In besten Händen – Mein Alltag als Krankenschwester

Shownotes

Hatice Koca ist Intensivkrankenschwester mit 145.000 TikTok-Follower:innen, Mutter und Master-Absolventin spricht in dieser Live-Folge mit Ex-Managerin Vera Schneevoigt. Sie erzählt vom Pflegealltag auf der Intensivstation: Es geht um Leben und Tod, sie arbeitet mit Körpern und Körperflüssigkeiten, sie kämpft mit fehlenden personellen Ressourcen. Wie gehen Angehörige damit um? Warum fehlt dem Pflegeberuf so viel Anerkennung? Und wie lässt sich der Job attraktiv für junge Arbeitnehmende machen? Hatice Koca hält die Fahne hoch für ihren Traumberuf.

Koca erzählt, wie sie als eine der ersten deutschsprachigen Pflege-Influencerinnen auf TikTok gestartet ist, warum Repräsentation von Pflegekräften in den Medien so wichtig ist und wie ein starkes Berufsimage junge Menschen für diesen Job gewinnen kann.

Sie verteidigt Pflege als eigene Profession, fordert Anerkennung statt Abwertung in der Care-Hierarchie und stellt die Frage, warum es für Ärztinnen eine Kammer gibt, aber für Pflegekräfte oft keine verbindliche, starke Interessenvertretung.

Die Folge ist auch ein Plädoyer für weibliche Solidarität. Hatice erzählt, wie sehr sie von den „älteren Schwestern“ auf Station gelernt hat, wie sie getragen wurde, als sie selbst Mutter wurde, und wie sich Frauen – ob Kolleginnen, Mütter, Schwiegermütter oder Freundinnen – in solchen Lebensphasen gegenseitig stützen. Für sie ist klar: Ohne dieses Netz aus Frauen, das zuhört, korrigiert, lobt und mitträgt, wäre weder ihr Studium noch der Klinikalltag noch die Care-Arbeit zuhause zu leisten.

Außerdem spricht sie über Frauengesundheit und die weißen Flecken im System. Sie erzählt von ihrem eigenen Not-Kaiserschnitt, von fehlender physiotherapeutischer Nachsorge und davon, wie wenig ernst die gesundheitlichen Bedürfnisse von Frauen – insbesondere nach der Geburt – genommen werden.

Hatice Koca nennt ihr Buch „Eine Liebeserklärung” und ihren Beruf “den schönsten Job der Welt”. Auch dieses Gespräch ist eine Liebeserklärung: an die Pflege, an Kolleginnen, an Angehörige, die sich einbringen, und an alle, die in diesem System nicht aufgeben.

Wenn Dich interessiert,
warum Hatice sich für den Pflegeberuf stark macht,
was sie von Krankenhäusern und Pflegeunternehmen fordert und
welche Forderungen sie an Politik und Pflegebranche hat: Hör rein!

**Weiterführende Links: **

Hatice Koca auf TikTok

Buch „In besten Händen“

Interview mit herCAREER: „Als Pflegepersonen arbeiten wir in einem kollabierenden System.”

Über herCAREER Voice

Der Podcast herCAREER Voice liefert wertvolle Einblicke in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, immer verknüpft mit persönlichen Erfahrungen und vor allem aus weiblicher Perspektive. Wechselnde Moderator:innen und Gäst:innen aus unterschiedlichen Unternehmen, Redaktionen und Arbeitsumfeldern bieten vielseitige und praxisnahe Erfahrungswerte für die Hörer:innen. https://www.her-career.com/podcastherCAREER ist die führende Plattform für die weibliche Karriere. Hier erwartet dich ein einzigartiges Netzwerk mit individuellen Job-Chancen und jede Menge inspirierender Content wie Podcasts, Vorträge und Panels live auf herCAREER Expo oder online im Rahmen unserer herCAREER Academy. Wir heißen alle Menschen willkommen – im Besonderen Frauen, denen wir die Chance geben, von diesem besonderen Möglichkeitsraum zu profitieren. https://www.her-career.com

Dieses Gespräch wurde im Rahmen der herCAREER Expo 2025 aufgezeichnet und als Podcast aufbereitet. Mehr über die herCAREER Expo unter www.her-career.com/expo

The herCAREER podcast provides valuable insights into business, science, politics and society, always linked to personal experiences and above all from a female perspective. The podcast features a variety of presenters and guests from different companies, editorial teams and working environments, offering listeners a wide range of practical experiences. https://www.her-career.com/en/podcast herCAREER is the leading platform for women’s careers. We offer a unique network with personalized job opportunities and a wealth of inspiring content such as podcasts, lectures, and panels. You can experience these events live at herCAREER Expo or access them online through our herCAREER Academy. While we welcome everyone, our primary focus is empowering women to seize their opportunities. https://www.her-career.com/en

This conversation was recorded at herCAREER Expo 2025 and edited into a podcast. Find out more about the herCAREER Expo at www.her-career.com/expo.

Projektleitung: Natascha Hoffner Redaktion: Kristina Appel Produktion: Bernhard Hiergeist

Transkript anzeigen

00:00:00: Ein riesengroßes Problem ist, dass

00:00:02: wir noch immer der Ärzteschaft

00:00:03: unterstellt sind.

00:00:05: Wieso? Wir sind eine eigene

00:00:06: Profession.

00:00:07: Wir haben eigentlich gesetzliche

00:00:08: Rahmen, nach denen wir arbeiten

00:00:10: müssen und sollen und unsere eigenen

00:00:11: Verantwortungen.

00:00:13: Natürlich gibt es Bereiche,

00:00:14: wo uns Ärzte vorschreiben,

00:00:16: was es zu tun gibt.

00:00:18: Denn natürlich kennt er sich besser

00:00:19: mit den Medikamenten aus als ich.

00:00:21: Das ist nicht mehr in meiner

00:00:21: Expertise.

00:00:22: Aber das ist halt ein

00:00:23: interdisziplinäres Arbeiten.

00:00:25: Es kommt halt mal so drauf an, dass

00:00:27: das als ein vollwertiger Beruf

00:00:28: überhaupt wahrgenommen wird.

00:00:41: Willkommen beim HerCareer Podcast.

00:00:44: Du interessierst dich für aktuelle

00:00:45: Diskurse aus Wirtschaft,

00:00:47: Wissenschaft, Politik und

00:00:48: Gesellschaft und das insbesondere

00:00:50: aus einer weiblichen Perspektive?

00:00:52: Vielleicht wünschst du dir

00:00:53: persönliche Einblicke in den

00:00:54: Arbeitsalltag von Menschen und

00:00:55: Unternehmen, die sich dem

00:00:56: gesellschaftlichen und

00:00:58: wirtschaftlichen Wandel stellen?

00:00:59: Dann bist du hier genau richtig.

00:01:05: Hatice Koca ist

00:01:06: Intensiv-Kranken-Schwester und

00:01:08: Pflege-Influencerin.

00:01:10: In dieser Live-Folge schildert sie

00:01:11: ihren Alltag auf der

00:01:12: Intensives-Station.

00:01:14: Interviewt wird sie dabei von Vera

00:01:15: Schneefogt, die ihre Eltern und

00:01:17: Schwiegereltern pflegt.

00:01:18: Hatice zeichnet ein ehrliches Bild.

00:01:21: Ja, es geht um Leben und Tod und

00:01:23: ja, Bürokratie und fehlende

00:01:25: Ressourcen stellen sie und ihre

00:01:26: KollegInnen immer wieder auf die

00:01:28: Probe. Die Folge enthält viel

00:01:30: Kritik.

00:01:31: Ist aber auch eine Liebeserklärung

00:01:33: an die Pflege, an Kollegen,

00:01:35: an Angehörige, die sich einbringen

00:01:37: und an alle, die in diesem System

00:01:39: nicht aufgeben.

00:01:50: Hallo zusammen!

00:01:51: Ich freue mich, dass Hatice und ich

00:01:53: uns gefunden haben.

00:01:55: Ich bin Vera Schneevoigt.

00:01:56: Hatice kennen mindestens,

00:01:59: habe ich festgestellt, alle, die

00:02:01: deutlich jünger sind als ich und

00:02:03: die TikTok haben, weil Hatice

00:02:05: kommt aus Wien, ist heute angereist

00:02:07: mit ihrem wundervollen Mann und dem

00:02:09: Baby und ist

00:02:11: die bekannteste österreichische

00:02:12: Health-Influencerin.

00:02:14: Sie hat auf TikTok über 150.000

00:02:17: Followerinnen.

00:02:18: Ich freue mich, Hatice, dass wir

00:02:20: beide, nachdem wir uns ja nur

00:02:21: virtuell kannten, uns heute hier

00:02:23: in München treffen.

00:02:24: Herzlich willkommen!

00:02:24: Danke schön, dass ihr mich da habt.

00:02:26: Ich freue mich auch unglaublich,

00:02:27: dich persönlich kennenzulernen.

00:02:29: Hatice, magst du vielleicht zwei,

00:02:30: drei Sätze zu dir sagen?

00:02:32: Ich bin tatsächlich in Deutschland

00:02:33: geboren,

00:02:38: bin dann mit 15 Jahren mit der

00:02:39: ganzen Familie nach Österreich, dort

00:02:41: meine Schule beendet

00:02:43: und dann bin ich im Pflegestudium

00:02:45: gelandet.

00:02:45: Ganz zufällig wollte ich unbedingt

00:02:48: Hebamme werden.

00:02:48: Ich hab mir gedacht, jetzt bin ich

00:02:49: besonders schlau, beginne das

00:02:50: Pflegestudium und das ist nämlich

00:02:52: auf derselben Fachhochschule und

00:02:53: dann bin ich Quereinsteiger bei

00:02:55: Hebamme.

00:02:56: Das hat nicht so funktioniert, weil

00:02:58: mich dann die Pflege voll im Sturm

00:02:59: erobert hat tatsächlich.

00:03:02: Und damals habe ich eben gemerkt, es

00:03:03: gibt so ein Ultramangel an

00:03:05: Repräsentationen der Pflege auf den

00:03:07: sozialen Medien, weil ich bin halt

00:03:08: auch doch in der Generation ganz

00:03:10: knapp Gen Z vorbei, noch nicht,

00:03:12: aber 94er Jahrgang.

00:03:15: Aber natürlich war mein erster

00:03:18: Instinkt, ich gehe mal auf Social

00:03:19: Media und schaue, was es da zu

00:03:20: Pflege gibt,

00:03:22: gab es tatsächlich nichts.

00:03:23: Und dann habe ich halt angefangen,

00:03:25: so ein bisschen meinen Studienalltag

00:03:26: zu posten, habe parallel für einen

00:03:28: Startup gearbeitet und habe deren

00:03:29: TikTok gemacht und habe innerhalb

00:03:31: von vier, fünf Monaten auf 100.000

00:03:33: Follower eine Community aufgebaut

00:03:34: und habe mir gedacht, hey,

00:03:36: eigentlich wird das doch auch für

00:03:37: die Pflege funktionieren.

00:03:38: Und dann hat es funktioniert, ja.

00:03:40: Wie schön!

00:03:41: Wir haben heute auch einen Anlass,

00:03:43: neben dem, dass Hatice sowieso eine

00:03:45: interessante Person ist, hat sie ein

00:03:47: Buch geschrieben. Ich halte das mal

00:03:48: ganz kurz hier ins Publikum.

00:03:50: Die Frage wäre, du hast

00:03:52: angefangen mit dem TikTok,

00:03:54: den Social Media, dann kam

00:03:56: jemand auf dich zu und hat gesagt,

00:03:58: Hatice ist ja so spannend, schreib

00:03:59: ein Buch. Vielleicht kannst du

00:04:00: nochmal kurz die Geschichte erzählen

00:04:01: und was ist dein wichtigster Take

00:04:04: eigentlich aus dieser Arbeit mit dem

00:04:06: Buch?

00:04:06: Ja, das war tatsächlich so.

00:04:08: Ich meine, wie oft kommt ein Verlag

00:04:09: auf einen zu und fragt, magst

00:04:11: du ein Buch mit uns schreiben?

00:04:13: Und ich habe mir gedacht, gut, ich

00:04:15: mache das jetzt, weil wie oft hat

00:04:17: man denn diese Möglichkeit dazu?

00:04:18: Dann ist das Buch eben entstanden,

00:04:20: es heißt "In besten Händen", es ist

00:04:22: ein Einblick in mein Intensivalltag,

00:04:24: ich bin Intensinkrankenpflegerin.

00:04:26: Und es sind einfach die Sachen,

00:04:28: die ich erlebt habe, in meiner

00:04:29: Ausbildung erlebt habe.

00:04:31: Alltäglich auf der Intensivstation

00:04:32: erlebe ich es. Es wird gesprochen

00:04:34: über Thematiken wie Tod,

00:04:36: aber auch sehr humorvoll,

00:04:38: wie man mit Körperflüssigkeiten

00:04:40: umgeht und so.

00:04:42: Also da ist wirklich alles so

00:04:43: drinnen, was für mich absolut normal

00:04:45: ist als Krankenschwester, aber ich

00:04:46: glaube, die Außenwelt gar nicht so

00:04:48: per se mitbekommt.

00:04:50: Deswegen fand ich das auch super

00:04:51: cool, dass eben dieser Verlag auf

00:04:52: mich zugekommen ist, Weil denen ihr

00:04:54: anliegen, war das eben auch so ein

00:04:55: bisschen.

00:04:56: Pflege mehr in den Mainstream zu

00:04:58: bringen.

00:04:59: Jetzt wo du einmal

00:05:01: TikTok-Influencerin bist und

00:05:02: das Buch geschrieben hast, hast du

00:05:04: eine unterschiedliche Resonanz

00:05:05: bekommen auf die beiden Medien und

00:05:07: das stellst du fest, dass es andere

00:05:08: Leute sind, die das Buch lesen zum

00:05:10: Beispiel?

00:05:10: Ja und nein.

00:05:12: Also dadurch, dass es halt doch über

00:05:13: meine Plattform beworben worden

00:05:15: ist, sind halt viele von meiner

00:05:16: Community auch tatsächlich auf das

00:05:18: Buch gestoßen.

00:05:19: Aber ich glaube, das Buch erreicht

00:05:20: dann halt nochmal so eine andere,

00:05:22: ich sag mal, Qualität an Reichweite.

00:05:25: Weil das ist dann was anderes, wenn

00:05:27: man in einem Buchhandel steht, wenn

00:05:28: plötzlich... Meine Familie aus

00:05:30: Reutlingen hat mir letztlich

00:05:31: geschickt, wie sie in Reutlingen in

00:05:32: der Bücherei stehen und da steht

00:05:34: einfach so mein Buch und das ist

00:05:35: natürlich dann doch was anderes und

00:05:36: erreicht dann auch andere Menschen.

00:05:38: Die Zielgruppe,

00:05:40: es war so, es ist für alle bestimmt,

00:05:42: aber vor allem Leute, die halt

00:05:43: irgendwie so mal so Touchpoints mit

00:05:45: der Pflege zu tun haben.

00:05:47: Interessanterweise ist so die

00:05:48: höchste Resonanz von Leuten

00:05:49: gekommen, von Angehörigen,

00:05:52: von pflegenden Angehörenden, die

00:05:53: jemanden auf der Intensivstation

00:05:54: liegen hatten oder die

00:05:56: generell einen Pflegefall zu Hause

00:05:58: haben.

00:05:59: Weil die sind eigentlich auch

00:06:01: Pflegekräfte, aber halt ungesehene

00:06:03: und unbezahlte Pflegekäfte.

00:06:05: Wunderballer Ball, den du mir

00:06:06: zuspielst. Genau, das wäre nämlich

00:06:07: meine nächste Frage. Du weißt, ich

00:06:08: bin pflegende Angehörige und ich

00:06:10: habe meine Mutter ja letztes Jahr

00:06:12: verloren und sie war nicht auf der

00:06:13: Intensivstation, aber im

00:06:14: Krankenhaus.

00:06:15: Ich habe mich gefragt, wenn du jetzt

00:06:16: pflegeende Angehörige auf der

00:06:18: Intensivstation siehst und was

00:06:20: würdest du denen gerne mitgeben?

00:06:21: Weil du schreibst ja auch ganz oft,

00:06:23: wie ist eure Rolle?

00:06:24: Was empfindet ihr auch und was seht

00:06:26: ihr? Wie sind die Menschen, die dort

00:06:28: versorgt werden, also die

00:06:29: Patientinnen?

00:06:30: Und welche Rolle haben pflegende

00:06:32: Angehöre?

00:06:33: In so einem Prozess auf eine

00:06:35: Intensivschätzung.

00:06:36: Also da muss man vorhinweg sagen,

00:06:38: dass im deutschen Gesundheitssystem,

00:06:40: wie auch im österreichischen

00:06:41: Gesundheitssystem die Angehörigen

00:06:43: leider nicht ganz so viel Raum haben

00:06:45: im Krankenhaus wie in anderen

00:06:47: Ländern zum Beispiel, in den USA

00:06:49: oder auch in der Türkei zum

00:06:51: Beispiel. Es ist ganz normal, dass

00:06:52: man eine Begleitperson hat, die

00:06:53: einen per se vor Ort auch mit

00:06:55: pflegt.

00:06:56: Das ist auf einer Intensivstation

00:06:58: hier leider eher nicht so der Fall

00:07:00: oder halt in Österreich bei mir

00:07:01: irgendwie auf der Kinderstation ganz

00:07:03: normal, da sind die Eltern natürlich

00:07:05: da und die sind in alles mit

00:07:06: eingebunden.

00:07:07: Deswegen müssen sich die Angehörigen

00:07:09: leider immer so den Klinikalltag

00:07:11: ein bisschen unterordnen.

00:07:13: Und da ist halt die Aufgabe von

00:07:15: Pflegekräften eigentlich, sie mit

00:07:16: abzuholen und zu sagen, okay, bei

00:07:18: uns auf der Intensivstation gibt es

00:07:20: zwei Besuchszeiten.

00:07:21: Kommen Sie, das wirklich zu

00:07:22: ermutigen, die Leute anzurufen,

00:07:24: zu kommen, weil es gibt auch Studien

00:07:25: dazu, die einfach zeigen, dass

00:07:27: der Outcome von Patientinnen viel

00:07:29: besser ist, wenn Angehörige

00:07:31: da sind. Das ist eine ganz andere

00:07:33: Situation für sie.

00:07:35: Und wir wissen nicht, auch wenn

00:07:35: jemand im Tiefschlaf ist, wissen wir

00:07:37: am Ende tatsächlich nicht, was da

00:07:39: ankommt, ja?

00:07:40: Es gibt auch einfach einen ganz

00:07:41: großen Fragezeichenbereich

00:07:43: mit Energien und Codes.

00:07:46: Das kann man einfach nicht

00:07:47: wissenschaftlich messen, aber das

00:07:49: sind Dinge, die einfach passieren.

00:07:50: Also was ich den Angehörigen auf

00:07:52: jeden Fall immer gerne mitgebe, es

00:07:53: kommt, stellt die Fragen,

00:07:55: advokatiert, aber vertraut uns auch.

00:07:58: Also ich verstehe, dass viel

00:07:59: Missgunst da ist und man

00:08:01: natürlich nur das Beste für seinen

00:08:02: Angehöhrigen haben möchte.

00:08:04: Aber wir geben wirklich unser

00:08:05: Bestes, also wir stehen da

00:08:06: zwölfeinhalb Stunden auf den Beinen

00:08:08: und pflegen die Person pro

00:08:10: Schicht und Tag und Nacht geben

00:08:12: wir unglaublich viel

00:08:14: Kraft, Schweiß und Geld aus,

00:08:17: um diese Person einfach auf die

00:08:18: beste Art und Weise medizinisch

00:08:20: und pflegerisch zu versorgen.

00:08:22: Was denkst du denn, warum das so

00:08:24: schwierig ist, sowohl in Österreich

00:08:25: wie auch in Deutschland junge

00:08:27: Menschen oder Menschen überhaupt für

00:08:28: den Pflegeberuf zu begeistern?

00:08:30: Es ist ein ganz starkes politisches

00:08:32: Problem.

00:08:33: Es hat sehr viel mit dem Image der

00:08:35: Pflege zu tun.

00:08:36: Es hat auch sehr viel mit den

00:08:37: internen Hierarchien zu tun, die

00:08:38: Pflege hat viele Probleme.

00:08:40: Sie hat unglaublich viele

00:08:41: Baustellen.

00:08:42: Ein riesengroßes Problem ist, dass

00:08:43: wir noch immer der Ärzteschaft

00:08:45: unterstellt sind.

00:08:46: Es gibt keine Pflegekammer, es gibt

00:08:48: nur eine Ärztekammer und da sind wir

00:08:49: unterstellt. Und da ist halt die

00:08:50: Frage, wieso? Wir sind eine eigene

00:08:52: Profession.

00:08:53: Wir haben eigentlich eigentliche

00:08:55: gesetzliche Rahmen, nach denen wir

00:08:56: arbeiten müssen und sollen und

00:08:58: unsere eigenen Verantwortung.

00:09:00: Natürlich gibt es Bereiche,

00:09:02: wo uns Ärzte vorschreiben,

00:09:04: was es zu tun gibt, wie zum Beispiel

00:09:06: die Medikamentengabe.

00:09:07: Aber das ist auch klar, der hat

00:09:08: sechs Jahre studiert, hat

00:09:09: unglaublich viele Jahre erst am Bett

00:09:11: verbracht, bis er überhaupt seinen

00:09:12: Facharzt hatte.

00:09:13: Natürlich kennt er sich besser mit

00:09:14: den Medikamente aus als ich, das ist

00:09:16: nicht mehr in meiner Expertise, aber

00:09:17: das ist halt ein interdisziplinäres

00:09:19: Arbeiten.

00:09:20: Ich sage dem Physiotherapeuten auch

00:09:21: nicht, was er zu tun hat, nur weil

00:09:23: ich zwölfeinhalb Stunden am Bett bin

00:09:24: oder eine Hebamme, wie sie

00:09:26: das Neugeborene zu versorgen hat,

00:09:28: oder? Es kommt halt mal so drauf an,

00:09:30: dass das als ein vollwertiger Beruf

00:09:31: überhaupt wahrgenommen wird.

00:09:33: Und gerade auch so mit TikTok und

00:09:35: so, ich meine, ich bekomme das ja

00:09:36: von der Kollegenschaft auch zu

00:09:37: spüren, die Leute sind echt so

00:09:38: schockiert, wie man so viel

00:09:39: Berufsstolz haben kann.

00:09:41: Und so sagen kann, okay, aber du

00:09:42: bist ja nur Pflegekraft.

00:09:44: Was glaubst du denn, wer du jetzt

00:09:46: bist, dass du das postest?

00:09:48: Und dann sag ich, aber die Zahlen

00:09:49: sprechen ja für sich.

00:09:50: Die Leute sehen das als nicht nur

00:09:52: Pflegekraft, sondern die sehen das

00:09:53: also als einen vollwertigen Beruf.

00:09:55: Nur ein Blick in die USA oder

00:09:57: auch nach Großbritannien, da ist das

00:09:59: Berufsimage ein ganz anderes.

00:10:01: Also die Registered Nurses dort,

00:10:03: die tun ihre badge da auf ihre Brust

00:10:04: und laufen damit voller Stolz durch

00:10:06: die Welt und bekommen hier einen

00:10:08: Gratis-Kaffee und da und extra

00:10:10: Angebote für Pflegekräfte.

00:10:11: Also das ist ein ganz großes

00:10:13: Politikum, aber auch pflegeintern

00:10:16: ist da noch unglaublich viel Luft

00:10:17: nach oben vom Fortschritt her.

00:10:19: Hast du das Gefühl, dass

00:10:21: du was bewegen konntest?

00:10:23: Erstmal bei deiner Zielgruppe, aber

00:10:24: auch bei genau dem, was du

00:10:26: sagst, also dem im Zweifelsfall

00:10:28: positiv ausgedrückt pro-neidischen,

00:10:30: aber dem nicht pro-neidischen

00:10:31: Verhalten von den Ärzten und

00:10:33: Schwestern.

00:10:33: Ja, tatsächlich schon.

00:10:35: Also ich war ja die erste

00:10:36: deutschsprachige

00:10:37: Pflege-Influencerin.

00:10:39: Also, ich war im deutschen Raum und

00:10:41: im österreichischen Raum.

00:10:42: Also im DACH-Raum war ich die erste,

00:10:43: die das überhaupt gemacht hat.

00:10:45: Und nach mir ist das dann überall so

00:10:47: aus dem Boden geschossen.

00:10:49: Und ich habe mir tatsächlich auch

00:10:50: mal die Mühe gemacht, weil ich das

00:10:51: nicht ganz selber glauben konnte,

00:10:52: dass ich die Erste war, dass ich bei

00:10:54: den anderen ganz weit

00:10:54: zurückgescrollt bin.

00:10:56: Und da sieht man dann auch die

00:10:57: Ähnlichkeit zu den Videos, die ich

00:10:59: anfangs gemacht habe.

00:10:59: Die haben jetzt aber natürlich

00:11:01: ihre eigenen Nischen gefunden, ihre

00:11:03: eigenen Wege gefunden.

00:11:04: Und ich finde das einfach so cool,

00:11:05: weil jetzt einfach aus ihrem Bereich

00:11:07: und hier mit ihren eigenen

00:11:08: Qualitäten, der eine macht es

00:11:10: schauspielerisch, er findet seine eigenen

00:11:12: Charaktere, die andere zeigt

00:11:13: so ihren Alltag, dreht eine eigene

00:11:15: Serie jetzt mit einem deutschen

00:11:17: Fernsehsender auf der

00:11:19: Notfallstation.

00:11:20: Also ich finde es richtig cool, was

00:11:21: da dann so ins Rollen gekommen

00:11:23: ist. Und es hat mir dann tatsächlich

00:11:24: auch so ein bisschen dieses, okay,

00:11:26: ich habe meinen Job gemacht.

00:11:27: Ich kann jetzt ein bisschen

00:11:28: durchatmen und mich zurücklehnen.

00:11:31: Es ist das passiert, was mein

00:11:33: Ziel war.

00:11:33: Es ist mehr vertreten worden.

00:11:35: Wir beide haben ja schon auch

00:11:36: festgestellt, wir sind zwei ganz

00:11:38: verschiedene Generationen und wir

00:11:40: haben ja so viele auch gemeinsam in

00:11:42: den Generationen.

00:11:43: Wie wichtig ist es für dich auch

00:11:45: nicht nur im Thema Pflege, sondern

00:11:47: generell, dass Generationen

00:11:49: übergreifend wir uns, insbesondere

00:11:50: als Frauen, unterstützen?

00:11:52: Ich glaube, das ist das A und O

00:11:54: einfach.

00:11:54: Ich weiß, so in der westlichen

00:11:56: Gesellschaft ist das schon so ein

00:11:57: bisschen verloren gegangen auch

00:11:58: dieses Generationsleben und das

00:12:00: voneinander Lernen und man belächelt

00:12:01: oft die ältere Generation, weil wir

00:12:03: alle glauben, wir haben die Weisheit

00:12:05: mit Löffeln gefressen, weil wir ein

00:12:06: paar Studien lesen können.

00:12:08: Das habe ich auch geglaubt.

00:12:10: Aber ich glaube, es ist einfach

00:12:11: unglaublich wichtig, einen offenen

00:12:13: Kopf zu haben.

00:12:14: Und ich glaube, das Open-Mind-ness

00:12:15: ist nicht nur so für alle, sondern

00:12:16: auch einfach zuzuhören.

00:12:18: Was sagt die ältere Generation?

00:12:20: Bin ich damit d'accord?

00:12:21: Bin ich nicht okay?

00:12:22: Und dann halt da seine Grenzen zu

00:12:24: ziehen, wo man sie ziehen kann.

00:12:25: Aber man lernt unglaublich viel

00:12:27: davon. Und ich glaub, ein großer

00:12:30: Augenöffner war für mich, als ich

00:12:32: meine Tochter bekommen habe.

00:12:34: Weil es waren einfach Frauen,

00:12:36: die da waren.

00:12:37: Die ältere Generation an Frauen, es

00:12:38: war meine Mama, es waren meine

00:12:39: Schwiegermutter, es war meine

00:12:40: Schwester, die auch schon Mama ist,

00:12:42: meine Schwägerin.

00:12:43: Und einfach dieses interne

00:12:45: Unterstützen.

00:12:46: Wie Frauen sich halt nur selber

00:12:48: unterstützen können, das ist

00:12:50: einfach unglaublich gewesen.

00:12:51: Und das war auch so ein eye opener

00:12:53: für mich. Ich war so, hey, meine

00:12:54: Mutter war halt auch einfach mal 30

00:12:56: und hatte Kinder.

00:12:58: So, und die hatte eigentlich auch,

00:13:00: also die hat auch Wünsche und so,

00:13:01: aber sie hat auch genau in dieser

00:13:03: Situation gesteckt, wie ich jetzt

00:13:04: stecke. Sogar mit vier Kindern und

00:13:06: nicht nur einem. Das

00:13:08: war echt ein Riesenaugenöffner,

00:13:10: auch für mich nochmal so ein ok,

00:13:12: die ältere Generation hat was zu

00:13:14: sagen und ich erwähne das auch in

00:13:15: meinem Buch, also bei uns auf

00:13:17: Station die ältere Generation, die

00:13:18: Boomer-Generation, die sind Chef,

00:13:20: KIS, Pflegekräfte,

00:13:23: von denen habe ich unglaublich viel

00:13:24: gelernt und wir hatten

00:13:26: so ein bisschen so eine Schwester

00:13:27: Rabiata, so eine straight

00:13:30: forward, die ganz knallhart zu uns

00:13:32: war und von der ein Lob zu

00:13:34: bekommen, das war so die größte

00:13:35: Anerkennung, weil sie war...

00:13:37: Sie ist jetzt in Pension, deswegen

00:13:39: sage ich "war".

00:13:40: Sie ist einfach so eine klasse

00:13:41: Pflegekraft gewesen.

00:13:42: Die ist nicht stehen geblieben, die

00:13:43: hat sich weiterentwickelt.

00:13:44: Die hat uns unter ihre Fittiche

00:13:46: genommen, die hat uns auf die Finger

00:13:47: geschlagen.

00:13:48: Aber immer auch mit einer Art und

00:13:50: Weise, die man super annehmen

00:13:52: konnte. Und wir sind unglaublich an

00:13:53: ihr gewachsen.

00:13:55: Und als sie gegangen ist, war es für

00:13:56: uns so, wie soll diese Station

00:13:58: überleben ohne sie?

00:13:59: Also wie wichtig ist Reflexion

00:14:01: in der Pflege?

00:14:02: Also gerade wenn man auch jung

00:14:03: anfängt und sagt, man fängt an,

00:14:05: erlebt ja eine ganze Menge.

00:14:06: Du beschreibst ja in deinem Buch

00:14:08: eine ganze Menge von

00:14:10: plastischen Erlebnissen mit

00:14:11: Menschen, die entweder geheilt

00:14:13: wurden, wo man es nicht erwartet hat

00:14:14: oder die verstorben sind.

00:14:16: Und letzten Endes endet ja jedes

00:14:17: Leben und ist ein Kreislauf und

00:14:19: endet mit dem Tod.

00:14:20: Auf der Intensivstation

00:14:21: wahrscheinlich deutlich häufiger als

00:14:23: sonst. Wie ist das Thema

00:14:25: Spiritualität, Religiösität,

00:14:29: wie

00:14:33: siehst du

00:14:36: das Reflektieren auch der

00:14:38: Pflegekräfte, aber auch der Teams,

00:14:39: also du hast die Ärzte eben

00:14:40: angesprochen, die Verwaltung hat ja

00:14:42: auch einen großen Anteil an eurer

00:14:43: Bürokratie, wie sieht du dieses

00:14:46: Reflektieren und darüber Nachdenken?

00:14:47: Also, reflektieren sollte

00:14:49: wahrscheinlich ein größerer Teil

00:14:50: sein, als es tatsächlich ist in

00:14:52: Wahrheit.

00:14:53: Wir haben halt so verschiedene

00:14:54: Sachen, die wir tun in der Pflege.

00:14:55: Das ist eben eine Pflegemaßnahmen

00:14:58: bestimmen und dann tut man die

00:14:59: durchführen und dann kommt

00:15:01: der Punkt der Evaluation oder man

00:15:03: kann es auch gerne reflektieren

00:15:04: nennen. Und das sollte natürlich

00:15:05: alle Ebenen betreffen, auch wenn

00:15:07: eben jemand stirbt.

00:15:08: Für mich ist es ganz unverständlich,

00:15:10: wie meine Kollegen, die keinen

00:15:11: Glauben haben, durch den Tag kommen

00:15:13: manchmal, wenn wir drei Tote an

00:15:15: einem Tag haben.

00:15:16: Für mich, ist das, wie du gesagt

00:15:17: hast, eine ganz klare Sache.

00:15:19: Mir hilft der Glauben dort

00:15:20: unglaublich.

00:15:21: Aber jeder Pflegekraft hat so ein

00:15:23: bisschen so sein eigenes Ding, was

00:15:24: er macht. Viele öffnen das Fenster,

00:15:26: damit die Seele rauskommt.

00:15:27: Aber auch das ist wieder was

00:15:28: Spirituelles.

00:15:30: Wir arbeiten in einem

00:15:30: hochmedizinischen,

00:15:31: hochwissenschaftlichen Bereich und

00:15:33: dann öffnen wir dann das Fenster für

00:15:35: eine Seele, die man weder greifen

00:15:37: noch beschreiben kann, oder?

00:15:39: Aber ich glaube, jede Pflegekraft

00:15:40: spürt das so ein bisschen und hat

00:15:42: da eben dieses, okay, der

00:15:44: Tote gehört gewürdigt und es gehört

00:15:46: gemacht und es wird plötzlich leise

00:15:48: und es wird ruhig und es wird ein

00:15:49: bisschen entschleunigt in den paar

00:15:51: Momenten, in denen man eben einen

00:15:53: toten Leichnam versorgt.

00:15:55: Dann geht es aber weiter, dann macht

00:15:56: man da die Tür zu und dann schreit

00:15:58: aber schon der nächste Patient und

00:16:00: reißt an seinen Zugängen und

00:16:02: dann war's das.

00:16:03: Das heißt, du hast gar nicht viel

00:16:04: Zeit umzuschalten?

00:16:06: Man muss einfach weitermachen und

00:16:09: man darf jetzt nicht da in irgendein

00:16:11: Loch fallen, weil sonst landet man

00:16:13: schneller im Burnout, als man

00:16:14: trauern kann.

00:16:14: Du hast in deinem Buch geschrieben,

00:16:17: eine Situation, dass ab und an dein

00:16:18: Mann dich abholt von der

00:16:20: Klinik und du aber lieber mit den

00:16:22: Öffentlichen fährst, weil du dann

00:16:23: einfach länger bist und

00:16:25: eine Situation, da war deine

00:16:26: Schwester, glaube ich, dabei und du

00:16:28: hattest einen ganz schrecklichen Tag

00:16:29: und willst du kurz erzählen,

00:16:31: wie das war?

00:16:32: Ja, voll. Also meine Schwester und

00:16:33: mein Mann haben mich zusammen

00:16:34: abgeholt und ich setze mich halt so

00:16:36: ins Auto und mein Mann fragt mich

00:16:37: so, und wie war dein Tag?

00:16:38: Ich sag so, ja der eine Patient ist

00:16:39: gestorben und der andere, ja, das

00:16:41: ist halt so gut wie tot.

00:16:42: Und ich sag das halt so ganz salopp,

00:16:44: weil das ist die Wahrheit.

00:16:46: Und dann ist es so ganz still und

00:16:49: meine Schwester schaut so meinen

00:16:50: Mann an und sagt so, und wie geht's

00:16:52: dir damit, wenn sie so redet?

00:16:54: Und er so, ich hab mich schon dran

00:16:55: gewöhnt.

00:16:56: Da ist mir das erste Mal

00:16:58: bewusst geworden, das

00:17:00: ist eigentlich voll Banane, was ich

00:17:02: da erlebe.

00:17:03: Blut aus Kehlen spritzen,

00:17:06: Menschen sterben.

00:17:07: Das ist für mich Alltag und

00:17:09: ich gehe danach essen, als wäre

00:17:10: nichts.

00:17:12: Und wenn ich das dann aber erzähle,

00:17:14: das is halt voll zutiefst

00:17:15: erschütternd. Da habe ich mir

00:17:17: gedacht, der traumatischste Tag von

00:17:19: manchen Menschen ist mein Alltag.

00:17:21: Und das hat dann schon auch ein

00:17:22: bisschen so meine Perspektive

00:17:24: geändert und ich beschreibe auch im

00:17:25: Buch irgendwo, manchmal sehe ich so

00:17:27: das Spital einfach so im Querschnitt

00:17:29: und ich denke mir, wie so ein

00:17:30: Wimmelbuch muss man sich das

00:17:32: vorstellen.

00:17:34: Wenn ich so einen Urinbeutel leere,

00:17:35: denke ich mir so, wenn mich jetzt

00:17:36: jemand von draußen sehen könnte, die

00:17:38: würden doch denken, ich bin komplett

00:17:39: bekloppt, was mache ich da?

00:17:41: Oder in einem anderen Zimmer hat ein

00:17:42: Kollege den Finger im Hintern von

00:17:44: jemandem. Es wird reanimiert und

00:17:46: dort wird ein Kind geboren, im

00:17:47: nächsten Zimmer stirbt vielleicht

00:17:48: ein Kind. Und das ist einfach so

00:17:50: ein Ort, wo so viel auf einmal

00:17:52: passiert, was

00:17:54: so außerhalb der Regel ist,

00:17:56: vom alltäglichen Leben, dass

00:17:58: es wirklich komplett verrückt ist.

00:18:00: Und dann denke ich mir so, dieser

00:18:01: Beruf ist einfach nur komplett

00:18:02: wahnsinnig.

00:18:04: Also ich glaube, ich werde jetzt

00:18:06: jedes Mal, wenn ich ihn gerade noch

00:18:07: sehe, an das Wimmelbild denken.

00:18:08: Du wolltest ganz gerne noch was

00:18:10: vorlesen aus deinem Buch, dann

00:18:11: könnten wir das jetzt tun und danach

00:18:12: gibt es auch noch die Möglichkeit,

00:18:13: Fragen zu stellen.

00:18:14: Also mein Buch ist ja auch eine

00:18:15: Liebeserklärung und der

00:18:17: Großteil ist Beschwerde,

00:18:20: aber dann am Ende ist ein bisschen

00:18:22: eine Liebeseklärung drin und ich

00:18:24: wollte einen kleinen Abschnitt davon

00:18:25: vorlesen.

00:18:27: Eine Liebeserkklärung.

00:18:28: Warum Pflege dennoch der schönste

00:18:30: Job der Welt ist.

00:18:32: Manchmal wünschte ich mir, dass

00:18:33: jemand auf Pause drückt und das

00:18:34: gesamte Krankenhaus in der Hälfte

00:18:36: durchschneidet.

00:18:38: Diesen Querschnitt würde ich dann im

00:18:39: Detail betrachten wollen.

00:18:41: Wie ein großes Wimmelbuch.

00:18:42: Jede Abteilung, jede Station,

00:18:45: jedes Patientinnenzimmer – ich habe

00:18:47: schon einen komischen Beruf, oder?

00:18:49: Ich arbeite an einem speziellen Ort.

00:18:51: In diesem Querschnitt würde ich

00:18:52: lachende und weinende Menschen

00:18:54: sehen. Ich würde eine Pflegerin

00:18:56: sehen, die gerade zaghaft eine

00:18:57: Patientin den Finger in den

00:18:59: Allerwertesten steckt.

00:19:01: Anderswo erfolgt eine Reanimation,

00:19:03: während im Nebenraum eine Mutter mit

00:19:05: ihrem Neugeborenen zusammengeführt

00:19:07: wird.

00:19:07: Ein Pfleger sieht

00:19:09: genauestens den Urin einer Patientin

00:19:11: an und zeitgleich amputiert

00:19:13: ein Stockwerk höher ein Arzt zwei

00:19:15: Zehen, neben einer fassungslosen

00:19:16: Pflegerin, die ihren Augen nicht

00:19:18: traut.

00:19:19: An einem Ort werden gerade

00:19:20: Patientinnen gewaschen und geduscht,

00:19:22: während woanders Schokolade

00:19:23: verschenkt wird.

00:19:24: Im nächsten Zimmer empfängt ein

00:19:26: Patient seine heimliche Geliebte.

00:19:29: Ein Raum weiter umarmt sich innig

00:19:30: eine Familie, während die Maschinen

00:19:32: abgedreht werden und Stille

00:19:34: einkehrt. Das ist der Alltag.

00:19:36: Und vielleicht noch ein spannendes

00:19:37: Fun-Fact: Den Mikro-Feminismus habe

00:19:39: ich in meinem Buch tatsächlich

00:19:40: betrieben.

00:19:41: Nämlich, sobald...

00:19:43: Es wird nicht gegendert in Büchern.

00:19:44: Ich hätte sehr gerne gegendert.

00:19:46: Aber es ist jede Pflegekraft

00:19:48: als Pflegerin, jede Patientin

00:19:50: als Patientin beschrieben.

00:19:50: Sehr cool,

00:19:53: wunderbar.

00:19:55: Vielen Dank, liebe Hatice, das war

00:19:56: eine wunderschöne Überleitung zu

00:19:58: der Frage- oder Kommentarrunde.

00:20:01: Ihr könnt jetzt gerne Fragen

00:20:02: stellen, wollt ja irgendwas

00:20:03: spezielles wissen.

00:20:04: Mikrofon kommt, Lara.

00:20:06: Danke, liebe Vera.

00:20:07: Danke, liebe Hatice, für diese

00:20:09: wirklich tolle Runde.

00:20:09: Welche Art der Wertschätzung wünscht

00:20:12: ihr Pflegekräfte euch von der

00:20:13: Gesellschaft, aber vielleicht auch

00:20:15: von uns Angehörigen oder aber

00:20:17: auch Patientinnen?

00:20:19: Ist es die Pralinenschachtel

00:20:21: oder sagst du, oh, nee, da kriegen

00:20:22: wir jeden Tag fünf?

00:20:23: Sind es die 100 Euro, sind die

00:20:25: vielleicht nicht angebracht oder ist

00:20:27: es vielleicht einfach ein Danke?

00:20:29: Ich werde diese Frage tatsächlich

00:20:30: sehr oft.. die wird mir sehr oft

00:20:32: gestellt.

00:20:33: Also ein Danke geht unglaublich

00:20:37: long way.

00:20:38: Also wirklich ein Danke geht ganz,

00:20:39: ganz weit.

00:20:40: Geld darf in den meisten Fällen, um

00:20:42: drauf einzugehen, nicht angenommen

00:20:44: werden. Wir dürfen kein Bares

00:20:45: annehmen.

00:20:46: Aber was meine Erfahrung auch ist,

00:20:48: vor allem im Sommer, kommt Eis

00:20:50: unglaublich gut an.

00:20:51: Also das ist wirklich immer eine

00:20:52: super Abkühlung zwischendurch und

00:20:54: tut auch nochmal den Glucosespiegel

00:20:56: steigern, da hat man Kraft für den

00:20:58: nächsten Patienten.

00:20:59: Aber was man auch immer sehr gerne

00:21:01: machen kann, ist einfach die Station

00:21:02: direkt fragen.

00:21:03: Bei uns auf der Station ist es halt

00:21:04: wirklich Eis und wenn man wirklich

00:21:06: was schenken möchte, wir haben

00:21:07: Grillplatten bekommen, weil wir

00:21:09: jemanden hatten, der ein Lokal in

00:21:11: Wien hatte, der lag bei uns halt

00:21:12: vier Wochen und da haben seine

00:21:13: Verwandten uns einfach drei

00:21:15: Grillplatten gebracht.

00:21:16: Es war auch super, für eine Woche

00:21:18: Essen auf Station, da musste man

00:21:19: kein Mittagessen mitnehmen.

00:21:22: Okay, Hatice, wenn du jetzt nach

00:21:23: vorne guckst, wenn wir mal weggehen

00:21:24: von dem rein Rationalen

00:21:26: und wenn du dir sowas wünschen

00:21:27: könntest, nicht zum Danken, aber

00:21:29: wenn du dir wünscht, gerade für

00:21:31: die DACH-Region, wo wir doch so

00:21:33: viele Probleme haben,

00:21:35: einfach manchmal nur Mensch zu sein,

00:21:37: wenn du jetzt träumen kannst, was

00:21:38: würdest du dir wünschen, wie soll

00:21:40: Pflege in zehn Jahren deiner

00:21:42: Meinung nach aussehen und auch

00:21:43: Intensivpflege, weil das ist ja so

00:21:44: dein Steckenpferd?

00:21:46: Also Pflege soll so aussehen,

00:21:48: dass kein Preisschild an

00:21:50: der Gesundheit von Menschen hängt.

00:21:52: Das ist wirklich einfach etwas, das

00:21:53: mir sehr, sehr am Herzen liegt.

00:21:55: Es wird gespart an allen Ecken und

00:21:57: Kanten. Es werden keine Bluttests

00:21:59: durchgeführt, weil sie angeblich zu

00:22:00: teuer sind.

00:22:01: Wir leben in den reichsten Ländern

00:22:03: der Welt. Ich finde es tatsächlich

00:22:04: sehr beschämend, dass wir an der

00:22:05: Gesundheit der Menschheit sparen.

00:22:07: Und darüber hinaus auch sehr

00:22:09: geprägt durch meine eigene

00:22:11: Erfahrung als Patientin durch

00:22:13: die Geburt meiner Tochter: Ich hatte

00:22:15: leider einen Notfallkaiserschnitt.

00:22:16: Die Gesundheit von Frauen ist

00:22:19: einfach hochproblematisch.

00:22:21: Sie wird nicht ernst genommen.

00:22:22: Es gibt keine adäquate Behandlung

00:22:24: von frisch gebackenen Mamas

00:22:27: oder von Kaiserschnittpatientinnen.

00:22:29: Das ist eine riesige OP-Wunde,

00:22:31: die man da hat. Und nach jeder OP

00:22:32: bekommt man Physiotherapie, aber

00:22:35: nach einer Kaisermschnitt gibt es

00:22:36: keine Physiotherapie.

00:22:37: Das ist einfach absolut absurd.

00:22:39: Mir war dieser lack nicht

00:22:41: bewusst, bis ich nicht selbst

00:22:42: Patientin war, obwohl meine zweite

00:22:44: Bachelorarbeit um das Thema ging,

00:22:46: dass Frauen eine schlechtere

00:22:47: Gesundheitsversorgung bekommen.

00:22:49: Ein großer Punkt ist eben, dass an

00:22:50: gar keiner Gesundheit ein

00:22:52: Preisschild hängen sollte.

00:22:54: Aber das Herzensanliegen, das ich

00:22:56: wirklich habe und ich glaube auch

00:22:57: viel in meinem Karriereweg,

00:23:00: sich dorthin bewegen wird, ist, sich

00:23:01: um die Gesundheit von Frauen zu

00:23:03: kümmern tatsächlich.

00:23:03: Wunderbar.

00:23:04: Herzlichen Dank, Hatice, dass du

00:23:06: gekommen bist und einen ganz tollen

00:23:08: Applaus.

00:23:28: Danke, dass du dabei warst.

00:23:29: Wenn dir die Folge gefallen hat,

00:23:31: schenk uns ein Like und empfehle uns

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