Empathische Führung. Wie wir die (Arbeits-)Welt mit Mitgefühl revolutionieren

Shownotes

Führungskräfte tragen eine größere Verantwortung für die Gesellschaft, als sie bisher angenommen haben. Warum? Weil „jede Unternehmenskultur immer ein Stück weit die gesellschaftliche Kultur mitprägt“, so Hara.

Die erfahrene Führungskraft Lunia Hara hat den Begriff und das Konzept der Empathischen Führung maßgeblich geprägt. In diesem Live-Gespräch erläutert sie, wie die vier Säulen Menschlichkeit, Offenheit, Feedback und Selbstreflexion des Konzepts dazu führen, dass Menschen gerne und produktiv arbeiten.

**Das Konzept der Empathischen Führung basiert auf vier Säulen: **

  1. Menschlichkeit: Hierbei dreht sich alles um die Fragen „Was sind deine Bedürfnisse? Was sind deine Ziele? Und wie kann ich dich dabei unterstützen, sie zu erreichen?” Menschlichkeit bedeutet auch, die Verantwortung des Unternehmens gegenüber den Menschen in seinem Umfeld mitzudenken.
  2. **Offenheit **bedeutet für Lunia Hara, sich selbst zu zeigen. „Gerade als Führungskraft ist Offenheit sehr wichtig. Sie ist immer das beste Mittel, um schnell Vertrauen aufzubauen.“
  3. Feedback zu geben bedeutet, Menschen in ihrer persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung zu unterstützen. „Feedback ist Fürsorge – ohne kritisches Feedback gibt es kein Wachstum.“ Das Selbstverständnis einer Führungskraft muss laut Hara deshalb sein: „Ich gebe dir Feedback, weil ich mich für deine Weiterentwicklung interessiere.“
  4. Selbstreflexion: Sie dient sowohl dem Team als auch der empathischen Führungskraft. Warum entstehen Konflikte? Wo gibt es Missverständnisse? Es lohnt sich immer, zu fragen: „Was ist eigentlich mein Anteil daran?”

Die Folge macht deutlich: Menschen wollen gute Leistungen erbringen. Sie wollen dies jedoch unter guten Bedingungen tun. Ist das zu viel verlangt?

**Weiterführende Links: **

BUCH: Empathische Führung - Wie wir die Arbeitswelt mit Mitgefühl revolutionieren

INTERVIEW für herCAREER: Mit empathischer Führung zu einer besseren (Arbeits-)Welt

Über herCAREER Voice

Der Podcast herCAREER Voice liefert wertvolle Einblicke in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, immer verknüpft mit persönlichen Erfahrungen und vor allem aus weiblicher Perspektive. Wechselnde Moderator:innen und Gäst:innen aus unterschiedlichen Unternehmen, Redaktionen und Arbeitsumfeldern bieten vielseitige und praxisnahe Erfahrungswerte für die Hörer:innen. https://www.her-career.com/podcast

herCAREER ist die führende Plattform für die weibliche Karriere. Hier erwartet dich ein einzigartiges Netzwerk mit individuellen Job-Chancen und jede Menge inspirierendem Content wie Podcasts, Vorträgen und Panels live auf herCAREER Expo oder online im Rahmen unserer herCAREER Academy. Wir heißen alle Menschen willkommen – im Besonderen Frauen, denen wir die Chance geben, von diesem besonderen Möglichkeitsraum zu profitieren. https://www.her-career.com

Dieses Gespräch wurde im Rahmen der herCAREER Expo 2025 aufgezeichnet und als Podcast aufbereitet. Mehr über die herCAREER Expo unter www.her-career.com/expo

Projektleitung: Natascha Hoffner
Redaktion: Kristina Appel
**Produktion: **Bernhard Hiergeist

Transkript anzeigen

00:00:00: Wenn wir jetzt über Nachhaltigkeit

00:00:02: sprechen in Unternehmen, diese

00:00:03: Gesetze, und dann wird aber

00:00:05: immer nach Lücken gesucht.

00:00:07: Aber indem man versucht, das Minimum

00:00:09: zu machen, was uns irgendwie der

00:00:10: Gesetzgeber vorgibt, schaden

00:00:12: wir uns am Ende selbst.

00:00:15: Ich finde, wir sollten bei jeder

00:00:17: Katastrophe, die passiert,

00:00:19: auch die Führungskräfte, die dafür

00:00:20: verantwortlich waren, mitbenennen,

00:00:22: weil jede Führungsentscheidung

00:00:24: hat das Potenzial, eine

00:00:26: Auswirkung zu haben auf Menschen,

00:00:28: auf Gesellschaft und auf unsere

00:00:30: Umwelt.

00:00:45: Willkommen beim HerCareer Podcast.

00:00:48: Du interessierst dich für aktuelle

00:00:49: Diskurse aus Wirtschaft,

00:00:51: Wissenschaft, Politik und

00:00:52: Gesellschaft und das insbesondere

00:00:54: aus einer weiblichen Perspektive?

00:00:56: Vielleicht wünschst du dir

00:00:57: persönliche Einblicke in den

00:00:58: Arbeitsalltag von Menschen und

00:00:59: Unternehmen, die sich dem

00:01:00: gesellschaftlichen und

00:01:01: wirtschaftlichen Wandel stellen?

00:01:03: Dann bist du hier genau richtig.

00:01:09: Führungskräfte tragen eine größere

00:01:11: Verantwortung für die Gesellschaft,

00:01:12: als sie bisher angenommen haben.

00:01:14: Warum? Weil sich Work und

00:01:16: Life eben nicht trennen lassen.

00:01:19: Auch wenn wir das gerne möchten.

00:01:20: Darum plädiert Lunia Hara für

00:01:22: empathische Führung.

00:01:24: Die Autorin und Expertin hat den

00:01:25: Begriff und das Konzept maßgeblich

00:01:27: geprägt.

00:01:28: In diesem Live-Gespräch erläutert

00:01:30: sie, was empathische Führung im Kern

00:01:32: bedeutet, warum sie weder

00:01:34: weich noch einfach in der Umsetzung

00:01:35: ist. Und natürlich geht sie auch

00:01:37: darauf ein, wie und warum ein

00:01:39: empathisches Miteinander dazu führt,

00:01:41: dass Menschen gerne und produktiv

00:01:43: arbeiten.

00:01:57: Hallo zusammen!

00:01:59: Schön, dass ihr hier seid.

00:02:01: Ich bin Silvie Feist und ich

00:02:03: sitze hier mit Lunia Hara und es

00:02:05: geht um das Thema empathische

00:02:07: Führung.

00:02:08: Sehr schön, dass ihr da seid.

00:02:09: Lunia, du bist für mich eine Frau

00:02:11: der Stunde mit diesem Thema.

00:02:14: Du bist nicht nur Expertin

00:02:16: für empathische Führung,

00:02:18: sondern du hast den Begriff im

00:02:20: Deutschen sogar geprägt.

00:02:22: Also es ist in gewisser Weise dein

00:02:24: Begriff.

00:02:25: Und er zieht jetzt in die Welt

00:02:27: und ich glaube, das wird uns allen

00:02:28: gut tun, wenn das klappt.

00:02:31: Und dein Buch verspricht aber noch

00:02:32: mehr als sympathische Führung,

00:02:34: denn im Untertitel heißt es "Wie

00:02:36: wir die Arbeitswelt mit Mitgefühl

00:02:39: revolutionieren".

00:02:40: Du bist lange Director

00:02:42: Project Management bei Diconium

00:02:45: gewesen, einer VW-Tochter,

00:02:47: hast da mehrere Teams geleitet,

00:02:49: aber auch diverse Teams geleitet.

00:02:51: Deine Themen sind

00:02:53: moderne Führung, Diversity und

00:02:55: Kulturwandel.

00:02:57: Warum glaubst du, braucht unsere

00:02:59: Arbeitswelt diese Revolution?

00:03:02: Ich glaube, die Antwort haben hier

00:03:03: alle, die hier stehen, schon mal

00:03:04: gegeben, weil die Menschen sehnen

00:03:07: sich nach empathischer Führung, nach

00:03:09: Menschlichkeit, nach einem

00:03:11: anderen Miteinander,

00:03:13: nicht nur am Arbeitsplatz,

00:03:15: sondern auch in unserer

00:03:16: Gesellschaft.

00:03:17: Und empathische Führung braucht es,

00:03:19: weil es eben diesen

00:03:21: Kitt aufzeigt,

00:03:23: dass empathische führung, da geht es

00:03:25: eben nicht nur um diesen einen

00:03:27: Mitarbeitenden, dass es ihm oder

00:03:29: ihr gut geht oder die glücklich ist

00:03:31: und dass das Unternehmen Leistung

00:03:33: erbringt, sondern es geht auch

00:03:34: darum, wie wollen wir eigentlich

00:03:36: das Miteinander gestalten, welches

00:03:38: auch auf unsere Gesellschaft

00:03:41: ausstrahlt.

00:03:42: Und ich möchte eigentlich mit diesem

00:03:44: Buch aufzeigen, dass wir

00:03:46: Führung bislang viel zu

00:03:48: kurz, viel zu klein denken, und

00:03:51: dass Führungskräfte eigentlich eine

00:03:53: viel größere Verantwortung haben,

00:03:55: als sie bislang annehmen.

00:03:57: Und jede Unternehmenskultur

00:04:00: prägt immer ein Stück weit

00:04:02: die gesellschaftliche Kultur

00:04:04: mit.

00:04:05: Und wer das halt bis heute noch

00:04:07: nicht verstanden hat, ist einfach

00:04:08: als Führungskraft im falschen

00:04:10: Job.

00:04:11: Weil diese Trennung von

00:04:14: Arbeit und Privat,

00:04:16: die gab es noch nie.

00:04:18: Die hat man uns zwar allen

00:04:20: beigebracht, dass es halt wichtig

00:04:22: ist, dass das sein muss, aber die

00:04:24: gibt es partout nicht, weil die

00:04:25: Menschen, die im Unternehmen sind,

00:04:27: sind die gleichen Menschen,

00:04:29: die auch Teil der Gesellschaft sind.

00:04:31: Und wenn ich im Unternehmen als

00:04:33: Führungskraft Menschlichkeit,

00:04:35: Empathie und ein gutes Miteinander

00:04:37: vorlebe, dann bringe

00:04:39: ich den Menschen gleichzeitig auch

00:04:41: bei, wie sie mit anderen,

00:04:43: mit Kolleginnen umgehen sollen,

00:04:45: aber wie sie vielleicht auch im

00:04:46: privaten Bereich mit anderen

00:04:48: Menschen umgehen.

00:04:51: Du sprichst von vier Säulen, die

00:04:53: zentral sind, um empathisch zu

00:04:55: führen.

00:04:56: Kannst du erklären, wie sich das für

00:04:57: dich aufteilt?

00:04:59: Ganz wichtig, also empathische

00:05:01: Führung ist ein Konzept, weil es

00:05:03: gibt halt viele Menschen, die immer

00:05:04: denken, ach, es geht um Empathie,

00:05:07: Gefühle und sich in andere

00:05:09: rein zu versetzen.

00:05:10: Ich habe es verstanden, ich muss

00:05:11: nichts lernen.

00:05:13: Hinter empathischer Führungen steht

00:05:15: ein Konzept

00:05:17: und das basiert auf vier Säulen,

00:05:19: die ich halt für wichtig ausgemacht

00:05:20: habe, um zwischenmenschliche

00:05:22: Beziehungen zu verbessern

00:05:24: und eine Führungskraft

00:05:26: hat, es ist eigentlich am Ende auch

00:05:28: eine Beziehung zu einer anderen

00:05:30: Person, die ich halt zu meinen

00:05:31: Mitarbeitenden habe.

00:05:32: Und die gestalten sich gar nicht so

00:05:35: anders als auch im Privaten

00:05:37: auch.

00:05:37: Das heißt, die erste Säule ist

00:05:39: Menschlichkeit.

00:05:41: Da geht es halt darum, zu schauen,

00:05:44: die anderen Menschen auch zu sehen,

00:05:46: wirklich zu sehen.

00:05:46: Was sind deine Bedürfnisse?

00:05:48: Aber da gehört auch dazu, was sind

00:05:49: deine Ziele?

00:05:51: Und wie kann ich dich unterstützen,

00:05:52: diese Ziele zu erreichen?

00:05:54: Weil, egal in welcher Beziehung

00:05:57: ich gerade bin, ob es jetzt

00:05:59: romantisch oder am Arbeitsplatz oder

00:06:00: im Freundinnenkreis, wenn

00:06:02: ich mich nicht gesehen fühle

00:06:05: mit meinen Problemen,

00:06:07: mit meinen Bedürfnissen und meinen

00:06:08: Wünschen, wird, je egal,

00:06:11: welche Beziehung es ist, die wird

00:06:12: nicht funktionieren oder

00:06:14: schwierig funktionieren.

00:06:16: Und deswegen ist da halt das Thema

00:06:18: Menschlichkeit eine große

00:06:20: Säule, aber Menschlichkeit

00:06:22: geht halt da nochmal ein Stück

00:06:23: größer, wenn wir halt über

00:06:26: Verantwortung von Unternehmen zu

00:06:28: denken, sondern wer ist halt der

00:06:30: Mensch im Unternehmenskontext?

00:06:32: Und da definiere ich jeden Menschen,

00:06:35: der entlang meiner

00:06:35: Wertschöpfungskette betroffen

00:06:38: sein könnte.

00:06:39: Das heißt, wir müssen uns auch

00:06:40: verantwortlich zeigen, nicht nur

00:06:42: jetzt, dass es meinen Mitarbeitenden

00:06:44: gut geht, sondern halt auch,

00:06:46: wer ist denn noch da dran?

00:06:48: Das heißt, wenn ich mit meiner

00:06:49: Arbeit irgendwie einen

00:06:51: Einfluss auf die Gesellschaft habe

00:06:54: oder auf andere Menschen oder auch

00:06:55: Menschen auf einem anderen

00:06:56: Kontinenten, dann sollte

00:06:58: ich das auch mit bedenken,

00:07:00: dass sich am Ende alle Menschen

00:07:02: gesehen fühlen und auch in

00:07:04: ihren Bedürfnissen unterstützt

00:07:06: werden, auch wenn sie halt eben

00:07:08: woanders sind.

00:07:09: Ich glaube, wir müssen einfach

00:07:11: verstehen, dass Führungskräfte,

00:07:13: die haben einfach eine größere

00:07:15: Verantwortung. Und ich saß

00:07:17: vor kurzem, vor ein paar Tagen mit

00:07:18: einem CEO beim Lunch.

00:07:21: Und das ist jemand, der halt meinem

00:07:23: Thema wohlgesonnen ist, offen

00:07:24: ist und lernen will.

00:07:26: Und auch da musste ich halt

00:07:28: erklären, als ich meinte,

00:07:30: naja, dass halt jetzt Führungskräfte

00:07:33: mit schuld sind am Klimawandel.

00:07:36: Und er war verdutzt, meinte so:

00:07:38: Wieso? Dann sag ich, na ja,

00:07:40: jede Klimakrise, die wir haben,

00:07:42: sofern es jetzt kein Erdbeben ist,

00:07:44: was naturgegeben ist, da ist

00:07:45: irgendeine Führungsentscheidung

00:07:47: vorangegangen. Darüber diskutieren

00:07:49: wir aber nicht. Wir sprechen über

00:07:50: Überschwemmungen, als sei das

00:07:53: naturgegeben und wir nehmen es so

00:07:54: hin. Das ist aber nicht

00:07:56: naturgegegen.

00:07:57: Das sind Führungsentscheidungen

00:07:59: gewesen, dass bestimmte

00:08:01: Geschäftsmodelle schädlich sind

00:08:03: für unsere Umwelt.

00:08:04: Das wissen wir ja schon seit

00:08:06: Jahrzehnten.

00:08:07: Da gibt es zig Studien dazu.

00:08:09: Da haben Wissenschaftler davor

00:08:12: gewarnt.

00:08:13: Und trotzdem haben irgendwelche

00:08:15: Führungskräfte irgendwann

00:08:16: entschieden: Wir machen es

00:08:18: trotzdem.

00:08:19: Wir ignorieren diese Warnungen.

00:08:21: Und wenn wir jetzt über Nachhaltigkeit

00:08:23: sprechen in Unternehmen, diese

00:08:25: Gesetze, das sind ja letztendlich,

00:08:27: es gibt ja so, ich sag mal,

00:08:30: gesetzlich vorgeschriebene

00:08:32: Menschlichkeit.

00:08:33: Das ist ja eigentlich der Versuch,

00:08:35: irgendwo eine Menschlichkeit den

00:08:36: Leuten per Gesetz vorzudefinieren.

00:08:39: Und dann wird aber

00:08:41: immer nach Lücken gesucht,

00:08:43: das zu umgehen.

00:08:45: Aber mit diesen Lücken, in denen man

00:08:47: versucht, das Minimum zu machen, was

00:08:49: uns irgendwie der Gesetzgeber

00:08:50: vorgibt, schaden wir uns

00:08:52: am Ende selbst.

00:08:55: Und all das, was wir haben,

00:08:57: ich finde, wir sollten bei

00:08:59: jeder Katastrophe, die passiert,

00:09:01: auch die Führungskräfte, die dafür

00:09:03: verantwortlich waren, mitbenennen.

00:09:05: Und wir müssen das anfangen,

00:09:07: mitzudiskutieren.

00:09:09: Jede Führungsentscheidung

00:09:11: hat das Potenzial.

00:09:13: Eine Auswirkung zu haben auf

00:09:14: Menschen, auf Gesellschaft und auf

00:09:16: unsere Umwelt.

00:09:18: Es gab ja oft so das Bestreben,

00:09:20: das Menschelnde aus

00:09:23: dem Unternehmen rauszuhalten,

00:09:25: das so als Befindlichkeit abzutun

00:09:27: und das gehört jetzt hier nicht hin,

00:09:30: also mach nicht so viel Privates,

00:09:31: und es wurde ja auch Frauen häufig

00:09:33: dann vorgeworfen, dass

00:09:35: die gerade diejenigen sind, die dann

00:09:37: oversharing sind und

00:09:39: zu viel von ihrem Wochenende

00:09:41: oder vom Liebeskummer oder was auch

00:09:43: immer reden.

00:09:44: Warum funktioniert das so nicht?

00:09:46: Ich sag's mal, direkt, wie es ist:

00:09:47: Indem man solche Dinge sagt,

00:09:50: trainiert man den Menschen im

00:09:52: Unternehmen Empathie

00:09:54: ab. Und wenn wir das Tag für

00:09:56: Tag zulassen, Tag für Tag

00:09:57: tun, über mehrere Jahre,

00:09:59: da müssen wir uns nicht wundern,

00:10:01: dass die gleichen Menschen in

00:10:03: unserer Gesellschaft bestimmte

00:10:04: Probleme nicht sehen oder nicht

00:10:06: in der Lage sind, auf andere

00:10:07: Menschen zuzugehen.

00:10:08: Weil wir gelernt haben,

00:10:10: schau weg, hör nicht zu

00:10:12: und unterdrück dein menschliches

00:10:14: Gefühl, was vielleicht in einer

00:10:16: bestimmten Situation nun mal

00:10:18: aufkommt.

00:10:19: Wenn ich in ein Unternehmen reingehe

00:10:21: und da junge Männer auf mich

00:10:22: zukommen und sagen, mich

00:10:24: an die Seite nehmen nach einem

00:10:26: Vortrag und sagen, ich habe da so

00:10:27: ein komisches Gefühl, weil es wird

00:10:29: Folgendes von mir erwartet und

00:10:31: wollen dann von mir einen Ratschlag

00:10:33: hören. Ja, was soll ich dem jungen

00:10:34: Mann sagen? Ich sage, es

00:10:37: zeigt sich, dass du Werte in dir

00:10:38: hast und merkst, die sind

00:10:41: konträr zu dem, was von deiner

00:10:43: Arbeit, von deiner Position erwartet

00:10:45: wird. Irgendwann musst du natürlich

00:10:46: selber entscheiden, willst du diesen

00:10:48: Weg gehen der Anpassung.

00:10:51: Aber das heißt, du musst dann

00:10:52: irgendwann dieses Gefühl, was da in

00:10:54: dir jetzt noch da ist und hochkommt,

00:10:56: anfangen zu unterdrücken, um

00:10:58: erfolgreich zu sein, um

00:11:00: zu funktionieren.

00:11:01: Wir sind alle mit Empathie geboren.

00:11:04: Ja, und es ist eigentlich,

00:11:05: Unternehmen bringen uns

00:11:07: bei, halt konträr zu dem zu handeln,

00:11:09: wie wir eigentlich sind.

00:11:11: Und gerade Frauen wird eigentlich

00:11:13: auch genau das leider abgesprochen

00:11:15: und wir haben seit Jahrzehnten

00:11:16: geglaubt, wir wären nicht für

00:11:18: Führung gedacht und wir können das

00:11:20: nicht, weil wir eben nicht

00:11:22: hart genug sind oder es

00:11:24: uns eingeredet wurde und uns

00:11:26: irgendwann selber, ich mir selber

00:11:27: auch eingeredet habe, ich bin viel

00:11:28: zu weich für diesen Job und

00:11:30: ich sage so verdammt nochmal: Nein

00:11:32: und es ist gut, dass

00:11:34: ich weich bin, weil ich dann die

00:11:36: Dinge sehe, die andere nicht sehen

00:11:38: und vielleicht Entscheidungen anders

00:11:39: fälle, als wenn ich

00:11:41: mir meine ganzen Emotionen

00:11:43: unterdrücken würde.

00:11:44: Und das sollten wir uns nicht mehr

00:11:45: gefallen lassen und lieber

00:11:47: zurückfragen, was ist so schlimm

00:11:48: daran, dass wir halt Emotionen

00:11:50: haben, dass wir vielleicht soft

00:11:52: sind, dass wir dann dadurch

00:11:53: gezwungen sind, zweimal zu

00:11:55: überlegen, bevor wir eine

00:11:57: Entscheidung fällen.

00:11:59: Das bringt uns ganz wunderbar

00:12:02: zu der zweiten Säule, die du

00:12:03: ausgemacht hast, das ist nämlich die

00:12:05: Offenheit.

00:12:07: Eine Menschlichkeit heißt ja,

00:12:09: andere Menschen zu sehen,

00:12:10: wahrzunehmen, aber dazu gehört

00:12:12: halt auch, sich selber zu zeigen.

00:12:15: Damit ich gesehen werde.

00:12:17: Wenn ich nicht in der Lage bin,

00:12:18: meine eigenen Bedürfnisse

00:12:19: mitzuteilen, mache ich es anderen

00:12:21: Menschen ja auch schwer,

00:12:24: dass sie ja auch vielleicht mich

00:12:25: verstehen und erfahren,

00:12:27: was ich eigentlich brauche, um

00:12:29: gut arbeiten zu können.

00:12:31: Und da fängt es halt an, bei kleinen

00:12:33: Sachen sich mitzuteilen, wie

00:12:35: geht es mir heute, wie fühle ich

00:12:37: mich, was brauche ich.

00:12:39: Und da auch diese Offenheit am

00:12:40: Arbeitsplatz mitzubringen

00:12:42: und das zu wagen.

00:12:43: Aber gerade als Führungskraft ist

00:12:46: Offenheit ganz wichtig,

00:12:48: weil Offenheit, sage ich mal,

00:12:50: ist immer mal das

00:12:52: beste Tool, was man

00:12:54: eigentlich anwenden kann, wenn man

00:12:55: ganz schnell Vertrauen

00:12:58: aufbauen will.

00:12:59: Ich muss mich anderen zeigen, ich

00:13:00: muss mich irgendwo öffnen

00:13:03: und Führungskräften erwarten und

00:13:05: sagen ja oft, du kannst jederzeit zu

00:13:07: mir kommen, du kannst mir alles

00:13:08: erzählen, aber de facto

00:13:10: ist es so, wir fühlen uns als

00:13:12: Menschen unwohl, wenn wir immer

00:13:14: von uns erzählen aber von

00:13:16: einem anderen nicht, und da kann ich

00:13:18: als Führungskraft in die Vorleistung

00:13:20: gehen und mich etwas offener

00:13:22: zeigen und wenn ich sage,

00:13:24: heute bin ich nicht so gut.

00:13:25: Bitte erwart nicht so viel von

00:13:27: mir oder lass uns den Termin kürzer

00:13:29: fassen.

00:13:29: Damit signaliere ich ja direkt

00:13:31: meinem Gegenüber, du darfst das

00:13:33: auch. Und da geht es auch um Fehler

00:13:35: zugeben, Schwächen zugeben.

00:13:37: Wir diskutieren immer so viel über

00:13:39: Fehlerkultur und Schwächen etc.

00:13:41: Wir müssen gar nicht so viel drüber

00:13:43: reden.

00:13:44: Wir müssen es einfach nur tun.

00:13:46: Und indem ich es tue, wenn

00:13:48: ich das mehrmals tue, merken

00:13:49: ja meine Mitarbeitenden so,

00:13:51: oh, sie sagt jedes Mal, wenn es

00:13:53: immer nicht gut drauf ist,

00:13:55: dann sage ich das auch oder sie gibt

00:13:57: ja ihre Schwächen.

00:13:59: Dann tue ich das auch.

00:14:01: Aber da geht es halt auch um andere

00:14:02: Themen wie Bindung,

00:14:05: Offenheit schafft Bindungen und

00:14:07: gerade in diesen Zeiten ist Bindung

00:14:09: so wichtig, weil

00:14:11: viele Menschen sich halt alleine

00:14:12: fühlen, vereinsamt fühlen und

00:14:15: meinen, sie hätten halt viele

00:14:17: persönliche Probleme.

00:14:19: Aus meiner Perspektive gibt es gar

00:14:20: nicht so viele persönlichen

00:14:22: Probleme, weil wenn ich

00:14:24: dir von meinen Probleme erzählen

00:14:26: und du dann sagst, hey,

00:14:28: sowas Ähnliches hatte ich auch,

00:14:30: oder das kenne ich auch und es

00:14:32: ist egal, ich könnte jetzt ein

00:14:33: Problem erzählen und könnte davon

00:14:34: ausgehen, dass mindestens 60 Prozent

00:14:36: hier das auch schon mal erfahren

00:14:38: haben, dann ist das kein

00:14:40: persönliches Problem.

00:14:42: Wir glauben nur, es ist ein

00:14:43: persönliches Problem, weil wir

00:14:45: uns nicht mitteilen, vor

00:14:47: uns hin grübeln und denken,

00:14:50: nur mir geht es so.

00:14:51: Und in dem Moment, wo wir eigentlich

00:14:53: diesen Mut aufbringen, das

00:14:55: anderen zu erzählen, erleichtern

00:14:57: wir uns, weil dann oft kommt ja so,

00:14:59: oh, das kenne ich auch, oder

00:15:01: das habe ich auch erfahren.

00:15:03: Und viele sprechen da ja oft auch

00:15:04: über Schadenfreude, wenn es anderen

00:15:06: Menschen schlecht geht.

00:15:07: Das ist eigentlich gar keine

00:15:09: Schadenfreude.

00:15:10: Man fühlt sich erleichtert,

00:15:12: dass man ja selber, weil man merkt,

00:15:15: ah andere haben das Problem

00:15:17: auch.

00:15:18: Und obwohl das eigene Problem nicht

00:15:20: beseitigt ist, fühlt man

00:15:22: sich schon erleichtert und besser.

00:15:23: Und deswegen ist es gut,

00:15:25: dass wir offener miteinander

00:15:27: umgehen, weil so können wir uns

00:15:29: Hilfe holen, aber wir helfen uns

00:15:32: auch gegenseitig.

00:15:33: Da kommen wir dann zur dritten

00:15:34: Säule, da geht es um was,

00:15:36: was eigentlich in New Work

00:15:38: schon ganz lange so ein Buzzword

00:15:40: ist: Feedback,

00:15:42: also Feedback-Kultur, Feedback

00:15:44: geben.

00:15:45: In Wahrheit ist es

00:15:47: gar nicht so trivial.

00:15:49: Ich glaube, ich war bislang

00:15:51: noch in keinem Unternehmen, ich war

00:15:53: in vielen unterschiedlichen

00:15:54: Unternehmen inzwischen, wo ich

00:15:56: gearbeitet habe, wo man das

00:15:58: Thema Feedback gemeistert hat,

00:16:00: wüsste ich nicht.

00:16:01: Dabei ist es eigentlich so was

00:16:02: Selbstverständliches und dabei

00:16:04: ist es etwas, wo wir alle immer

00:16:06: sagen, ja das ist wichtig, das ist

00:16:08: gut und das müssen wir machen.

00:16:10: Aber de facto hat es eigentlich

00:16:12: keiner so richtig gemeistert.

00:16:14: Es hapert nicht an Methoden.

00:16:16: Da gibt es zig verschiedene.

00:16:19: Und ich glaube, das Problem ist eben

00:16:21: genau das, dass wir zu sehr über

00:16:23: Methoden sprechen,

00:16:25: als über das, warum wir es

00:16:27: eigentlich tun.

00:16:28: Und empathische Führung

00:16:30: definiert Feedback als Fürsorge.

00:16:33: Ich gebe dir Feedback, weil

00:16:35: ich mich für deine Weiterentwicklung

00:16:37: interessiere und daran teilhaben

00:16:39: will. Und deswegen sage ich dir,

00:16:41: wo du gerade stehst, wo du

00:16:43: vielleicht was verbessern kannst.

00:16:44: Und ich glaube, wenn wir das

00:16:46: einmal bei uns im Kopf und

00:16:48: alle miteinander dieses

00:16:50: Selbstverständnis haben,

00:16:52: dass Feedback Fürsorge

00:16:54: ist und etwas ist,

00:16:56: was wir uns um uns tun,

00:16:58: um uns gegenseitig zu helfen bei

00:17:00: unserer persönlichen als auch

00:17:02: fachlichen Weiterentwicklung,

00:17:05: dann wird es uns, glaube ich,

00:17:07: weniger schwerfallen, es zu tun.

00:17:09: Weil das Ziel empathischer

00:17:11: Führung ist immer,

00:17:13: die Weiterentwicklung

00:17:15: des Einzelnen, sei es persönlich

00:17:17: oder fachlich, zu unterstützen.

00:17:19: Das schaffe ich nur mit Feedback.

00:17:22: Und das schaffe aber auch nur, indem

00:17:24: ich in der Lage bin,

00:17:27: auch kritisches Feedback zu geben,

00:17:29: weil ohne kritisches Feedback

00:17:31: eben kein Wachstum ist.

00:17:33: Aber wenn mein Gegenüber als auch

00:17:35: ich selber das gleiche Verständnis

00:17:37: haben und wissen, warum

00:17:39: die Person mir das jetzt sagt und

00:17:41: das Vertrauen da ist, dann

00:17:43: fällt es auch leichter.

00:17:45: Deswegen ist es halt auch wichtig zu

00:17:47: wissen, welche Ziele haben

00:17:49: meine Mitarbeitenden, worauf

00:17:51: arbeiten sie zu?

00:17:52: Weil dann kann ich sagen, Mensch,

00:17:53: dein Ziel ist, du möchtest

00:17:55: dieses große Projekt da übernehmen

00:17:57: oder diesen neuen Kunden.

00:17:59: Dann gebe ich dir natürlich

00:18:00: Feedback, damit du das erreichst

00:18:02: und sage dir, wenn ich das Gefühl

00:18:04: habe, da schwächelt es noch oder

00:18:06: es fehlt dir irgendwie an Wissen.

00:18:08: Und Feedback hat ja auch noch eine

00:18:09: andere Komponente, weil Feedback

00:18:12: ist ja nicht nur das schlechte

00:18:14: Feedback, sondern auch die

00:18:16: positiven Dinge herauszustellen,

00:18:18: weil viele Menschen sind einfach

00:18:20: unsicher und hadern mit sich

00:18:22: selbst, Imposter-Syndrom

00:18:24: etc.

00:18:25: Und wenn wir uns alle gegenseitig

00:18:28: auch mehr loben, öfter loben,

00:18:30: dann helfen wir anderen auch bei

00:18:31: ihrer Selbstsicherheit und

00:18:33: Selbstvertrauen.

00:18:34: Ich glaube, jeder von uns hier,

00:18:36: wenn man sich jetzt im Kollegenkreis

00:18:38: mal so vorstellt, die Kollegen,

00:18:40: die man hat: Es gibt

00:18:43: mindestens eine Sache bei den

00:18:44: Kollegen, wo man weiß,

00:18:46: da könnte sich die Person weiter

00:18:48: verbessern oder etwas besser machen.

00:18:50: Wir haben es uns aber nicht getraut

00:18:51: zu sagen.

00:18:53: Und dann machen die Leute immer

00:18:54: wieder die gleichen Probleme.

00:18:56: Dann geht man zu A und sagt, hast du

00:18:57: die Präsentation von B gesehen

00:18:59: gestern? Ganz schlimm.

00:19:01: Das ist ja das, was dann passiert.

00:19:03: Man meint es nicht böse, aber warum

00:19:05: sagt man es dann nicht direkt?

00:19:07: Und sagt so, ich habe gesehen deine

00:19:09: Prässentation gestern.

00:19:10: Ich kenne da andere Kollegen oder

00:19:12: eine Kollegin, die Ähnliches

00:19:14: macht, aber da sehen die

00:19:15: Präsentationen viel besser aus.

00:19:17: Willst du dich da weiterentwickeln?

00:19:19: Soll ich euch vernetzen?

00:19:20: Oder ich habe da selber das

00:19:23: Wissen, wir können da gerne eine

00:19:25: Session machen.

00:19:26: Und schon hat man dafür gesorgt,

00:19:27: dass die Kollegin beim

00:19:29: nächsten Mal schon besser

00:19:30: präsentiert.

00:19:32: Aber wir fühlen uns eben nicht

00:19:34: verantwortlich für andere.

00:19:36: Alle wollen irgendwie nur mit den

00:19:38: besten Leuten zusammenarbeiten,

00:19:40: aber wissen nicht, dass die besten

00:19:41: Leute eigentlich schon da sind und

00:19:43: wir mit verantwortlich sind,

00:19:45: die weiter zu entwickeln.

00:19:47: Und wenn ich jedem, mit dem ich

00:19:48: arbeite,

00:19:50: regelmäßig Feedback gebe, dann ist

00:19:52: die Person ja in vier Wochen

00:19:54: und in zwei Monaten schon

00:19:56: sehr deutlich besser.

00:19:58: Das heißt, wir halten uns

00:19:59: gegenseitig klein, weil wir uns

00:20:01: eben kein Feedback oder zu wenig

00:20:03: Feedback geben.

00:20:05: Das zu erkennen, da sind wir dann

00:20:06: bei der vierten Säule,

00:20:08: die vierte Säue ist die

00:20:09: Selbstreflektion.

00:20:11: Warum ist die so wichtig?

00:20:13: Wir sind alle, sei es privat oder

00:20:15: beruflich, immer schnell dabei,

00:20:17: beim Gegenüber zu schauen.

00:20:20: Wer hat mich aufgeregt oder

00:20:22: was ist das, da ist ein Fehler

00:20:23: passiert, da waren die anderen

00:20:25: schuld.

00:20:26: Aber gerade in der Führungsarbeit,

00:20:28: es ist immer egal, ob

00:20:30: positiv oder negativ, wer der

00:20:32: Auslöser war, ob man selber schuld

00:20:34: war oder die anderen.

00:20:36: Alles, was passiert, hat immer einen

00:20:37: eigenen Anteil.

00:20:38: Und sich immer zu fragen,

00:20:41: was ist eigentlich mein Anteil dran,

00:20:44: kann helfen, dass man selber sich

00:20:46: viel schneller entwickelt,

00:20:48: weil ich kann natürlich mich selber

00:20:49: viel schneller beeinflussen.

00:20:51: Das machen wir aber zu wenig und

00:20:53: gerade Führungskräfte,

00:20:55: nach dem, was ich so in

00:20:57: meinen Gesprächen immer

00:20:59: mitkriege, machen das einfach

00:21:01: viel zu wenig, zu gucken, was ist

00:21:03: mein Anteil an

00:21:05: diesem,

00:21:07: und dann geht es halt auch weiter zu

00:21:08: schauen, wo kommt das eigentlich

00:21:10: her.

00:21:13: Ich hatte auch eigene

00:21:15: Themen, wo ich

00:21:17: ganz schnell an die Decke ging.

00:21:20: Mir hat es geholfen,

00:21:22: herauszufinden, woher kommt

00:21:24: das eigentlich.

00:21:26: Das heißt, auch wirklich in die

00:21:27: Kindheit zurückzugehen.

00:21:29: Wenn du die Tendenz hast,

00:21:31: kontrollierend zu sein,

00:21:33: oder wenn du die Tendenz hast,

00:21:35: Micromanagement zu betreiben,

00:21:38: hilft es, heraus zu finden, woher

00:21:40: kommt das eigentlich.

00:21:42: Und oft sind diese Ursachen auch

00:21:44: aufgrund von Erziehung oder

00:21:45: Erfahrungen in der eigenen Kindheit.

00:21:47: Und wenn ich das weiß, woher das

00:21:49: kommt, kann ich in dem Moment,

00:21:51: wo mir das bewusst ist, kann ich das

00:21:53: selber, meine Emotionen, die damit

00:21:55: einhergehen, mein Verhalten, was

00:21:57: damit einhergeht, viel

00:21:59: bewusster steuern und

00:22:01: es nicht einfach nur dem Zufall

00:22:04: überlassen.

00:22:05: Und man ist dann halt auch

00:22:07: vielleicht viel milder mit sich

00:22:08: selber.

00:22:09: Oder halt auch mit anderen und

00:22:11: man kann sich auch vielleicht auch

00:22:12: anderen öffnen und erklären,

00:22:14: woher das kommt und gezielter

00:22:16: daran arbeiten.

00:22:18: Du hast vorhin schon mal gesagt,

00:22:19: dass es bei deiner Selbstreflektion

00:22:22: durchaus auch Fragen gab,

00:22:24: ob du nicht zu weich bist.

00:22:26: Ist das jetzt alles zu soft?

00:22:27: Passt das gar nicht ins Unternehmen?

00:22:29: Gerade so in Zeiten, wo in der

00:22:31: Politik jetzt gesagt wird,

00:22:34: die haben alle keine Lust mehr auf

00:22:35: Leistung, vor allem halt auch die

00:22:37: Jüngeren, und wir müssen mehr

00:22:39: arbeiten, wir müssen länger

00:22:40: arbeiten.

00:22:41: Wie gehst du mit diesen Vorurteilen

00:22:43: gegenüber empathischer Führung um?

00:22:45: Ich sehe das...

00:22:46: Da

00:22:48: gibt es viele, einige Vorurteile,

00:22:50: und inzwischen lache ich

00:22:52: tatsächlich darüber.

00:22:54: Gerade die vermeintlich

00:22:56: Starken zeigen eben

00:22:58: halt ihre Schwäche.

00:23:00: Also beim Thema Feedback

00:23:02: zum Beispiel, da tun sich

00:23:04: gerade die eigentlich,

00:23:06: die sehr gerne breitbeinig irgendwo

00:23:08: stehen, schwer mit.

00:23:10: Und warum?

00:23:11: Ja, wenn ich sage, per Definition

00:23:13: als Führungskraft kann ich

00:23:16: jemandem Feedback geben

00:23:18: und bin in der Lage, auf den Tisch

00:23:19: zu hauen, kann das aber nicht.

00:23:22: Dann hat das eigentlich viele auch

00:23:24: mit eigenen Ängsten zu

00:23:26: tun. Es ist auch eine Form von

00:23:28: Unsicherheit.

00:23:29: Aber wenn ich ganz klar bin und bei

00:23:31: mir bin und weiß, warum ich etwas

00:23:33: tue und

00:23:35: dass ich halt jemand weiterentwickeln

00:23:36: will, dann bin ich auch in der Lage,

00:23:39: sehr kritisches Feedback zu geben.

00:23:41: Und weil ich mir auch bewusst bin,

00:23:42: dass kritisches Feedback auch wehtun

00:23:45: kann, weil keiner will hören,

00:23:46: das hast du schlecht gemacht,

00:23:48: das ist immer unangenehm.

00:23:51: Aber wenn meine Intention

00:23:53: dafür mir

00:23:55: bewusst ist, dann kann ich das auch

00:23:57: tun. Und es ist für mich auch

00:23:58: keine Stärke, sondern

00:24:00: eher ein Mitläufertum, sich nicht

00:24:03: damit auseinanderzusetzen als

00:24:05: Führungskraft in diesen Zeiten.

00:24:07: Welchen gesellschaftlichen Beitrag

00:24:09: leiste ich eigentlich mit

00:24:11: meiner Arbeit, mit dem, was wir als

00:24:13: Unternehmen leisten?

00:24:15: Wo können wir eigentlich eine

00:24:17: Veränderung mit bewirken,

00:24:19: zusätzlich zu dem, was wir

00:24:21: tun? Und weil vieles, was man tut,

00:24:24: man sagt ja immer, wir sind ja am

00:24:25: Arbeitsplatz, wir sind ja hier zum

00:24:26: Arbeiten.

00:24:27: Ja, natürlich ist man da zum

00:24:29: Arbeiten.

00:24:30: Die Menschen, die auch da sind,

00:24:32: wollen auch arbeiten, wollen

00:24:34: auch gute Leistung erbringen.

00:24:37: Sie wollen es halt nur unter

00:24:39: guten Bedingungen tun.

00:24:40: Also gerade empathische Führung

00:24:42: kommt eigentlich gerade

00:24:43: leistungsorientierten Menschen zu

00:24:45: Gute.

00:24:46: Und die meisten Menschen sind aber

00:24:48: aus meiner Sicht auch

00:24:49: leistungorientiert.

00:24:50: Nur jeder definiert das halt

00:24:52: anders und manchen ist es halt

00:24:55: wichtiger oder nicht wichtiger.

00:24:57: Ich habe sehr talentierte

00:24:59: Leute in meinem Team gehabt, wo ich

00:25:01: gesagt habe, so hey, du hast das

00:25:03: Zeug zum Director.

00:25:04: Wollen wir da den nächsten Schritt

00:25:06: machen?

00:25:07: Ich unterstütze dich dabei.

00:25:09: Die dann aber ganz klar sagen,

00:25:11: nein, das ist nicht mein Ziel, und

00:25:12: das dann anzuerkennen und

00:25:14: wertzuschätzen und zu sagen, okay,

00:25:16: was brauchst du dann, um weiterhin

00:25:18: motiviert und glücklich zu

00:25:20: sein, das is das, was die Leute

00:25:22: brauchen und nicht einfach links

00:25:24: liegen lassen und sagen, die will ja

00:25:25: eh keine, nicht mehr Verantwortung

00:25:27: übernehmen.

00:25:29: Was kann ich als Impuls

00:25:31: ins Unternehmen geben,

00:25:33: dass eine andere Führung

00:25:34: wünschenswert ist?

00:25:35: Da hat man ja auch gleich Angst, der

00:25:36: eigenen Führungskraft auf die Füße

00:25:38: zu treten, stelle

00:25:40: ich mir vor, je nachdem,

00:25:43: wie es mit der Selbstreflektion der

00:25:45: Führungskraft aussieht, dass das

00:25:46: auch unter Umständen nicht so gut

00:25:48: ankommt. Wie kann man trotzdem so

00:25:49: einen Impuls mitnehmen und ins

00:25:50: Unternehmen geben?

00:25:52: Das eine ist, man kann halt auch das

00:25:54: eigene Bedürfnis...

00:25:55: zu üben, das eigene

00:25:57: Bedürftnis zu äußern.

00:26:00: Und je nachdem, in was für einem

00:26:01: Unternehmen, was man für eine

00:26:02: Führungskraft hat, wie offen

00:26:04: sie sind oder wie weit sie bei

00:26:06: diesem Thema sind, würde ich immer

00:26:07: empfehlen, von der Arbeit

00:26:09: auszugehen.

00:26:10: Das heißt, liebe Führungskraft:

00:26:12: Um besser arbeiten zu können,

00:26:15: brauche ich folgendes,

00:26:17: ja, und oft sind wir zu

00:26:19: sehr beim "Das habe ich

00:26:21: nicht, das kannst du nicht", sondern

00:26:22: zu sagen, "ich möchte gerne hier

00:26:24: arbeiten und ich arbeite sehr gerne

00:26:26: hier und möchte sogar noch mehr

00:26:28: tun, aber dafür brauche

00:26:30: ich A, B, C".

00:26:32: Das ist immer so die

00:26:33: Herangehensweise, die ich empfehle.

00:26:36: Ich habe auch mit einer gesprochen,

00:26:38: die mir erzählt hat, sie

00:26:40: hat mein Buch gelesen, da steht

00:26:42: ein Entwicklungsplan drin.

00:26:43: Aber ich weiß,

00:26:45: dass es halt wirklich, dass

00:26:47: Führungskräfte sich sehr schwer tun

00:26:49: damit, Entwicklungsplänen zu

00:26:51: erstellen und das

00:26:53: Mitarbeitende aber gerne hätten und

00:26:55: ich habe selber jahrelang an diesem

00:26:56: Entwicklungsplan gearbeitet und

00:26:58: habe mit dem selber, mit dem ich

00:27:00: arbeite selber heute noch,

00:27:02: mit exakt dem gleichen

00:27:03: Entwicklungsplan, der in diesem Buch

00:27:04: drin ist.

00:27:05: Und der ist eigentlich für

00:27:07: Führungskräfte gedacht, einmal

00:27:09: scannen, kopieren und

00:27:11: dann kann man sofort damit loslegen.

00:27:14: Sie ist aber selber keine

00:27:16: Führungskraft, sie hat aber diesen

00:27:18: Entwicklungsplan genommen,

00:27:19: sich selber den ausgefüllt, weil das

00:27:21: sind Fragen, die man den

00:27:24: Mitarbeitenden geben soll.

00:27:26: Sie hat die selber ausgeführt,

00:27:28: hat sich bei ihrer Führungskraft

00:27:30: einen Termin eingestellt und hat

00:27:31: gesagt, schau mal, ich habe

00:27:33: da eine Idee für einen

00:27:35: Entwicklungsplan für mich und

00:27:37: ich möchte, dass du draufschaust, ob

00:27:38: das für dich auch passt.

00:27:40: Und sie hat das dann als

00:27:41: Gesprächsgrundlage, und sie

00:27:43: meinte, ihre Führungskraft war total

00:27:45: begeistert, meinte so, Mensch, so

00:27:47: gut vorbereitet ist hier noch nie

00:27:49: jemand reingekommen.

00:27:50: Und dann konnten sie sich halt

00:27:52: direkt über Details diskutieren,

00:27:54: also das kam auch nochmal gut an.

00:27:56: Das heißt, wenn man etwas von

00:27:58: anderen Menschen einfordert, dann

00:28:00: sollte man das auch selber können,

00:28:02: weil dann kann man viel klarer

00:28:04: und direkter artikulieren,

00:28:06: was man eigentlich haben möchte oder

00:28:08: was einem fehlt.

00:28:09: Und letztendlich: Eine

00:28:11: Führungskraft ist auch eure Kollegin

00:28:13: oder euer Kollege, der

00:28:15: nicht oder die nicht perfekt sind

00:28:17: und Fehler machen und

00:28:19: unsicher sind,

00:28:21: aber auch Unterstützung brauchen bei

00:28:23: der Weiterentwicklung.

00:28:25: Und für diese Weiterentwickelung

00:28:26: seid ihr auch mitverantwortlich,

00:28:28: indem ihr halt auch Feedback

00:28:30: gebt.

00:28:32: Weil auch ich als Führungskraft,

00:28:33: auch als sympathische Führungskraft

00:28:35: heute brauche ich auch weiterhin

00:28:37: Feedback von meinen Leuten, um mich

00:28:39: weiterentwickeln zu können.

00:28:41: Danke für das spannende Gespräch und

00:28:43: danke dir, Lunia.

00:28:44: Danke. Danke, dass ihr da wart.

00:28:57: Danke, dass du dabei warst.

00:28:59: Wenn dir die Folge gefallen hat,

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