Reden, Zuhören, Handeln. Generationen im Gespräch für den Sozialstaat von morgen
Shownotes
Wenn wir darüber nachdenken, wie wir in Zukunft leben wollen, dann müssen wir uns auch die Frage stellen: Wie stabil ist unser Sozialstaat? Wie stehen wir da, was Rente, Gesundheitswesen und die Zukunftschancen der jungen Generation angeht? In diesem Live-Gespräch diskutieren Niels Reith (Geschäftsführer, Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG)), Prof. Ute Klammer (Geschäftsführende Direktorin des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ)) und Stella Imo (Co-Gründerin der Jugend-Enquete-Kommission), wo unser System an seine Grenzen stößt und warum der Dialog zwischen den Generationen so zentral ist, um eine vielversprechende Zukunft für alle zu bauen.
**Zentraler Konflikt **
Die öffentlichen Debatten befeuern, besonders bei der Rente, ein Narrativ von „Jung gegen Alt“. Stehen sich die Generationen wirklich so diametral gegenüber? Professorin Ute Klammer sieht das nicht so: ihre Erfahrung ist, dass viele Menschen in ihren Familien vor allem Verbundenheit und Sorge füreinander erleben.
**Wo liegen die Konflikte? **
Stella Imo beschreibt: „Wir wissen kaum, was mit unseren Ideen in der Politik passiert.“ Junge Menschen machen die Erfahrung, dass ihre Ideen gehört, aber politisch oft nicht sichtbar umgesetzt werden – Sie fragt: „Was passiert mit unseren Vorschlägen danach?“
Prof. Ute Klammer beschreibt einen Sozialstaat, der unter Druck steht: Rezession, hohe Kosten im Gesundheitssystem und das Risiko von Altersarmut bei Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiografien vergrößern die soziale und finanzielle Kluft. Das sorgt für Angst und Unmut.
Viele Konflikte verlaufen nicht zwischen, sondern innerhalb der Generationen – etwa zwischen jungen Menschen mit unterschiedlichen Startchancen. Während die einen ein großes Generationsvermögen erben werden, stehen die anderen mit vererbter Armut und nachweislich schlechten Bildungschancen da. Deutschland hat eine geringe soziale Durchlässigkeit.
Aus dem Gespräch der Expertinnen ergeben sich die Fragen:
- Wie können junge Menschen Einfluss nehmen, wenn sie demografisch eine Minderheit sind?
- Welche neuen Formen der Beteiligung braucht es jenseits von Parteien und klassischen Organisationen?
**Ausblick: Was eine bessere Zukunft braucht **
Die Gesprächspartnerinnen zeichnen kein Untergangsszenario, sondern skizzieren konkrete Hebel, um den Sozialstaat zukunftsfest zu machen – insbesondere für junge Menschen, Eltern und pflegende Angehörige. Ute Klammer betont: „Wir müssen wieder begreifen, dass der Sozialstaat ein Fundament unserer Demokratie ist.“ Ohne aktive Beteiligung und neue Formate des Dialogs wird es nicht gelingen, Vertrauen zurückzugewinnen. Der Moderator fasst zusammen: „Miteinander reden statt übereinander – das ist die Grundidee dieses Generationendialogs.“
Drei Lösungsansätze aus der Folge:
_Begegnungsräume schaffen _Mehr analoge und niedrigschwellige Orte, an denen Generationen ins Gespräch kommen – von regionalen Generationendialogen über Jugendzentren bis hin zu Formaten, die gezielt Menschen ansprechen, die sich politisch bisher nicht äußern.
_Beteiligung wirksamer machen _ Jugendbeteiligung braucht mehr Transparenz: Was passiert mit Empfehlungen von Bürger*innenräten oder Jugendkommissionen? Rückmeldeschleifen und klare politische Zuständigkeiten könnten verhindern, dass Engagement in Frustration umschlägt.
_Politische Strukturen anpassen _ Ideen wie ein niedrigeres Wahlalter, zusätzliche Stimmen für Kinder über ihre Eltern oder mehr junge Abgeordnete in Parlamenten sollen dafür sorgen, dass die Interessen jüngerer Generationen stärker ins Gewicht fallen.
**Weiterführende Links aus der Folge **
- GVG – Generationendialog: Überblick zum Format und Veranstaltungen
- Prof. Ute Klammer – Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Universität Duisburg-Essen
- Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) / FIS-Forum
- Jugendenquete-Kommission
- Hans-Böckler-Stiftung (Stipendien und Studien zur Sozialpolitik)
- DIW – Studien zu Erbschaften und Vermögen (Hinweis auf die genannten 400 Mrd. Euro jährliche Erbschaften und Schenkungen)
- Fridays for Future Deutschland (als Referenz für den beschriebenen Einschnitt 2018)
- Initiative „Omas gegen Rechts“ (als Beispiel älterer politisch engagierter Generation)
_Über herCAREER Voice _
Der Podcast herCAREER Voice liefert wertvolle Einblicke in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, immer verknüpft mit persönlichen Erfahrungen und vor allem aus weiblicher Perspektive. Wechselnde Moderator:innen und Gäst:innen aus unterschiedlichen Unternehmen, Redaktionen und Arbeitsumfeldern bieten vielseitige und praxisnahe Erfahrungswerte für die Hörer:innen. https://www.her-career.com/podcastherCAREER ist die führende Plattform für die weibliche Karriere. Hier erwartet dich ein einzigartiges Netzwerk mit individuellen Job-Chancen und jede Menge inspirierender Content wie Podcasts, Vorträge und Panels live auf herCAREER Expo oder online im Rahmen unserer herCAREER Academy. Wir heißen alle Menschen willkommen – im Besonderen Frauen, denen wir die Chance geben, von diesem besonderen Möglichkeitsraum zu profitieren. https://www.her-career.com
Dieses Gespräch wurde im Rahmen der herCAREER Expo 2025 aufgezeichnet und als Podcast aufbereitet. Mehr über die herCAREER Expo unter www.her-career.com/expo ** Projektleitung: **Natascha Hoffner *Redaktion:* Kristina Appel Produktion: Bernhard Hiergeist
Transkript anzeigen
00:00:00: Wir haben junge Menschen,
00:00:02: die kommen aus armen Familien
00:00:04: und die haben kaum eine Chance da
00:00:05: raus zu kommen.
00:00:06: Und andere, die haben sehr gute
00:00:08: Chancen, eine Karriere zu machen,
00:00:10: sich zu engagieren, vermutlich auch
00:00:12: zu erben.
00:00:13: Ich glaube, das wirkliche Problem
00:00:15: ist eigentlich ein
00:00:16: intragenerationales und nicht
00:00:18: ein intergenerationales.
00:00:20: Das Bild hat sich so ein bisschen
00:00:22: verändert hin zu: Wir junge
00:00:24: Menschen finden nicht gut, was ihr
00:00:25: erwachsenen Menschen mit dem
00:00:27: Planeten macht.
00:00:28: Und eigentlich ab diesem Moment
00:00:30: haben viele junge Menschen eben auch
00:00:32: verstanden, dass sie für ihre
00:00:33: Zukunft mehr eintreten
00:00:35: wollen und vielleicht auch ein
00:00:36: bisschen mehr eintreten müssen,
00:00:38: damit sie immer noch einen
00:00:40: Planeten vorfinden,
00:00:42: auf dem sie leben können.
00:00:54: Willkommen beim HerCareer Podcast.
00:00:57: Du interessierst dich für aktuelle
00:00:58: Diskurse aus Wirtschaft,
00:01:00: Wissenschaft, Politik und
00:01:01: Gesellschaft und das insbesondere
00:01:03: aus einer weiblichen Perspektive?
00:01:05: Vielleicht wünschst du dir
00:01:06: persönliche Einblicke in den
00:01:07: Arbeitsalltag von Menschen und
00:01:09: Unternehmen, die sich dem
00:01:10: gesellschaftlichen und
00:01:11: wirtschaftlichen Wandel stellen?
00:01:12: Dann bist du hier genau richtig.
00:01:19: Wenn wir uns ernsthaft damit
00:01:20: beschäftigen, wie wir in Zukunft
00:01:21: leben möchten, dann müssen wir uns
00:01:23: auch diese Frage stellen: Wie stabil
00:01:26: ist unser Sozialstaat?
00:01:27: In dieser Folge spricht der
00:01:29: Moderator Nils Reith mit zwei
00:01:30: Expertinnen, die aus
00:01:31: unterschiedlichen Generationen
00:01:33: stammen. Wie stehen wir da, was
00:01:35: Rente, Gesundheitswesen und die
00:01:36: Zukunftschancen der jungen
00:01:37: Generationen angeht?
00:01:40: Diese Live-Aufnahme zeigt, dass
00:01:41: Generationendialoge nicht einfach
00:01:43: ein schönes Gesprächsformat sind.
00:01:45: Sie sind für eine konstruktive
00:01:47: Zukunft einfach unerlässlich.
00:01:56: Ja, schön.
00:01:57: Hallo in die Runde.
00:01:58: Schön, dass Sie da sind. Herzlich
00:01:59: willkommen zum Podcast-Meetup
00:02:02: "Reden, Zuhören, Handeln,
00:02:03: Generationen im Gespräch für den
00:02:04: Sozialstaat von morgen".
00:02:06: Wir wollen in dem Podcast jetzt den
00:02:07: Blick nochmal wieder ein bisschen
00:02:08: weiten.
00:02:09: Also warum ist es wichtig, dass bei
00:02:11: den Herausforderungen, die unser
00:02:13: Sozialstaatsstaat hat, dass wir da
00:02:14: Generationen ins Gespräch bringen,
00:02:16: dass wir miteinander reden
00:02:18: statt übereinander, dass wir, und
00:02:19: das passt hier ganz gut als Motto,
00:02:21: uns gegenseitig zuhören.
00:02:22: Also darum soll es jetzt in den
00:02:23: Podcast heute gehen.
00:02:25: Zu meiner Person, ich moderiere das
00:02:27: heute, mein Name ist Nils Reith, ich
00:02:28: bin Geschäftsführer der GVG.
00:02:30: Wir als GVG haben diesen
00:02:32: Generationendialog gemeinsam mit
00:02:34: verschiedenen Partnern entwickelt.
00:02:36: Impulsgeberin war ganz wesentlich
00:02:37: auch Ute Klammer, aber dazu kommen
00:02:38: wir später vielleicht noch.
00:02:40: Ich freue mich sehr, dass zwei
00:02:41: Expertinnen heute auch
00:02:43: hier dabei sind und
00:02:45: sich gemeinsam mit mir unterhalten,
00:02:47: warum eben solche Orte notwendig
00:02:49: sind, warum wir Generationendialoge
00:02:50: brauchen. Da haben wir zum einen
00:02:52: Prof. Dr. Ute Klammer,
00:02:54: eine der führenden Expertinnen für
00:02:55: unseren Sozialstaat in diesem Land.
00:02:57: Sie leitet in Duisburg
00:02:59: unter anderem das IAQ,
00:03:02: das DIFIS, ist Professorin
00:03:04: für Sozialpolitik,
00:03:06: Sozialwissenschaft und kennt sich
00:03:08: mit unserem Sozialstaat ganz
00:03:09: hervorragend aus, mit allen
00:03:11: Aspekten.
00:03:12: Schön, dass Sie da sind.
00:03:13: Und dann haben wir Stella Imo,
00:03:14: Studentin hier an der LMU.
00:03:17: Jura studiert sie und
00:03:18: sie hat mitgegründet die
00:03:20: Jugend-Enquete-Kommission.
00:03:21: Was genau das ist, das können Sie
00:03:23: vielleicht auch gleich besser,
00:03:24: beziehungsweise wir duzen uns, also
00:03:25: gerne auch per du, kannst du
00:03:27: gerne selber noch mit eigenen Worten
00:03:29: sagen. Ja, das ist die Runde.
00:03:32: Wir starten gerne nochmal, Frau
00:03:33: Klammer, warum Generationendialoge,
00:03:36: was ist wichtig, wie sind Sie es
00:03:37: vielleicht auch so ein bisschen, ich
00:03:38: habe ja gesagt, Sie haben auch den
00:03:40: Impuls gegeben, mit auf diese Idee
00:03:42: gekommen.
00:03:42: Was sind da die Hintergründe?
00:03:44: Ich leite, wie Nils
00:03:46: Reith schon sagte, ich leite unter
00:03:47: anderem das Deutsche Institut für
00:03:49: interdisziplinäre
00:03:49: Sozialpolitikforschung,
00:03:51: DIFIS, und da haben wir immer eine
00:03:54: Jahreskonferenz, das FIS-Forum,
00:03:56: diesmal findet es Anfang November
00:03:58: erstmals in Leipzig statt, und
00:04:00: wir waren vor zwei Jahren oder drei,
00:04:02: weiß ich jetzt nicht mehr, in Berlin,
00:04:04: und hatten das Thema gewählt,
00:04:06: Sozialpolitik für die künftigen
00:04:08: Generationen, und das war, glaube
00:04:10: ich, so ein bisschen mit der
00:04:12: Impulsgeber, dass wir damals auch so
00:04:14: ein Jugendpanel
00:04:15: hatten, ein Panel mit jungen
00:04:17: Leuten und unter anderem,
00:04:20: das ist eine große zweitägige
00:04:21: Konferenz, und da haben wir
00:04:23: auch darüber gesprochen, wie müssen
00:04:24: wir den Sozialstaat eigentlich
00:04:26: anpassen, damit er zukunftstauglich
00:04:28: ist. Was mich auf der einen,
00:04:30: auf dem speziellen Jugendpanel dann
00:04:32: besonders überrascht hat, war, dass
00:04:34: wir nachher bei einem Thema
00:04:35: landeten, was wir wahrscheinlich
00:04:37: heute auch wieder aufgreifen,
00:04:38: nämlich Einsamkeit, da hatte ich
00:04:39: überhaupt bis dahin nicht mit
00:04:40: gerechnet.
00:04:41: Weil ich das gar nicht mit dem
00:04:42: Sozialstaat irgendwie assoziiert
00:04:44: habe. Aber das war plötzlich das
00:04:46: Thema, was überall rumwaberte.
00:04:49: Aber es geht natürlich auch um
00:04:50: andere Dinge. Der Sozialstaats,
00:04:52: grade auch das Rentensystem, ist ein
00:04:53: Dreigenerationssystem und wir
00:04:55: leben vom Generationenvertrag.
00:04:57: Aber das steckt auch in anderen
00:04:58: Sozialleistungssystemen drin,
00:05:00: dass es immer um verschiedene
00:05:02: Generationen geht.
00:05:03: Und insofern ist es wichtig, sich
00:05:05: auch unter dieser Perspektive damit
00:05:06: zu beschäftigen.
00:05:08: Ja, Sie haben es gerade erwähnt.
00:05:09: Also es war tatsächlich auch ein
00:05:11: Impuls von Ihnen damals vor drei
00:05:12: Jahren, der uns dann
00:05:14: zum Nachdenken gebracht
00:05:16: hat, was können wir als GVG auch
00:05:18: nochmal versuchen beizutragen,
00:05:20: um eben diesen Herausforderungen zu
00:05:22: begegnen, vor denen dieser
00:05:23: Sozialstaat nun mal auch steht.
00:05:26: Sie haben jetzt sehr eindrücklich
00:05:27: auch geschildert, junge Menschen
00:05:28: empfinden unsere Systeme leider
00:05:30: als im eher Untergang begriffen.
00:05:33: Also wir hatten immer das Thema
00:05:33: Rentenversicherung, viele haben die
00:05:35: Sorge: Das kriege ich vielleicht gar
00:05:36: nicht mehr, später wenn ich dann mal
00:05:38: sozusagen mein Berufsleben hinter
00:05:40: mir habe, dass das nicht mehr
00:05:41: auskömmlich ist, das
00:05:42: Gesundheitssystem funktioniert nicht
00:05:44: mehr und und und. Es gibt natürlich
00:05:45: noch viele weitere Krisen, die auch
00:05:47: gerade uns alle beschäftigen.
00:05:48: Und das führt eben zu negativen
00:05:50: Zukunftsbildern.
00:05:51: Und wir hatten dann eben die Idee,
00:05:53: lasst uns doch mal versuchen, da ein
00:05:54: bisschen gegen zu arbeiten und diese
00:05:56: negativen Zukunftsbilder
00:05:57: aufzubrechen, indem wir halt
00:05:59: miteinander reden.
00:06:00: Ganz ähnlich war das ja auch bei der
00:06:01: Jugend-Enquete-Kommission.
00:06:03: Du hast es ja eben mit ins Leben
00:06:04: gerufen.
00:06:05: Was hat euch bewogen, diese
00:06:06: Jugend-Enquete-Kommision ins Leben
00:06:07: zu rufen?
00:06:08: Und sind das eigentlich ähnliche
00:06:10: Gedanken, die da auch eine Rolle
00:06:11: gespielt haben?
00:06:12: Absolut, also der Grundgedanke
00:06:14: war auch, die Generationen
00:06:16: irgendwo in den Austausch zu
00:06:18: bringen und vor allem junge Menschen
00:06:20: mit ihren Ideen in den
00:06:21: Aussausch mit Politiker:innen zu
00:06:23: bringen und jungen Menschen eben die
00:06:25: Möglichkeit zu geben, an den
00:06:27: aktuellen politischen
00:06:28: Herausforderungen mitzuwirken,
00:06:30: ihre Gedanken einzubringen
00:06:32: und demnach auch die Möglichkeit
00:06:34: haben, ihre eigene Zukunft
00:06:36: mitzugestalten, weil es
00:06:38: bisher diesen Austausch noch
00:06:40: nicht so wirklich gibt, oder
00:06:42: bevor wir es gegründet haben, noch
00:06:43: nicht wirklich gab.
00:06:45: Bis dann aber auch, in der Zeit
00:06:46: haben wir es gegründet, da kamen
00:06:48: mehrere Organisationen auf,
00:06:50: die genau das auch versuchen, diesen
00:06:52: Austausch herzustellen.
00:06:53: Ich glaube, dieses Thema ist auch
00:06:55: mit der Zeit über die letzten vier
00:06:57: Jahre immer größer geworden und
00:06:59: super wichtig.
00:07:00: Also aus meiner Perspektive vor
00:07:01: allem als junger
00:07:03: Mensch eben auch mit der anderen
00:07:05: Generation reden zu können und ich
00:07:06: glaube auch aus ihrer Perspektive
00:07:08: als die ältere Generation auch mit
00:07:10: den jungen Menschen ins Gespräch
00:07:11: kommen zu können.
00:07:12: Da einfach so Gesprächsräume zu
00:07:14: schaffen, ist super wichtig
00:07:16: für unsere Zukunft.
00:07:18: Wir haben ja eben schon so ein
00:07:18: bisschen darüber gesprochen, also
00:07:20: die Herausforderungen für diesen
00:07:21: Sozialstaat, der ja auch ganz
00:07:22: wesentlich sozusagen
00:07:24: Fundament unserer Demokratie ist,
00:07:26: die sind nicht ganz klein.
00:07:28: Man muss nur momentan ins Internet
00:07:29: schauen oder die Zeitungen
00:07:30: aufschlagen und man liest über
00:07:32: Rente, man liest über das
00:07:33: Gesundheitssystem, über Bürgergeld.
00:07:35: Das ist gerade omnipräsent.
00:07:37: Frau Klammer, wie würden Sie die
00:07:38: wesentlichen Herausforderungen
00:07:39: beschreiben? Also was ist gerade, wo
00:07:41: drückt es am meisten?
00:07:43: Also wir müssen wirklich wieder
00:07:44: begreifen, dass die soziale
00:07:46: Sicherung oder der Sozialstaat
00:07:48: wirklich ein Fundament unserer
00:07:49: Demokratie ist und uns auch über
00:07:51: sehr viele Schwierigkeiten hinweg
00:07:53: hilft. Aber wir können natürlich
00:07:55: nicht die Augen davor verschließen,
00:07:56: dass wir Finanzierungsprobleme
00:07:58: haben. Und ein großes Problem
00:08:00: ist einfach die stagnierende
00:08:02: Wirtschaft, weil der Sozialstaat
00:08:03: lebt eben von Beiträgen und
00:08:05: von Steuern.
00:08:07: Und wir haben jetzt das dritte Jahr
00:08:08: jetzt Rezession, Nullwachstum.
00:08:11: Und das ist ein ziemliches
00:08:13: Problem für den Sozialstaat.
00:08:15: Natürlich sehen andere Leute andere
00:08:16: Probleme, viele
00:08:18: Zugewanderte, die auch Anspruch auf
00:08:19: Leistung haben und Ähnliches, aber
00:08:21: die können natürlich auch in der
00:08:22: Zukunft den Sozialstaat wieder mit
00:08:24: nach vorne bringen.
00:08:25: Ich sehe wirklich, dass wir die
00:08:26: Wirtschaft wieder vor allem
00:08:27: ankurbeln müssen.
00:08:29: Das wäre was, woran man vielleicht
00:08:30: nicht zunächst denkt, aber was
00:08:32: sehr wichtig ist, um den Sozialstaat
00:08:34: aufrechterhalten zu können.
00:08:35: Wenn wir auf einzelne Systeme sehen,
00:08:37: dann haben wir natürlich das
00:08:39: Problem, dass, darüber redeten wir
00:08:40: heute schon an anderer Stelle,
00:08:42: dass gerade für Personen,
00:08:44: die keine durchgängige
00:08:45: Arbeitsmarktanbindung haben
00:08:48: und unterbrochener
00:08:49: Erwerbsbiografien, wir keine
00:08:51: auskömmliche Rente haben.
00:08:52: Und das sind auch die Leute, die
00:08:53: eben nicht so gut privat vorsorgen
00:08:56: können. Entweder wissen sie es nicht
00:08:57: oder vor allem können sie es auch
00:08:58: nicht. Also da müssen wir gucken,
00:09:00: wie schützen wir Menschen vor
00:09:01: Altersarmut? Da müssen wir was an
00:09:03: der Rente tun.
00:09:04: Und was das Gesundheitssystem
00:09:06: betrifft, da wissen wir aus
00:09:08: internationalen Vergleichen, dass
00:09:09: das eines der teuersten überhaupt
00:09:11: ist, aber nur mit mittleren
00:09:13: Ergebnissen.
00:09:13: Also da haben wir ganz starke
00:09:15: Player, die Reformen
00:09:17: schwierig machen, von
00:09:19: den Kassenärztlichen Vereinigungen,
00:09:20: über die Pharmaindustrie und
00:09:22: das System mit
00:09:24: privater/gesetzlicher Versicherung.
00:09:26: Wer zahlt in das System ein?
00:09:28: Also da gibt es auch viele
00:09:29: Herausforderungen, die wir da
00:09:31: lösen müssen.
00:09:33: Ihr beschäftigt euch ja damit auch
00:09:34: in der Jugend-Enquete-Kommission,
00:09:36: aber Stella, würdest du sagen,
00:09:37: interessiert es eigentlich die
00:09:38: Mehrheit der jungen Menschen, oder
00:09:40: ist das doch etwas, was eigentlich
00:09:41: eher für die meisten weit weg
00:09:43: erscheint? Weil Sozialstaat ist ja
00:09:44: eigentlich etwas, das eher
00:09:46: häufig später zum Tragen kommt.
00:09:49: Also gerade für junge Menschen,
00:09:49: Pflege, Rente,
00:09:52: zum Glück meistens auch Gesundheit
00:09:53: sind noch nicht so die Faktoren, mit
00:09:55: denen man sich unbedingt auseinandersetzen
00:09:56: muss. Von daher ist ja vieles eher
00:09:57: weit weg.
00:09:59: Ich glaube, dass leider
00:10:01: die jungen Menschen sich nicht genug
00:10:03: mit diesem Thema auseinandersetzen,
00:10:05: einfach weil sie damit nicht früh
00:10:06: genug in Berührung kommen.
00:10:08: Also wenn ich an mich denke, ich bin
00:10:09: in der Familienversicherung
00:10:11: bei meiner Mutter mit drin für die
00:10:13: Krankenkasse, ich hatte bis zu
00:10:15: meinem ersten Werkstudentenjob
00:10:16: keinerlei Berührungen damit,
00:10:19: was das eigentlich für ein System
00:10:20: ist, wie das funktioniert.
00:10:21: Auch das Rentensystem
00:10:24: habe ich über unsere Organisation
00:10:25: erfahren, wie das eigentlich
00:10:27: funktioniert und bin ich auch das
00:10:28: erste Mal in Berührung damit
00:10:29: gekommen, als ich meinen ersten
00:10:31: Gehaltszettel bekommen habe von
00:10:33: meinem Werkstudentenjob und dann
00:10:34: erstmal gesehen habe, wie viel da
00:10:36: doch dann irgendwie weggeht.
00:10:38: Also es kommt sehr auf die
00:10:40: Lebenssituation an von den jungen
00:10:42: Menschen, würde ich sagen, wie früh
00:10:44: sie damit in Berühung kommen,
00:10:46: weil auch einfach in der Schule das
00:10:48: Thema viel zu kurz kommt und die
00:10:50: Bildung darüber wirklich viel zu
00:10:52: spät eigentlich ansetzt.
00:10:54: Meiner Meinung nach ist das wirklich
00:10:55: ein Privileg auch,
00:10:57: sich früh mit dem Thema
00:10:59: auseinandersetzen zu können,
00:11:01: weil einfach viele junge Menschen
00:11:03: andere Gedanken haben
00:11:05: in ihrer Jugend, vielleicht auch
00:11:07: andere Probleme und andere
00:11:08: Herausforderungen, als sich jetzt
00:11:10: wirklich intensiv mit diesen doch
00:11:11: komplexen Systemen auseinander
00:11:13: setzen zu können und dann auch
00:11:15: jedenfalls den Schritt weitergehen
00:11:16: zu können sich zu überlegen,
00:11:18: wie kann ich für mich selber
00:11:20: vorsorgen?
00:11:21: Reicht das Geld, das ich in
00:11:23: die gesetzlichen Systeme stecke,
00:11:25: aus, damit ich gut versorgt werde
00:11:27: vom Staat?
00:11:28: Oder wir hatten es ja vorher auch
00:11:29: schon mit der privaten
00:11:31: Altersvorsorge: Kann ich jeden
00:11:33: Monat etwas zur Seite legen?
00:11:35: Und das hängt meiner Meinung nach
00:11:36: eben komplett von der
00:11:39: Lebensrealität der einzelnen jungen
00:11:41: Menschen ab, ob man dieses Privileg
00:11:42: hat, sich damit auseinanderzusetzen.
00:11:45: Frau Klammer, ist das jetzt auch aus
00:11:47: Sicht einer Wissenschaftlerin,
00:11:48: würden Sie sagen, das ist so?
00:11:50: Also gibt es diese Generationenkonflikte
00:11:52: gerade zu diesen aktuellen Debatten,
00:11:54: Rente, Gesundheit, Pflege usw.?
00:11:56: Oder ist das auch etwas, was eher so
00:11:58: ein bisschen auch heraufbeschworen
00:11:59: wird von den Medien und in der
00:12:01: Realität existiert es vielleicht gar
00:12:02: nicht so stark?
00:12:04: Also ich denke, dass
00:12:06: es zu einem großen Teil tatsächlich
00:12:08: hochgespielt wird und da
00:12:10: Positionen festgeschrieben
00:12:12: werden, die ich so im privaten
00:12:14: Leben überhaupt nicht erlebe.
00:12:16: Ich glaube, dass zum Beispiel in
00:12:18: meiner Generation, als ich
00:12:20: bin Jahrgang 63,
00:12:22: jetzt auch schon habe ich schon die
00:12:23: 60 geknackt, als wir
00:12:26: zum Beispiel so am Ende der Schule
00:12:27: waren und angefangen haben zu
00:12:29: studieren und noch die, die älter
00:12:30: waren, die hatten ein viel
00:12:32: kritischeres Verhältnis und auch
00:12:34: haben sich stärker abgegrenzt von
00:12:36: ihren Eltern und Großeltern.
00:12:38: Das war natürlich noch immer die
00:12:39: Spätaufarbeitung der
00:12:41: ganzen Kriegsschulden.
00:12:43: Also gut, das war noch eine
00:12:43: Generation davor.
00:12:45: Aber es war ein viel kritischeres
00:12:46: Verhältnis. Man hätte sich auch nie
00:12:48: vorstellen können, noch mit 18 mit
00:12:50: den Eltern in den Urlaub zu fahren
00:12:51: oder so. Ich war jetzt dauernd
00:12:53: mit irgendwelchen Familienmitgliedern,
00:12:55: mit Neffen, mit Nichten, mit Mutter,
00:12:57: mit Enkeln im Urlaub
00:12:59: oder so was. Wir machen Sachen
00:13:01: zusammen.
00:13:01: Da ist auch ein Diskurs,
00:13:03: ein Austausch.
00:13:04: Ich weiß ziemlich gut, was die
00:13:06: denken und was die machen in der
00:13:07: Generation. Ich finde, da ist
00:13:09: privat häufig, und ich
00:13:11: erlebe das auch in anderen Familien,
00:13:13: ein sehr guter Austausch eigentlich,
00:13:15: oder es ist auch nicht so,
00:13:16: irgendwelche Konflikte gibt es
00:13:17: immer, aber das ist eigentlich
00:13:20: viel besser als
00:13:22: früher wieder, dass auch
00:13:24: Personen wieder zurückkommen zu
00:13:25: ihren Familien, auch nach dem
00:13:26: Studium oder sogar wieder
00:13:27: zurückziehen und Ähnliches.
00:13:29: Man muss auch sagen,
00:13:31: wir haben eine Erbengeneration
00:13:33: jetzt.
00:13:34: Diese Idee, die Jungen werden von
00:13:36: den Alten so ausgeblutet und müssen
00:13:38: für die ganzen Kosten aufkommen.
00:13:40: Also rein statistisch hat
00:13:42: noch nie eine Generation so
00:13:44: viel geerbt wie jetzt
00:13:46: die junge Generation.
00:13:48: Das DIW geht davon aus,
00:13:50: dass im Moment jährlich 400
00:13:53: Milliarden Euro
00:13:56: durch Schenkungen und Erbschaften an
00:13:58: die nächste Generation gegeben
00:13:59: werden. Das muss man sich mal klar
00:14:00: machen. Die könnten auch alles in
00:14:02: den Sozialstaat stecken, dann wäre
00:14:03: der für 30 Jahre saniert.
00:14:05: Die jetzt 70-Jährigen
00:14:07: verfügen über ein Privatvermögen,
00:14:10: DIW-Zahlen, von 1,3
00:14:13: Billionen Euro.
00:14:16: Und die sparen noch weiter an.
00:14:17: Mit 70 ist ja das Leben nicht am
00:14:18: Ende. Das heißt, die werden noch
00:14:20: viel mehr weitergehen.
00:14:21: Ich glaube, das wirkliche Problem
00:14:23: ist eigentlich ein
00:14:24: intragenerationales und nicht
00:14:26: ein intergenerationales.
00:14:28: Wir haben wirklich junge
00:14:30: Menschen, die kommen aus
00:14:32: armen Familien und die haben kaum
00:14:34: eine Chance da rauszukommen.
00:14:35: Armut wird in diesem Land vererbt.
00:14:38: Die haben auch schlechte
00:14:39: Bildungschancen.
00:14:40: Die haben echt schlechte
00:14:41: Startchancen und andere...
00:14:43: Ich vermute sie gehören auch dazu.
00:14:45: Die haben sehr gute Chancen, eine
00:14:47: Karriere zu machen, sich zu
00:14:49: engagieren, vermutlich auch zu
00:14:50: erben.
00:14:51: Das heißt, in meinen Augen gucken
00:14:53: wir zu wenig, sowohl
00:14:55: bei den Älteren als auch bei den
00:14:57: Jüngeren, auf die
00:14:59: Verteilung in der Generation.
00:15:01: Und wir polarisieren zu sehr die
00:15:03: Generationen.
00:15:05: Bei mir ist es tatsächlich nicht so.
00:15:07: Ich komme aus einer nicht so
00:15:09: gut betuchten Familie.
00:15:11: Meine beiden Eltern haben auch nicht
00:15:12: studiert. Ich bin die Erste in der
00:15:13: Familie, die auch das Privileg hat
00:15:15: zu studieren.
00:15:17: Aber für mich war trotzdem
00:15:18: der Key-Aspekt,
00:15:21: mich zu engagieren, weil ich gemerkt
00:15:23: habe, das ist das, was mich
00:15:24: weiterbringt, wo ich mir ein
00:15:26: Netzwerk aufbauen kann etc.
00:15:28: und mich auch mit Themen intensiv zu
00:15:30: beschäftigen, auch zum Beispiel das
00:15:31: Thema Altersvorsorge.
00:15:33: Damit ich dann irgendwann vielleicht
00:15:34: in einer besseren Situation bin als
00:15:36: meine Eltern jetzt sind und
00:15:38: mir keine Sorgen um meine eigene
00:15:39: Rente machen muss.
00:15:41: Da hat es bei mir einfach mal Klick
00:15:43: gemacht, würde ich sagen.
00:15:45: Aber was ich noch hinzufügen würde
00:15:46: zu dem Thema Generationendialog,
00:15:49: ich glaube tatsächlich, dass Fridays
00:15:50: for Future 2018, als sie gestartet
00:15:52: haben, so ein bisschen eine kleine
00:15:54: Wende gebracht
00:15:56: hat oder so ein bisschen ein
00:15:58: Hakenpunkt, sage ich mal, war,
00:16:00: davor, wie sie es auch beschrieben
00:16:02: haben, war der
00:16:04: Austausch sehr stark innerhalb der
00:16:05: Familie noch. Ich hab das
00:16:06: mitbekommen in meiner eigenen
00:16:08: Familie.
00:16:09: Aber mit diesem Aufkommen von
00:16:10: Fridays for Future, die jungen
00:16:12: Menschen sind auf die Straße
00:16:13: gegangen, um für ihre Zukunft
00:16:15: einzutreten, das
00:16:17: Bild hat sich so ein bisschen
00:16:18: verändert hin zu: Wir junge
00:16:20: Menschen finden nicht gut, was ihr
00:16:22: erwachsenen Menschen macht, was ihr
00:16:24: mit dem Planeten macht, dass ihr
00:16:26: mit euren SUVs rumfahrt und
00:16:28: überhaupt keine acht darauf
00:16:30: gebt, was ihr dem Planeten
00:16:32: antut. Und ab diesen Moment
00:16:34: haben viele junge Menschen eben auch
00:16:36: verstanden, dass sie für ihre
00:16:38: Zukunft mehr eintreten wollen
00:16:40: und vielleicht auch ein bisschen
00:16:41: mehr eintreten müssen, damit sie
00:16:44: immer noch einen, jetzt im
00:16:45: Nachhaltigkeitssinn, Planeten
00:16:47: vorfinden, auch für, gegebenenfalls
00:16:49: ihre Kinder dann, auf dem sie leben
00:16:51: können und wo man auch noch von den
00:16:53: vorhandenen Ressourcen leben kann.
00:16:55: Ich glaube, da ist dieser
00:16:57: Generationenkonflikt ein bisschen
00:16:59: wieder aufgeploppt,
00:17:01: dieses: Wir finden nicht gut, was
00:17:03: ihr da oben macht.
00:17:04: Aber andersrum auch die ältere
00:17:05: Generation: Ja,
00:17:07: ihr Jungen, ihr habt ja gar keine
00:17:09: Ahnung, gar keine Erfahrung, wieso
00:17:11: wollt ihr jetzt plötzlich mitreden?
00:17:13: Ich würde nicht sagen, dass das dann
00:17:15: genau die Situation wieder ist,
00:17:17: die Sie in ihrer Jugend erlebt
00:17:18: haben, wo man plötzlich nicht mehr
00:17:19: mit den Eltern Urlaub fahren wollte,
00:17:22: aber doch dieses, der
00:17:24: Generationenkonflikt zwischen
00:17:26: den jungen Menschen und den
00:17:27: mächtigen Menschen, sag ich mal,
00:17:29: der ein bisschen mehr wieder
00:17:31: ans Licht gerückt ist.
00:17:33: Da ist sicher was dran, das will ich
00:17:34: jetzt nicht abstreiten, aber ich
00:17:35: will immer auf zwei andere Sachen
00:17:36: hinweisen.
00:17:38: Eltern und Großeltern machen sich
00:17:39: sehr viel Gedanken über die Zukunft
00:17:41: ihrer Kinder und Eltern.
00:17:43: Vielleicht nicht in allen Familien,
00:17:44: aber ich erlebe das wirklich in
00:17:46: meinem Umkreis überall.
00:17:48: Die machen sich auch Sorgen
00:17:49: darüber, wie werden meine Kinder,
00:17:51: wie werde meine Enkel einmal leben.
00:17:53: Das ist ihnen überhaupt nicht egal.
00:17:55: Und es gibt ja auch nun genug
00:17:57: Vereinigungen.
00:17:58: Gerade fällt mir ein "Omas gegen
00:18:00: rechts", das ist jetzt nicht Umwelt,
00:18:01: aber das sind natürlich auch
00:18:03: Initiativen von älteren Menschen,
00:18:05: die sagen, wir müssen diese
00:18:06: Demokratie aufrechterhalten,
00:18:09: wir müssen die Werte unseres Staates
00:18:11: aufrechterhalten und so.
00:18:12: Also die engagieren sich ja auch.
00:18:14: Und auf der anderen Seite muss ich
00:18:16: jetzt auch leider sagen,
00:18:18: viele, die sich bei Fridays for
00:18:20: Future engagiert haben oder auch
00:18:22: weiter für Umwelt und ähnliche
00:18:24: Ziele engagieren aus der jungen
00:18:26: Generation, meinen das sicher ernst.
00:18:28: Ich erlebe aber auch sehr viele,
00:18:30: die nach wie vor völlig bedenkenlos
00:18:33: drei Mal im Jahr irgendwie, wenn sie
00:18:34: irgendwie Geld haben, als
00:18:36: Studierende, nach Malle fliegen oder
00:18:38: anderes. Also das ist ja nicht ein
00:18:40: durchgängiges Phänomen, dass die
00:18:42: jungen Leute jetzt plötzlich so viel
00:18:44: aufmerksamer werden gegenüber der
00:18:46: Umwelt. Uns haben auch unsere
00:18:48: eigenen Enkel gesagt, wir sind die
00:18:49: Ersten, die sich um die Umwelt
00:18:50: kümmern. Wir haben gesagt, sorry,
00:18:52: dann fliegt mal nicht in den Urlaub,
00:18:54: sondern nehmt mal die Bahn.
00:18:55: Ja und ich war vor
00:18:57: Jahren im Rat für nachhaltige
00:18:58: Entwicklung. Wir haben schon lange
00:19:00: uns Gedanken über sowas gemacht.
00:19:01: Ich muss zwar gestehen, dass ich zu
00:19:03: bestimmten Anlässen auch immer noch
00:19:05: den Flieger nehme, aber viel zu
00:19:06: weniger als früher.
00:19:08: Ja, und man muss eben mit solchen
00:19:09: Sachen anfangen, man muss nicht
00:19:11: sagen: Geht jetzt gar nicht mehr.
00:19:13: Aber noch mal zurück zu dem, was du
00:19:14: gesagt hast, Stella, also
00:19:16: hören die Mächtigen zu?
00:19:18: Also wie erlebst du das jetzt auch
00:19:19: in der Jugend-Enquete-Kommission?
00:19:21: Also ihr beschäftigt euch ja mit
00:19:23: Schwerpunktthemen, ihr legt einmal
00:19:24: im Jahr diesen Bericht vor.
00:19:26: Ihr seid dann auch schön im
00:19:27: Bundestag.
00:19:28: Hast du das Gefühl, da etwas zu
00:19:30: beeinflussen? Ist das ein ehrliches
00:19:33: Zuhören, was auch in Aktionen
00:19:34: mündet? Wie ist da dein Erleben
00:19:36: jetzt so in der letzten Zeit, seit
00:19:37: du in der Enquete-Kommission da
00:19:40: aktiv bist?
00:19:41: Ich glaube, das ist die größte
00:19:42: Herausforderung, die wir tatsächlich
00:19:43: im Verein haben, wirklich unseren
00:19:45: Impact messen zu können und
00:19:48: herausfinden zu können, was passiert
00:19:50: eigentlich mit den Forderungen und
00:19:52: den Ideen, die die jungen Menschen
00:19:53: haben.
00:19:55: Weil uns kommt immer sehr, sehr viel
00:19:57: Interesse auch von der Politik
00:19:58: entgegen.
00:19:59: Also bei der letzten Übergabe hatten
00:20:01: wir 50 MdBs
00:20:03: da, was eine
00:20:05: deutliche Steigerung war.
00:20:06: Wenn man bedenkt, im ersten Jahr
00:20:07: hatten wir genau zwei bei
00:20:09: der Veranstaltung.
00:20:11: Genau, und von daher, das ist auch
00:20:12: ein ehrliches Interesse, oder
00:20:14: zumindest kommt es so an, oder fühlt
00:20:16: es sich so an.
00:20:17: Die Politiker:innen zeigen wirklich
00:20:19: Interesse an den Themen, die die
00:20:21: jungen Menschen vorschlagen, an den
00:20:22: Ideen, gehen da aktiv in den
00:20:24: Austausch, laden auch die jung
00:20:26: Menschen danach zu
00:20:27: Gesprächen ein,
00:20:29: Kommissionen durften auch schon in
00:20:31: Ausschüssen vorsprechen.
00:20:33: Also da kommt wirklich ein Interesse
00:20:34: entgegen.
00:20:36: Das Problem ist dann immer nur so
00:20:38: genau das: Was passiert danach mit
00:20:40: den Ideen?
00:20:41: Landen die im Papierkorb, werden sie
00:20:43: wirklich umgesetzt, und das ist
00:20:45: total schwierig herauszufinden und
00:20:47: zu messen.
00:20:48: Und das ist eigentlich auch, was ich
00:20:49: so ein bisschen kritisiere an der
00:20:51: Politik, an Beteiligungsformaten,
00:20:53: auch zum Beispiel Bürgerräte,
00:20:55: dass man keine Ahnung hat,
00:20:57: was mit den Maßnahmen passiert,
00:20:59: die die Leute vorschlagen.
00:21:01: Dass hier einfach eine gewisse Art
00:21:02: von Kommunikation und Transparenz
00:21:05: fehlt.
00:21:06: Sodass am Ende manche sogar
00:21:09: irgendwie niedergeschlagener und
00:21:10: frustrierter sind,
00:21:12: als bevor sie den Prozess gestartet
00:21:14: haben. Sie haben da Zeit und
00:21:16: Energie reingesteckt,
00:21:18: diese Ideen auszuarbeiten, dieses
00:21:19: Policy Paper zu schreiben.
00:21:21: Und am Ende ist es so ein bisschen,
00:21:24: hm, wofür habe ich das jetzt
00:21:25: eigentlich gemacht?
00:21:27: Ich sehe ja gar nicht, ob es
00:21:28: ankommt.
00:21:29: Das ist so ein Knackpunkt für mich
00:21:31: noch.
00:21:33: Ich glaube, das auch zu erinnern von
00:21:34: dem Generationendialog auch im
00:21:35: Dezember, da war das ja auch schon
00:21:36: mal so ein bisschen Thema.
00:21:38: Eigentlich war das, ich glaube, dass
00:21:39: haben Sie auch gesagt, Frau Klammer,
00:21:40: für alle Generationen schon immer
00:21:42: so, dass sich also junge
00:21:43: Generationen irgendwie auch
00:21:44: behaupten mussten, sich Gehör
00:21:45: verschaffen mussten, Wege finden
00:21:47: mussten ihre Themen sozusagen
00:21:49: einzuspielen gegenüber Politik,
00:21:52: gegenüber dem Mächtigen.
00:21:53: Aber wie würden Sie das sagen, ist
00:21:54: das in einer Situation, wo junge
00:21:56: Menschen ja nun mal die absolute
00:21:58: gesellschaftliche Minderheit
00:21:59: darstellen. Ich habe das neulich
00:21:59: auch noch mal gelesen.
00:22:01: Ich weiß jetzt gar nicht, welche
00:22:02: Altersgruppe, aber sagen wir mal die
00:22:04: 18- bis irgendwas 20-Jährigen,
00:22:06: das ist auf einem historischen
00:22:07: Tiefstand. Also sie sind wirklich
00:22:08: eine gesellschaftliche Minderheit.
00:22:10: Heißt das nicht auch, dass wir
00:22:11: tatsächlich vielleicht auch neue
00:22:12: Beteiligungsformen
00:22:14: benötigen für junge Menschen abseits
00:22:16: der etablierten Wege, also abseits
00:22:18: Parteien, Gewerkschaften und so
00:22:19: weiter, die es ja formal alle gibt?
00:22:21: Also wie würden Sie das sehen oder
00:22:23: würden Sie sagen, sie müssen sich
00:22:25: einfach auch wieder behaupten und
00:22:26: versuchen, Ihre Themen politisch
00:22:28: sich da gehört zu verschaffen?
00:22:29: Ich denke auf jeden Fall, wir
00:22:31: brauchen diese Begegnungsräume, das
00:22:32: ist schon mal ganz wichtig.
00:22:33: Die Möglichkeiten, wo Austausch
00:22:35: stattfinden kann und
00:22:37: wir müssen auch die jungen Menschen
00:22:38: dazu animieren, ihre Rechte da
00:22:40: stärker einzufordern und sich zu
00:22:42: beteiligen, weil ich erlebe eben
00:22:43: auch sehr viele, die einfach
00:22:45: unpolitisch sind, selbst meine
00:22:46: Studierenden, die an einer
00:22:48: sozialwissenschaftlichen Fakultät
00:22:50: studieren, wo sogar das Fach
00:22:51: Politikwissenschaften und Soziologie
00:22:53: und Sozioökonomie angeboten wird,
00:22:55: die sind durchaus nicht alle
00:22:57: politisch oder engagiert.
00:22:59: Wenn man jetzt ein Stipendium haben
00:23:00: will, dann muss man engagiert
00:23:02: sein, aber das verstärkt sich dann.
00:23:04: Ich glaube, Sie haben zur
00:23:05: Adenauer-Stiftung Bezüge.
00:23:07: Ich bin Vertrauensdozentin der
00:23:09: Böckler-Stifung und wir suchen immer
00:23:11: engagierte junge Leute, die sind
00:23:13: aber schon engagiert und die kriegen
00:23:15: noch weitere Foren.
00:23:16: Man muss die anderen irgendwie auch
00:23:18: packen. Also man braucht mehr solche
00:23:20: Begegnungsräume auf jeden Fall.
00:23:22: Und man muss sich da so eine gewisse
00:23:23: Resilienz und ein dickes Fell
00:23:25: angewöhnen.
00:23:27: Weil das, was Sie da erleben mit der
00:23:28: Jugend-Enquete-Kommission, ich kann
00:23:30: nur sagen, das erlebt man immer in
00:23:32: der politischen, wissenschaftlichen
00:23:34: Politikberatung.
00:23:36: Ich war ja Vorsitzende der
00:23:37: Sachverständigenkommission für
00:23:39: den ersten Gleichstellungsbericht in
00:23:41: Deutschland. Und da haben wir
00:23:43: alles aufgearbeitet, was man tun
00:23:45: müsste, um Frauen besser zu fördern.
00:23:47: Das meiste ist bis heute nicht
00:23:48: erledigt.
00:23:49: Und man muss da auch irgendwie
00:23:51: sagen, weitermachen, es nützt
00:23:52: nichts. Ich bin auch in der Wissenschaftsplattform
00:23:54: Nachhaltigkeit engagiert.
00:23:55: Und da reden wir oft darüber, wieso
00:23:57: kommen zum Beispiel Wissenschaft und
00:23:59: Politik so schlecht zusammen.
00:24:00: Und das hat mit diesen unterschiedlichen
00:24:02: Zeithorizonten und Logiken
00:24:04: zu tun. Und selbst die
00:24:06: Politiker und Politikerinnen, die
00:24:07: sicher ein Interesse daran haben,
00:24:09: was meinen junge Leute,
00:24:11: die haben auch nicht unbedingt die
00:24:13: Macht, das bei sich umzusetzen.
00:24:15: Da werden Pakete geschnürt, da guckt
00:24:17: man auf den nächsten Wahlerfolg.
00:24:19: Also es ist sehr komplex.
00:24:20: Das grundsätzliche Problem der
00:24:22: Verschiebung der Generationen sehe
00:24:24: ich natürlich auch.
00:24:25: Wir reden ja in Politikwissenschaften
00:24:26: vom Medianwähler.
00:24:28: Also wie alt ist der mittlere
00:24:30: Wähler? Und ich glaube, der ist
00:24:31: jetzt bei 47 oder so.
00:24:32: Also das geht jedenfalls immer
00:24:34: weiter hoch, das Alter.
00:24:35: Und das birgt natürlich auch
00:24:37: politisch die Gefahr, dass mehr
00:24:38: auf die größere Menge älterer
00:24:41: Menschen gehört wird, als auf die
00:24:42: kleinere Menge jüngerer Menschen.
00:24:44: Und ich bin zum Beispiel echt
00:24:46: eine Unterstützerin der Idee,
00:24:49: dass man auch Stimmen,
00:24:51: also zum Beispiel Elternstimmen für
00:24:52: die Kinder geben sollte und das
00:24:54: Wahlalter runtersetzen sollte, damit
00:24:56: hier eine bessere Partizipation
00:24:58: auch möglich ist, damit diese
00:25:00: Interessen auch mehr Gewicht
00:25:01: gewinnen.
00:25:02: Einen Punkt würde ich noch anfügen.
00:25:05: Wenn der mittlere Wähler 47 Jahre
00:25:07: ist, bedeutet das ja nicht nur,
00:25:09: dass die Wählergruppe
00:25:11: der älteren Generation größer ist
00:25:13: und dementsprechend auf die Themen
00:25:14: mehr eingegangen wird, sondern dass
00:25:15: die Leute auch tendenziell ältere
00:25:17: Menschen wählen in Parlamente,
00:25:20: sodass auch einfach die
00:25:22: Altersstruktur in den
00:25:23: Entscheidungsgremien sich auch nicht
00:25:25: verjüngt oder da diversifiziert
00:25:27: von der Altersbreite her.
00:25:29: Aber noch mal zu dem Gedanken, was
00:25:31: Sie auch gesagt haben, Frau Klammer,
00:25:32: wie erreichen wir eben die, die
00:25:34: da auch so ein bisschen sich
00:25:36: zurückgezogen haben oder die sagen,
00:25:38: es ist sowieso alles egal, oder wie
00:25:40: kommen wir sozusagen da
00:25:42: in einen gemeinsamen Austausch?
00:25:44: Habt ihr da irgendwie Gedanken zu,
00:25:45: habt ihr da Überlegungen, wie man
00:25:46: das schaffen kann?
00:25:47: Also für uns ist das auch eine große
00:25:49: Herausforderung im Verein, weil wir
00:25:51: natürlich auch den Anspruch haben,
00:25:53: die Stimme der Jugend zu
00:25:54: repräsentieren.
00:25:55: Die Stimme der Jugend sind eben
00:25:57: nicht nur die engagierten Leute,
00:25:59: die sowieso schon gefördert werden,
00:26:01: sondern das sind auch Leute aus
00:26:03: sozioökonomisch schwächeren
00:26:04: Hintergründen und Haushalten.
00:26:07: Und die zu erreichen ist tatsächlich
00:26:08: eines der größten Probleme, die wir
00:26:10: auch im Bewerbungsprozess haben.
00:26:13: Was wir gemerkt haben, ist, dass
00:26:15: es super wichtig ist, die Hürden
00:26:16: möglichst gering zu halten.
00:26:18: Also wir übernehmen jegliche
00:26:20: Kosten für die Veranstaltungen,
00:26:22: also auch Fahrtkosten, Unterkunft,
00:26:24: Verpflegung, sodass die Leute keine
00:26:26: Investitionen da mitbringen
00:26:28: müssen oder das Geld im Hintergrund
00:26:30: haben müssen, dass sie teilnehmen
00:26:31: können.
00:26:32: Und wir versuchen auch die Bewerbung
00:26:34: auf die Kommission möglichst
00:26:35: niedrigschwellig zu halten, sodass
00:26:37: wirklich nur die Motivation
00:26:39: ausschlaggebend ist, und dass es
00:26:41: nicht zählt, wie viele
00:26:42: Rechtschreibfehler in dem
00:26:44: Motivationsschreiben drinstehen
00:26:45: etc., sondern dass wirklich
00:26:47: einfach... Wir versuchen, den Mensch
00:26:48: dahinter zu sehen, aber das ist
00:26:50: total schwer, an diese Gruppen
00:26:52: ranzukommen, einfach weil wir
00:26:54: zum Beispiel auch die Bewerbung über
00:26:56: verschiedenste Organisationen
00:26:57: versuchen zu verbreiten, aber
00:26:59: wir natürlich auch als Organisation,
00:27:01: die sie engagiert hat, engagiert,
00:27:03: viel Kontakt zu anderen
00:27:04: Organisationen haben, wo Leute sich
00:27:06: engagieren, aber genau zu den
00:27:09: Organisationen, die Leute versuchen
00:27:11: zu erreichen, die sich noch nicht
00:27:13: engagieren, das ist total schwierig,
00:27:15: weil es irgendwie auch so eine Art
00:27:17: Barriere da ein bisschen gibt, und
00:27:19: wir als Verein, das muss ich auch
00:27:21: ehrlich sagen, relativ
00:27:23: professionell und ein bisschen
00:27:25: vielleicht auch
00:27:27: exklusiv nach außen treten,
00:27:30: sodass da auch die Hürde ist,
00:27:32: ihr tragt irgendwie alle auf euren
00:27:34: Bildern Hemden.
00:27:35: Ich hab vielleicht kein Hemd in
00:27:37: meinem Kleiderschrank, ich pass da
00:27:38: irgendwie nicht rein.
00:27:39: Und dass man da auch in der
00:27:41: Kommunikation nach außen drauf
00:27:42: achtet, wie trete ich auf und welche
00:27:45: Zielgruppe spreche ich mit meiner
00:27:46: Kommunikation an.
00:27:48: Das sind so kleine Stellschrauben,
00:27:50: die man drehen kann, die aber,
00:27:52: das muss aus meiner Erfahrung nicht
00:27:54: den hundertprozentigen Erfolg
00:27:56: versprechen, einfach weil es total
00:27:57: schwierig ist, an die Leute
00:27:58: ranzukommen.
00:28:00: An sich würde ich vermuten,
00:28:03: dass man Social Media,
00:28:05: das ist aber jetzt nicht so
00:28:07: meine Expertise,
00:28:10: wenn viele von denen wirklich
00:28:11: dauernd auf Tiktok rumhängen, dann
00:28:13: sollte man doch versuchen, diese
00:28:15: Blasen irgendwie aufzupieksen und
00:28:17: da die Leute zu erreichen.
00:28:21: Noch ein Punkt, und zwar: Das Interessante
00:28:22: an Social Media ist ja, dass die
00:28:23: Algorithmen einem immer das
00:28:25: vorspielen, was man sich eh
00:28:27: schon anschaut.
00:28:28: Das heißt, die engagierten Leute
00:28:29: bekommen Werbung von uns, weil sie
00:28:31: sich weiter engagieren können.
00:28:33: Die Leute, die sich noch nicht
00:28:34: engagieren, suchen danach
00:28:36: vielleicht auch gar nicht auf Social
00:28:37: Media.
00:28:38: Dementsprechend bekommen sie die
00:28:39: Werbung gar nicht in ihren Feed
00:28:41: gespielt und das ist so ein
00:28:42: Teufelskreislauf, der dadurch auch
00:28:44: immer noch weiter verstärkt wird
00:28:46: leider.
00:28:47: Sie haben es ja gesagt, Frau Klammer,
00:28:49: also vielleicht ist es auch so,
00:28:50: dass sozusagen in kleinen, in den
00:28:52: Familien und so weiter sind diese
00:28:54: Konflikte gar nicht so stark
00:28:55: vorhanden, wie es manchmal medial
00:28:57: präsentiert oder dargestellt wird.
00:28:59: Aber wenn Sie sozusagen jetzt
00:29:01: da was verändern könnten, also wenn
00:29:02: Sie das neu gestalten könnten,
00:29:04: wie jetzt auch diese Themen
00:29:05: verhandelt werden, wo würden
00:29:07: Sie da ansetzen oder was könnte man
00:29:09: vielleicht auch im Alltag tun, um
00:29:10: sozusagen noch mehr in dieses
00:29:12: Miteinander vielleicht auch wieder
00:29:13: zu kommen.
00:29:14: Also wir sind ja jetzt nicht so auf
00:29:16: das Thema Einsamkeit gekommen, aber
00:29:18: es gibt ja auch neue Studien und
00:29:19: das macht einem ja schon Sorge,
00:29:22: dass das früher immer ein Thema war,
00:29:24: wo wir gedacht haben, das betrifft
00:29:25: ältere Menschen, Witwen, die
00:29:27: alleine leben und plötzlich
00:29:29: sagen alle jungen Menschen, ich
00:29:30: fühle mich einsam, weil die
00:29:32: teilweise wohl durch Corona nicht
00:29:34: richtig gelernt haben, miteinander
00:29:36: in einen Dialog zu kommen.
00:29:38: Aber teilweise auch, weil die Räume
00:29:40: einfach fehlen oder weil sie eben
00:29:41: wirklich dauernd an Social Media nur
00:29:43: hängen und nicht rausgehen.
00:29:45: Und das hat nicht
00:29:47: direkt mit dem Sozialstaat im
00:29:48: engeren Sinne zu tun.
00:29:50: Diese Generation da besser abzuholen
00:29:52: und Räume zu schaffen für den
00:29:54: Austausch, von Jugendzentren
00:29:56: über Nachmittagsangebote,
00:29:59: dass man die rausholt aus ihren
00:30:01: Blasen und zusammenbringt,
00:30:03: das fände ich wirklich sehr wichtig,
00:30:05: dass dieses Gefühl sich nicht weiter
00:30:06: ausbreitet: Ich bin hier in so einer
00:30:08: Gesellschaft, aber eigentlich bin
00:30:09: ich alleine.
00:30:11: Stella, wie sind so deine Gedanken?
00:30:13: Was würdest du, wenn du noch mehr
00:30:15: nicht nur mit den Mächtigen sprechen
00:30:17: würdest, sondern selber schon ein
00:30:18: bisschen mehr Macht hättest, was
00:30:20: würdest du jetzt mit dieser Macht
00:30:21: machen, um da diesen Dialog auch
00:30:23: vielleicht schon jetzt irgendwie
00:30:24: anders zu gestalten oder zu
00:30:26: beeinflussen?
00:30:27: Ich glaube, ich würde versuchen,
00:30:29: ja, alles, was möglich ist, zu
00:30:30: machen, aber vor
00:30:32: allem diese Begegnungsräume zu
00:30:33: schaffen und da auch den Dialog
00:30:35: zwischen Alt und Jung herzustellen
00:30:37: und also die
00:30:40: verschiedenen Generationen wirklich
00:30:41: gemeinsam zusammenzubringen
00:30:44: und da einen Raum zu schaffen,
00:30:46: einen Ort zu schaffen, wo man sich
00:30:47: auf Augenhöhe austauschen kann,
00:30:49: wo man miteinander reden kann und
00:30:51: eben nicht übereinander, weil ich
00:30:53: glaube, das ist supersuperwichtig,
00:30:55: dass man einfach versteht,
00:30:57: was denken die anderen, wieso
00:30:59: denken sie es gegebenenfalls,
00:31:01: um dieses Verständnis zu schaffen,
00:31:03: aber dann auch gemeinsam den Weg
00:31:04: nach vorne zu gehen, dass man nicht
00:31:06: auf die Unterschiede schaut, die die
00:31:08: Generationen vielleicht haben,
00:31:10: was die einen anders machen als die
00:31:12: anderen, etc., sondern wirklich
00:31:13: schaut, hey, wie können wir die
00:31:15: aktuellen Probleme gemeinsam angehen
00:31:16: und eben auch zum Beispiel den
00:31:17: Sozialstaat gemeinsam neu
00:31:19: denken oder vielleicht auch so
00:31:21: denken, wie er ist, aber
00:31:23: zu verbessern, damit es auch noch in
00:31:25: der Zukunft funktioniert, damit
00:31:26: beide Generationen davon noch was
00:31:28: haben.
00:31:38: Danke, dass du dabei warst.
00:31:40: Wenn dir die Folge gefallen hat,
00:31:42: schenk uns ein Like und empfehle uns
00:31:43: weiter. Oder noch besser, abonniere
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00:31:59: So bleibst du informiert über neue
00:32:00: Beiträge der HerCareer Academy,
00:32:03: aktuelle Podcast-Episoden und
00:32:05: Programm-Highlights der kommenden
00:32:06: HerCareer Expo in München.
00:32:08: Wir freuen uns sehr, wenn du Teil
00:32:10: unseres Netzwerks wirst.
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