gutes Elternhaus haben, die genug Ressourcen haben sich weiterzubilden Bücher zu lesen und eigentlich auch wissen dass man nicht ausländer rausruft.

00:14:19: Also ja war für mich einfach schrecklich.

00:14:23: Deswegen wollte ich es teilen.

00:14:24: Du hast das Stichwort gerade selber schon gebracht, Chancengerechtigkeit – dass die Chancen je nachdem ob man aus Ost oder West kommt auch fünfunddreißig Jahre nach der Einheit noch sehr unterschiedlich verteilt sind.

00:14:38: Wie könnte so eine Chancengerächtigkeit denn aussehen?

00:14:41: Was würdest du dir wünschen?

00:14:43: Ich würde mir wünschten, dass die Politik gezielt in junge Köpfe investiert, dass es mehr Förderangebote gibt, dass vielleicht so was wie Zielquoten gibt Also gerade auch ein Unternehmen, dass man schaut okay.

00:14:54: Man bevorteilt ostdeutsche Menschen damit sich auch langsam dieses Netzwerk aufaufbauen kann.

00:15:00: also wie gesagt wir hatten keine Orientierung Wir mussten uns einen Weg erst mal selber finden.

00:15:04: aber das wenn wir oben angekommen sind Das ist auch beispielsweise ich Leute wie Ich und andere Ostdeutscher dann noch schauen der kommt auch aus dem Osten Und den ziehen wir auch selber mit.

00:15:14: Aber es ist auch ein größeres Ostbewusstsein bei Westdeutschen gibt und damit die auch sagen Wie wir schauen darauf und wollen halt eben auch nicht, dass diese Unzufriedenheit sich fortsetzt.

00:15:23: Weil ich meine wenn man nicht für Sichtbarkeit sorgt wird es sich das noch Generation weiter drangelsitzen in den zwanzig Jahren vielleicht noch hier.

00:15:30: Du arbeitest bei Serap Gülern die im Nordrhein-Westfalen zur Welt gekommen ist?

00:15:36: Ist glaube ich fünfzehn Jahre älter als du?

00:15:39: Seraps Eltern sind aber selber auch aus der Türkei eingewandert.

00:15:43: was hast du das Gefühl ist nochmal anders mit für euch aus dem Ost?

00:15:48: als Kinder, die einen sogenannten Migrationshintergrund haben.

00:15:52: Ja also ich glaube das was anders ist, dass man uns den Migrations-Hintergrund nicht ansieht.

00:15:57: Also das ist ja beim Menschen mit dem Migrationssintergrund aus anderen Ländern eben anders so.

00:16:01: Das ist für uns natürlich gut!

00:16:03: Für diese Menschen es ist sehr viel härter.

00:16:05: aber auf der anderen Seite sieht man auch gar nicht, dass wir benachteiligt sind weil wir es halt einfach nicht sichtbar durch die Welt tragen.

00:16:10: und es gibt halt auch sehr viele, die halt auch eben sagen nein es ist doch alle schon gleichberechtigt, es gibt die gleichen Chancen.

00:16:17: Damit vernachlässigt man halt, dass es noch sehr viel aufzuholen ist.

00:16:21: Nochmal auch sehr abgültig zurückzukommen.

00:16:23: Ich glaube wir haben auch neben den Unterschieden haben wir auch sehr viele Gemeinsamkeiten und zwar dieses Vereintenszaristenheit.

00:16:30: also ich glaube jeder der aus einem anderen Region oder aus einer anderen Region kommt und sich erst mal etablieren muss er hat immer dieses Stück Heimat in sich drin.

00:16:40: Aber auch immer dieses Gefühl, ich muss mich anpassen und voranzukommen.

00:16:44: Ich glaube deswegen haben wir uns ein Stück weit gefunden.

00:16:48: Ein Teil der Ostgeneration Z, die jetzt mit Ausbildung und Studium durch ist und dafür auch im Westen waren, kehrt jetzt zurück in die alte Heimat.

00:16:58: Also mein Bonussohn hat im Osten studiert.

00:17:01: von daher kenne ich da das selber aus dem Westen aber kenne Oh, die siedeln sich jetzt an und sind da aufs Land gezogen.

00:17:11: Glaubst du dass sie mit diesen vereinten Erfahrungen neue Impulse mitbringen können?

00:17:17: Ja absolut!

00:17:18: Und darauf hoffe ich auch weil... das, was man woanders lernt.

00:17:22: Das kann man ja gut und gerne nach Hause bringen und dann mit in die Vereine tragen und auch dieses Engagement und dieses Ja wie man eine Zivilgesellschaft aufbaut.

00:17:31: weil ich glaube daran harbert es noch am meisten dass wir in Ostdeutschland keine wirkliche Zivil-Gesellschaft haben weil Ich glaube Koval Schupp bringt immer diesen Beispiel mit wenn im Ostenflüchtlingsheim brennt denn ist am nächsten Tag Ruhr aber wenn im besten Flüchtlingsheim brennt, dann steht am nächsten Tag eine Zivilgesellschaft vor der Matte und protestiert.

00:17:49: Das ist halt eben auch das größte Problem, dass wir zu Hause nicht dieses Engagement haben und da hoffe ich sehr, dass die wieder zurückkehrend mit anpacken.

00:17:59: Da nehme ich mich auch nicht aus der Pflicht raus.

00:18:00: also... Ich glaube es braucht wirklich noch zwei drei Generation bis sich das von den DDR-Generationen auswäscht.

00:18:08: Aber wir müssen jetzt glaube ich wirklich ran, weil ansonsten wird sich das auch in den Elternhäusern weitergeben.

00:18:13: Da können wir in der Schule egal wie sehr wir dort die Demokratie lernen.

00:18:18: wenn wir zu Hause immer hören dass Politiker schlecht sind und das Parteien schlecht sind dann glaubt man das auch.

00:18:23: also deswegen müssen wieder stärker ran und müssen mehr Aufklärungsarbeit betreiben.

00:18:28: Man muss sich einmal klar machen.

00:18:29: von dem zehn Millionen Stimmen die die AfD bekommen hat kam ja sieben Millionen aus dem Westen.

00:18:35: aber Der Unterschied ist halt, im Osten ist sie die stärkste Kraft.

00:18:40: Was glaubst du hat die doppelte Diktaturerfahrung?

00:18:43: Also erst NS und dann SED-Diktatur der beiden Generations vor dir damit zu tun dass das im Oston so eine Macht werden konnte?

00:18:54: Ich glaube diese Leute haben nie wirklich gelernt was es heißt mitzugestalten.

00:19:00: also bis heute denken ja auch viele es reicht alle vier Jahre wählen zu gehen.

00:19:04: Dabei meint eine Demokratie eigentlich sehr viel mehr.

00:19:07: Und ich glaube, sie haben auch eine tiefe Frustration in sich weil Sie in der DDR bespitzt wurden und weil Sie nicht wirklich in öffentlichen Räumen eine Meinung oder eine Haltung hatten konnten.

00:19:17: Weil Sie wenn Sie vorankommen mussten immer mit der Partei konform waren und das macht ja etwas mit einem.

00:19:24: Also deswegen habe ich auf vollstes Verständnis für die Generation vor mir dass Sie sagen Ich hab' wirklich keinen Vertrauen mehr in irgendeinen Staat auf dieser Welt.

00:19:31: Das gilt ja nicht für mich, weil ich eben diese positive Erfahrung gemacht habe.

00:19:34: Mit der Demokratie mitgestaltet habe in Parteien.

00:19:37: Ich durfte Angela Merkel öfter mal treffen... ...ich konnte im Wahlkampf mit Wahlkantel an zentralen Stellen Wahlkampfen machen und das ist auch eine sehr schöne Erfahrung!

00:19:46: Ja, versuche zu Hause immer das weiterzugeben und zu sagen egal wie doll ihr meckern könnt.

00:19:51: Das ist doch euer größtes Glück dass es überhaupt könnte.

00:19:53: damals konntet jetzt nicht Und mein Papa hatte mich auch so vor paar Monaten gefragt was is eigentlich die Demokratie?

00:19:59: nachdem er sich dann lange aufgeregt hat was falsch läuft und hab ich gesagt Papa, dass du dich hier gerade aufregst und nicht eingesperrt bist dafür?

00:20:06: Das ist Demokratie und da meint der halt auch stimmt ja

00:20:10: Du bist ja parteipolitisch engagiert aber du denkst ganz offen auch in deinem Buch darüber nach dass man im Osten vielleicht neue demokratische Form braucht und stellt die Idee der Bürgerräte ins Zentrum.

00:20:26: Welche Chance siehst du darin?

00:20:27: Was können solche Bürgerräten bewirken?

00:20:30: Also konkret bewegt es, das die Menschen erst einmal üben zuzuhören andere Meinungen auszuhalten und selbst ihre Meinung zu sagen und eben auch zu merken, okay wenn ich mich beteilige dann mache ich halt diese Selbstwirksamkeitserfahrung dass sich was bewege konkret.

00:20:45: Auch wenn es nun zu Hause ist, auch wenn es nur um die Schule geht oder eine Gartenlaube, egal es ist sichtbar es bringt fast so und dann glaube ich auch das erst mal diese finanziellen Anreize braucht um die Menschen aus ihrer Politikverdrossheit rauszuholen.

00:20:58: Ich glaube das ist nämlich das Schlimmste, ich glaube gar nicht, dass es so schlimm ist.

00:21:02: klar es ist nicht gut dass die AfD wählen aber sie gehen wenigstens zur Wahl sagen etwas.

00:21:07: Deswegen glaube ich, ist dieses Apathische das Schlimmste was eigentlich da gerade ist und deswegen braucht es die finanziellen Anreize.

00:21:13: Es braucht diese Übung und es braucht eben diese Selbstwirksamkeitserfahrung damit er überhaupt erst mal wieder was in Gang kommt.

00:21:18: Du kennst dich gut mit sozialen Medien aus Und du siehst eben auch frustriert dass die Altparteien das nicht so gut bestielen wie manch andere.

00:21:29: Wo siehst du der Potenziale?

00:21:30: Was würdest du dir wünschen?

00:21:32: Es ist halt eben auch die Schwäche von demokratischen Parteien sehr, sehr viel komplexe Gesetze in ein Instagram-Post runterzubrechen.

00:21:39: Das ist halt vor uns auch sehr schwierig und da muss man sagen, da haben es die linken und rechten Parteien einfacher weil die irgendwelche Schlagzeilen einfach posten und das bringt Klicks und das geht viral und das ist super!

00:21:50: In dem Sinne haben sie schon den Startvorteil.

00:21:52: aber ich glaube wir müssen da auch einfach sehr viel besser werden.

00:21:55: Auch gerade meine Partei dass wir junge Menschen davor stellen, mehr Haltung zeigen und nicht auch nur eine Pressenbeteiligung runterrattern.

00:22:05: Wir müssen dahin gehen, wo die jungen Menschen sind und wo die Leute sich tummeln – das sind halt nicht mehr Marktplätze sondern Facebook-Gruppen, Instagram, die Kommentarspalten oder TikTok.

00:22:17: Ich glaube da trauen sich auf sehr viele Politiker nicht weil sie Angst haben sich angreifbar zu machen aber das liegt dann an der fehlenden Fehlerkulturen der Politik leider.

00:22:26: Du räumst im Buch ein, dass deine Verwandten durchaus zur Wahl gehen was du als Demokratin schätzt und sagst dann nicht was sie wählen.

00:22:33: aber du sagst die machen keine Heel draus.

00:22:36: Und das deine Mutter, die Verwandte Donald auch in Schutz nimmt.

00:22:41: Wie schaffst du das da offen im Gespräch zu bleiben?

00:22:44: denn in dem Fall ging es um Thüringen und das ist der Verein rund um Höcke und damit ziemlich klar rechtsextrem.

00:22:54: Also, wie hältst du dir diese Offenheit?

00:22:56: Ich glaube ich habe da einfach sehr viel mehr Übungen drin diesen Spakat auszuhalten weil der ja schon seit Jahren so geht.

00:23:04: Diese Bewegung ist schon seit Jahre in Gange das gewisse Dinge wieder sagbarer werden wo man sich auch am Anfang gedacht hat Mensch was kannst du nicht sagen.

00:23:12: und dann hält man dagegen.

00:23:14: und klar es ist ein bisschen eine Süßifussarbeit.

00:23:18: Aber ich hab trotzdem am Ende immer noch die Hoffnung, dass dieses menschliche Band dafür sorgen kann.

00:23:23: Dass man eben auch... Die entferntere Familie wieder umstimmen kann!

00:23:26: Dass man denen halt irgendwie wieder Hoffnungen zustimmt ohne Bevormunden zu werden.

00:23:30: Weil wer bin ich?

00:23:31: Dass ich mit meinen neunzwanzig Jahren sage hey du bist jetzt vierzig Jahre warum willst du AfD?

00:23:36: Obwohl du ein ganzes Überleben hast hier geht das toll.

00:23:39: vergleich dich doch mal mit anderen auf dieser Welt weil ich glaube es bringt noch weniger.

00:23:43: Ich glaube man stößt ihn weiter weg und deswegen finde ich es wichtig, dass man diese Gesprächskanäle offen hält und seine Sicht immer wieder wiederholt.

00:23:50: Du hast früher angefangen Fußball zu spielen und bist da auch in Hagenau wenn du zu Besuch bist?

00:23:57: Immer noch mal unterwegs!

00:23:59: Wie erlebst du das?

00:24:00: da wird der Politik eher außen vorgehalten oder geht dir in Diskussionen?

00:24:04: Ja ist ganz lustig weil ich ja schon sehr lange in der Partei bin und dementsprechend sehen die Leute mich auf beim Fußball öfter Mal als Politikerin als Koma-Kassen für Dinge, die falsch laufen.

00:24:16: In der Bundesrepublik, wo ich mir manchmal denke, okay, ich habe damit gar nichts gerade zu tun, aber erzähle es mir ruhig, weil ich mir dann denke, dann kommen wir ins Gespräch und vielleicht kann ich dir noch einige Gedanken von mir mitgeben.

00:24:27: Aber Politik ist allgegenwärtig, würde ich sagen auch beim Fußball klar nach dem Spiel in der Pause.

00:24:33: Und hast du das Gefühl?

00:24:35: Auch da ist so eine Zerrissenheit.

00:24:37: also... Im Westen bist du Fürsprecherin für Ostdeutschland und da im Fußballvereinwürste gefragt, alte Bundesrepublik was da schiefläuft.

00:24:47: Ja voll deswegen ja auch Vereint in Zerrissenheit.

00:24:50: also wenn ich in dem Raum bin werde ich als die und die gelesen oder wenn ich im anderen Raum bin, werde ich jetzt das Gegenteil gelesen und deshalb ist es halt auch mühsam sich bei beiden Seiten immer rechtfertigen zu müssen.

00:25:01: aber Ja, diese Schicksale teilen auch sehr viel in diesem Land.

00:25:04: Da bin ich glaube nicht allein und nicht nur was aus Deutsch angeht sondern auch andere Migrationsgeschichten.

00:25:09: aber insofern ist ein Schicksal was einem begleitet das aber auch trainiert fürs Leben.

00:25:14: Ich bin ja noch die Generation die damit aufgewachsen ist dass es auch im Westen komisch war wenn Nationalsladden wehten.

00:25:23: also das hat mich so als ja in den achtzigeren links sozialisierte befremdet.

00:25:30: Da habe ich dann gemerkt, dass es mit der Fußball-WM im Jahr ist, hat sich etwas verändert.

00:25:36: Und so ist ja auch diese ganze Sache mit dem Stolz ein schwieriger Begriff.

00:25:40: und dein Gen Z-Kompagnon Alexander Prinz, der als YouTuber aktiv ist, das heißt Oststolz.

00:25:50: Kannst du dir vorstellen, dass er einen positiven Oststolt geben kann?

00:25:56: auch was nach vorne bringt und vereinend und nicht spaltend worgt.

00:26:01: Das ist eine gute Frage, weil ich selber spüre diesen Stolz nicht so wirklich.

00:26:04: also ich bin weder stolz auf mein Land per Seel noch auf Ostdeutschland aber ich möchte jetzt niemanden absprechen stolz darauf irgendwas zu sein.

00:26:13: Ich bin stolz Auf gewisse Entscheidungen die die Bundesrepublik getroffen hat mich beispielsweise von den Grenzen offen zu halten.

00:26:19: so Darauf kann ich stolz sein.

00:26:21: Aber ich könnte mir vorstellen dass aus diesen ganzen Diffamierungen die es vor Ostdeutscher halt gegeben hat, dass man daraus gesagt hat.

00:26:28: Nee!

00:26:28: Warum sollen wir das ablegen?

00:26:29: Wir sind stolz darauf, dass wir so sind wie wir sind und das kann ich auch sehr gut nachvollziehen.

00:26:33: Und ich glaube den Menschen, denen du gerade genannt hast der ist ein bisschen älter als ich.

00:26:38: Vielleicht wird es die zwei Jahre, die dazwischen diesen Oststolz bei ihm ausmachen.

00:26:42: aber ja... Ich würde niemanden absprechen.

00:26:44: Ich persönlich bin weder stolz auf das eine noch das andere.

00:26:49: Und du hast dich eigentlich früh vorgewagt.

00:26:54: Was hat dir geholfen, selbstbewusst nach Form zu gehen?

00:26:59: Ich habe mir immer proaktiv Frauen gesucht die andere Frauen fördern, die mir Mut zugesprochen haben und die mir auch vor allen Dingen immer Ratschläge gegeben haben wenn ich sie gefragt habe.

00:27:13: es gibt auch sehr viele die Ratschläge verteilt wenn man nicht fragt.

00:27:15: Es sind besondere Männer davon dass sie sagen ja!

00:27:19: Nein.

00:27:19: Ja, ich glaube das darf man.

00:27:21: Da habe ich mir einfach einen kleinen Kreis zusammengesammelt die mich auch seit Jahren begleiten und die ich halt immer wieder frage meinte ist es gut?

00:27:29: Meint ihrs das gut?

00:27:30: Und das Interessante bei Frauen ist ja immer sie geben nicht wirklich Ratschläge.

00:27:34: macht das um das?

00:27:35: Die stellen Fragen!

00:27:36: Das finde ich ganz cool.

00:27:38: und dann reflektiert man sich selber so dass man halt selber am Ende des Tages darauf kommt mache ich das oder mache ich da?

00:27:44: Und würdest du dir so ein Mentoring... Programme auch verstärkt für junge Leute gerade im Osten wünschen, damit diese Chancengerechtigkeit

00:27:54: entstehen kann?

00:27:54: Ja.

00:27:55: Also ich habe jetzt gesehen es ist jetzt grade eine Stiftung nur vor Ostdeutsche im Kommen.

00:27:59: also da haben sich junge Ostdeutcher auch connecte das hab ich auf LinkedIn gesehen unterstützt und so weiter.

00:28:04: mega cool!

00:28:05: Wir brauchen genau sowas.

00:28:06: wir brauchen diesen Netzwerke wir brauchen Stiftungen wir brauchen diese Räume wo wir uns austauschen können und am Ende uns dann hochhelfen sag' ich mal

00:28:14: Ja, ich denke gerade es gibt ja diesen Verein Arbeiterkinder

00:28:17: e.V.,

00:28:18: also was eine ähnliche Idee ist dass es weniger Ressourcen gibt.

00:28:22: wie es füttert das die Zerrissen halt nicht weiter wenn man in dem Umfeld ist.

00:28:27: Ich verstehe den Stärkungsspekt aber du möchtest ja auch im Verein mit den anderen eben gleichbrestes dastehen.

00:28:38: Also es geht ja erst einmal darum quasi den, die nach uns kommen.

00:28:42: Die Welt zu erklären das kommt auf dich zu dass du das die Debatten hier du kannst es so machen ich geb dir das mit an die Hand und gerade auch im Raum wenn es um studieren geht.

00:28:52: oder sehr viele gleichhaltige Austen sind halt auch Arbeiter Kinder.

00:28:54: die haben halt nie Eltern gehabt die mal studiert haben und dementsprechend kommen die meisten auch in der Uni an wissen erstmal gar nicht wie das funktioniert.

00:29:02: da finde ich dieses know-how was da weitergegeben wird schon sehr sehr wichtig.

00:29:06: Wie kann man mehr Leute motivieren sich daran zu trauen und sich zu engagieren?

00:29:10: erst mal so wie heute sichtbar zu sein, zu sagen okay ich bin stolz dass ich in einer Partei bin.

00:29:15: Ich glaube das sagen sehr viele junge Leute über sich weil sie das noch sehr mit Akten lesen langeweile endlose Gespräche verbinden.

00:29:24: aber ja deswegen freue ich mich über jeden jungen Menschen von SPD bis Grüne bis CDU die sich raustrauen und sagen ich werbe für die Parteien für die Demokratie und hoffe, dass ich damit auch eine Idee identifizieren kann.

00:29:39: Also ich hoffe, das es einige junge Menschen im Osten gibt, die durch dieses Buch sagen ja okay man kann es ja auch wirklich irgendwie schaffen zumindest in der Öffentlichkeit, dass das Thema darüber diskutiert wird.

00:29:50: Ich danke dir für das Gespräch!

00:30:04: Danke, dass du dabei warst.

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